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Musik

Darf Ed Sheeran vor 85.000 singen?

Ein Konzert von Ed Sheeran spaltet Düsseldorf in Gegner und Befürworter. Es geht nicht um dessen Musik, sondern um das Gelände für seine 85.000 Fans.
Von Frank Christiansen, dpa

Die Genehmigung für das Konzert von Ed Sheeran lässt noch auf sich warten. Foto: Str/EPA
Die Genehmigung für das Konzert von Ed Sheeran lässt noch auf sich warten. Foto: Str/EPA

Düsseldorf.Er ist ein sanfter Superstar, bricht mit seinen Liebesliedern Rekorde. Der britische Sänger Ed Sheeran („Shape of you“) ist derzeit auf Welt-Tournee.

Für seinen Auftritt am 22. Juli in Düsseldorf sind 85.000 Tickets seit Monaten verkauft. Doch am kommenden Mittwoch könnte der Konzertveranstalter eine Pleite erleben. Denn dann will der Planungsausschuss des Stadtrats entscheiden, ob der Auftritt genehmigt wird - oder nicht.

Der Veranstalter hat bereits durchblicken lassen: Für einen Plan B ist es zu spät. Wenn die Kommunalpolitiker die Zustimmung verweigerten, falle das Konzert unweigerlich aus. Das Problem ist das Konzertgelände. Es handelt sich um den Parkplatz 1 der Düsseldorfer Messe. Erstmals soll dort ein großes Open-Air-Konzert stattfinden. Und dafür sollen mehr als 100 Bäume gefällt werden.

Das bringt Umweltschützer auf die buchstäbliche Palme. „Jeder Baum in der Stadt wird gebraucht“, mahnt der NRW-Chef des Naturschutzbunds, Josef Tumbrinck. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) argumentiert, für die Bäume werde selbstverständlich großzügig Ersatz gepflanzt. Doch das Stadtoberhaupt hat im Rat keine eigene Mehrheit. Nach den Grünen war dem Stadtchef auch die CDU bei den Konzertplänen von der Fahne gegangen.

Daraufhin war die Entscheidung im letzten Moment um zwei Wochen vertagt worden. Im Rathaus hofft man nun, dass die CDU noch einlenkt. Hinter den Kulissen wird heftig gerungen. Kommunale Wirtschaftsverbände machen Druck: Gastronomen und Hoteliers sind über den Kurs der Union verärgert. Und auch die Grünen scheinen noch mal ins Grübeln gekommen zu sein.

Düsseldorf drohe ein „dramatischer Reputationsschaden“, warnt der Oberbürgermeister. Es gehe um mehr als nur ein Konzert, argumentiert Geisel: Auf dem Gelände sei „die größte urbane Eventfläche Nordrhein-Westfalens“ geplant. Sie sei hervorragend angebunden und bestens geeignet für solche Mega-Konzerte. „Ich kann keinen sachlichen Grund erkennen, dieser Veranstaltung die Genehmigung zu verweigern.“

Das sehen die Gegner anders: Das Gelände liegt in der Einflugschneise des Düsseldorfer Flughafens. Wenn ein großer Passagierflieger mit 87 Dezibel durch ein Liebeslied dröhnt, sollten die Ticketkäufer über Schadenersatzforderungen nachdenken, meinen die Freien Wähler.

Nebenan stehe die teure und moderne Arena derweil leer und schreibe rote Zahlen, argumentieren die Gegner der Parkplatz-Lösung. Doch das Konzert auf zwei Abende vor jeweils 46 000 Menschen in die Arena zu verlegen, gebe weder der Tourplan, noch die Größe der Bühne her, sagen die Veranstalter.

Andererseits müssen sich die Umweltschützer fragen, wo sonst rund die Hälfte der Besucher umweltschonend mit Bus und Bahn anreisen könnten.

Die Düsseldorfer Feuerwehr betont: Beim Sicherheitskonzept habe es keine Kompromisse gegeben. „Wir haben das Loveparade-Unglück hautnah miterlebt. Unsere Forderungen wurden alle erfüllt.“ Bei einem Unwetter stünden Messehallen und Arena als Unterschlupf bereit.

Ursprünglich sollte der rothaarige Superstar auf dem Flugplatz Essen/Mülheim auftreten. Dann fiel auf, dass dort noch massenhaft Bomben-Blindgänger im Boden schlummern könnten und außerdem in den Bäumen die sensiblen Feldlerchen brüten. Letzteres kann in Düsseldorf nicht mehr passieren: Die Bäume wurden in Kunststoffplanen verpackt. Der 27 Jahre alte Sänger hat zu dem Streit bislang geschwiegen. Sein Management sei „irritiert“, heißt es.

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