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Interview

Christian Huber: Comedy-Autor vom Dorf

Von der Langeweile in Klardorf zu Jan Böhmermann nach Köln: Doch zu Weihnachten kehrt Christian Huber gerne zurück.
Von Florian Sendter

„Alle anderen können einpacken“ heißt das neue Buch von Christian Huber. Foto: Joseph Strauch
„Alle anderen können einpacken“ heißt das neue Buch von Christian Huber. Foto: Joseph Strauch

Haben Sie die Regensburger Bühnenfassung Ihres Buchs „Fruchtfliegendompteur“ mit Michael Haake gesehen?

Leider nein. Mir haben sehr viele Leute Fotos geschickt, und Michael Haake muss das fantastisch gemacht haben. Ich habe es leider nicht sehen können, weil ich aus Köln nicht wegkonnte. Meine Eltern haben sich das Stück angeguckt, und die fanden es sehr gut.

Gibt‘s den „Fruchtfliegendompteur“ noch woanders auf der Bühne?

Nein, der ist nur in Regensburg auf der Bühne gelandet.

Der „Fruchtfliegendompteur“ war so eine Art Selfie-Sudelbuch, das um ein hypochondrisches Ich kreist. Ihr neues Buch „Alle anderen können einpacken – über Weihnachten nach Hause“ dagegen ist die Fortsetzung Ihres Bestsellers „7 Kilo in 3 Tagen“

Genau. In „7 Kilo in 3 Tagen“ ging‘s darum, dass Bastian zu seinen Eltern gefahren ist und Weihnachten mit ihnen gefeiert hat. Wobei sich herausstellt, dass seine Exfreundin Fine die neue Freundin seines Bruders ist und er Fine das erste Mal an Heiligabend wiedersehen wird. Das neue Buch schließt daran an: Bastian fährt wieder an Weihnachten zu seinen Eltern. Allerdings ist jetzt er es, der eine neue Freundin hat. Das Problem dabei: Er kann Heiligabend nicht zuhause feiern, sondern muss die Eltern seiner neuen Freundin kennenlernen. Und die halten ihn für einen Volltrottel.

„Wohin gehen wir? – Immer nach Hause“ – Die romantische Beruhigungspille wirkt nur bei denen, die sowas wie ein Zuhause haben. Dass das nicht bei allen Menschen der Fall ist, sieht man an Eric, der in Ihrem neuen Roman untern Weihnachtsbaum geschneit kommt. Wie sind Sie auf den Eric gekommen?

Es gibt einen Hausmeister hier in dem Haus in Köln, in dem ich lebe. Das ist der Eric. Der ist aus Ghana nach Deutschland eingewandert vor ein paar Jahren. Mit dem unterhalte ich mich ab und zu auf dem Gang, und etliche Geschichten von Eric sind in mein neues Buch eingeflossen. Der weiß das aber gar nicht, ich habe ihm das nie erzählt.

Werden Sie ihm das Buch zu Weihnachten schenken?

Vielleicht eher eine Flasche Wein. Eric ist superlustig. Der hat so einen ganz trockenen Humor. Man merkt, dass er schon viel erlebt hat, obwohl er noch jung ist. Aber er nimmt das alles mit einer bewundernswerten Leichtigkeit.

Gemessen daran, was unsereiner durchschnittlich so an Riesenproblemen hat?

Genau. Wir kriegen beispielsweise schon die Krise, wenn das Wlan dreißig Minuten ausfällt.

Zu Gast bei „Menschen, die bewegen“

  • Zur Person: Christian Huber ist Autor und arbeitet unter anderem für das Neo Magazin Royal von Jan Böhermann. Huber, der auf Twitter unter dem Namen Pokerbeats aktiv ist, hat bereits zwei Bücher veröffentlicht. Sein neues Werk „Alle anderen können einpacken“ erscheint am 23. Oktober.

  • Gast:

    Huber wird bei der Gala „Menschen, die bewegen“, die die Mittelbayerische am 1. Dezember veranstaltet, auf der Bühne stehen. Gäste sind zudem die Schauspielerin Anna Maria Sturm, Schlossfestspiel-Macher Reinhard Söll und viele weitere Menschen, deren Geschichten das vergangene Jahr geprägt haben.

  • Vorverkauf:

    Karten für die Gala am 1. Dezember im Marinaforum bei den Geschäftsstellen des Mittelbayerischen Kartenvorverkaufs und den CTS-Vertragsvorverkaufsstellen. Tel. Kartenversand: (09 41) 46 61 60. Preis: 45 Euro (zzgl. Gebühren, incl. Getränke und Fingerfood). Der Eintritt geht an den Förderverein ZSER e.V.

Bastian Kollinger, der Held Ihres neuen Buchs, ist ein ziemlich erfolgsverwöhnter junger Mann.

Naja! (lacht) Also in dieser Romanfigur steckt schon ein bisschen was von mir, aber auch nicht so wahnsinnig viel. Eher in den Situationen, die Bastian erlebt. Wie er an Weihnachten nach Hause kommt, das ähnelt schon dem, wie es bei mir zuhause ist.

Sie fahren an Weihnachten nach Hause?

Ja. Und zwar voraussichtlich am 23.12., und ich freu mich schon wieder wahnsinnig drauf. Zum einen natürlich, meine Eltern wiederzusehen, bekocht zu werden, aber auch, wieder mal Natur mitzukriegen. Ich hab ja, bevor ich nach Köln gezogen bin, sechs Jahre in Berlin gelebt. Immer in der Großstadt.

Sie sind in Regensburg geboren und in Schwandorf aufgewachsen. Meistens sind Kindheit und Jugend ja entscheidend, dass man zum Satiriker wird. Inwiefern ist Schwandorf schuld?

Langeweile, vielleicht. Wenn man auf dem Dorf groß wird, kann man das teilweise nur mit Humor nehmen. Ich kann halt gut Geschichten erzählen und Witze machen, aber ein normaler Job war bei mir immer schwierig.

Sie sprechen von einem Dorf? Ist Schwandorf ein Dorf für Sie?

Nein, nein, ich spreche von Klardorf! Ich bin in Klardorf aufgewachsen, einem kleinen Ort im Landkreis Schwandorf. Ich bin zwischen Fußballplatz und Feuerwehrheim groß geworden. Und irgendwann will ich auch wieder aufs Land.

Aber vorläufig ist Köln in Ordnung?

Im Moment ist Köln super. Bücher zu schreiben und für Jan Böhmermann zu arbeiten, das ist wunderbar.

Jan Böhmermann, für dessen Neo Magazin Royale Sie schreiben, hat gesagt: „Deutsche Satire hat noch enormes Potenzial.“ Sehen Sie das auch so?

Statt Satire spreche ich lieber von Comedy. Bei Satire schwingt immer sowas Ernstes mit. Was das Potenzial angeht: Wenn man das mit Amerika vergleicht, was die für Late-Night-Shows, Comedy-Serien und generell für eine Szene haben, da ist die Kultur eine ganz andere. Da können wir noch einiges lernen.

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