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Rundgang

Cooler Sound, multikulturelle Affäre

Ein Streifzug durch die Locations des Bayerischen Jazzweekends in Regensburg zeigt die große Bandbreite.
Von Michael Scheiner

Das Tobias Meinhart Quartett begeisterte die Zuhörer. Foto: altrofoto.de
Das Tobias Meinhart Quartett begeisterte die Zuhörer. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Umso genauer man hinschaut, desto länger wird die Küste eines Landes. Dieses Phänomen wendet das europäische Kollektiv „Coastline Paradox 5“ um die beiden Bläser Richard Köster (tp) und Damian Dalla Torre (ts, bcl) in einer Mischung aus langen Spannungsbögen und subtilen, intuitiven Nahaufnahmen an. Im Arkadenhof entfalteten die fünf Musiker ihre musikalische Landschaften zwischen zarten, versponnenen Unisono-Linien, repetitiven Pianomotiven, sirrenden Sounds und klaren kraftvollen Attacken, die teils wie Warnsignale wirkten. Je näher man da mit den Ohren ranrückte, desto gehaltvoller und ergiebiger wurde das Erlebnis – und entfaltete von einer fast meditativen Ruhe über versteckten Witz bis zu unheimlichen Momenten und märchenhaft-romantischen Stimmungen ein faszinierendes Klangpanorama.

Vom Quartett, mit dem sie vor zwei Jahren zu hören war, ist Nathalie Elwoods Projekt auf ein Duo mit dem Pianisten Josef Reßle geschrumpft. Im lüftungverrauschten Degginger präsentierte die Münchner Sängerin eigene Songs, wie das nachdenklich „Many Moons Ago“, und eigens arrangierte moderne Jazzsongs. Atemberaubend, wie die beiden durch verzwickte Wendungen ihrer ungemein spritzigen Version von Chick Coreas „Spain“ rasen, das Publikum rast begeistert mit. Was Stimmumfang, die Fähigkeit federleicht lautmalerisch zu improvisieren und das Ausloten feinster Stimmungen und Nuancen angeht, reichen Elwood aktuell wohl nur wenige andere Sängerinnen das Wasser. Woran es ihr mangelt, ist ein wenig mehr Charisma. Das kann auch Reßle mit seinem packenden Spiel nicht ganz ausgleichen.

An den türkischen Drummer Okay Temiz mit seinem Mix aus orientalischen Rhythmen und Instrumenten mit Jazz und Fusion erinnerte der bejubelte Auftritt des Augsburger Sextetts „Harrycane Orchestra“. Mit ihrer „Arabic Jazz Affair“ gelang es der multikulturellen Truppe, das Publikum am Haidplatz fast vollständig auf ihre Seite zu ziehen. Bewegend der von türkischer Melodik getragene Gesang von Tarkan Yesil und die melancholisch-schönen Stimmungen, die Bläser Kay Fischer und Cümbüc-Spieler Joe Aykut über einem vielfältigen Rhythmusgeflecht entfalteten.

Frisch, jung und einnehmend klingt Sängerin Olga Dudkova, wenn sie mit eigenen Songs und neu arrangierten Standards bestens unterhält. Mit ihrem flotten Männer-Trio ließ sie am Kohlenmarkt keinen unberührt.

Schnellspieler – auf seiner Gibson –, Schnellraucher und Schnellsprecher, das ist der Wiener Harri Stojka. Mit seiner eigenwillig-eruptiven Musik im Duo und einer Lesung von Anekdoten aus einem zigeunerischen Musikerleben mischte er im Degginger ordentlich auf. Ein erfrischendes und herrlich unangepasstes Vergnügen!

Sehr viel straighter und äußerlich kontrollierter ist das junge Quartett des Lokalmatadoren und Wahl-New-Yorkers Tobias Meinhart, das am Bismarckplatz die Zuhörer mit seinem cool-heißen Sound zu begeisterten Ausrufen animierte.

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