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Ausstellung

Das Auto wird zu ihrem Atelier

Die Malerin Susanne Neumann aus Waldsassen inszeniert das Thema Mobilität in Bildern – und das sehr farbenfroh.
Von Michael Scheiner

Susanne Neumann stellt in der Galerie Artspace Erdel in Regensburg aus. Foto: wolf erdel
Susanne Neumann stellt in der Galerie Artspace Erdel in Regensburg aus. Foto: wolf erdel

Regensburg.Vor einem Jahr stand er bei einer Ausstellung der „Sammlung Bezirk Oberpfalz“ in der Kebbel-Villa mitten im Weg. Ein alter, vielfach reparierter, schäbiger Holzbock. Er verleitete Besucher dazu, ihn prüfend anzufassen. Den meisten ging es darum, zu testen, ob der Bock tatsächlich aus Holz oder – was sich dann herausstellte – aus einem anderen Material ist. Mit diesem in Bronze gegossenen, einfachen ländlichen Alltagsobjekt hat die Künstlerin Susanne Neumann einen Coup gelandet, der Bezirk kaufte die Plastik an.

Dabei versteht sich die in Waldsassen geborene Künstlerin eigentlich als Malerin. Dennoch geht es der Oberpfälzerin auch um Raum. Selbst ihre gemalten Bilder sieht sie „als eine Verlängerung in den Raum“ hinein. Sie zielt darauf, dass die Stimmungen und immateriellen Spuren, die sich mit der Malerei in die Leinwand eingegraben, eingepinselt haben, in den Raum hineinragen und auf Betrachter übertragen. Eine vielleicht idealistische Vorstellung, für Neumann allerdings ein wichtiges Anliegen, aus dem heraus sie kreative Energie für ihre künstlerische Arbeit schöpft. Ihre Motive und Ideen entstehen bei häufigen Fahrten in die Toskana und nach Wien, wo Neumann ein „sehr schönes Atelier“ im Bereich des Zentrums der österreichischen Hauptstadt hat.

Unterwegs ist sie viel, weil sie im Wohnhaus der Großeltern in Waldsassen ein weiteres Atelier hat und weil sie seit Jahren „ehrenamtlich für die Stiftung von Daniel Spoerri“ tätig ist, die bei Seggiano den Skulpturengarten „Il Giardino“ betreibt. Über Spoerri, dessen Assistentin sie zeitweise war, entwickelte sie Interesse an Fundstücken, alten Dingen und neuen Materialien. Daraus erwuchs ein Bedürfnis, sich auch mit Skulpturen und Installationen auszudrücken, und darüber ihre Malerei in die Dreidimensionalität zu erweitern.

Retrospektiver Blick

Nimmt sie die Bewegung, den Anblick aus dem fahrenden Auto, die Landschaften und Ereignisse als Aufhänger für ihre Bildmotive, wandert ihr Blick dabei fast immer zurück, wird retrospektiv. So auch mit dem Holzbock, der vom Anwesen der Großeltern stammt und „unheimlich viel transportiert“. Einerseits ist ein solches archaisches Werkzeug „aus der Zeit gefallen.“ Dennoch wird es „von jedem sofort erkannt“ und ermöglicht Betrachtern damit einen direkten Zugang.

Über die künstlerische Ästhetisierung erfährt es eine Werttransformation, das alte Ding gewinnt eine unerwartete Wertigkeit und mit dem edlen Material eine Art „Ewigkeitsanspruch“, wie Neumann erläutert. Als Kunstobjekt spricht es auch davon, „wie sich Dinge früher viel länger hielten“ und einfach „besser genutzt wurden“. Darin korrespondiert Neumanns künstlerische Auseinandersetzung mit den Ideen des amerikanisch-britischen Soziologen Richard Sennett zum Handwerk und den Wert der Arbeit. Diese wiederum spielen indirekt beim jüngsten Projekt Neumanns mit hinein – der Wiederbelebung des lange stillgelegten, ersten Badehauses des Sibyllenbades in Maiersreuth. Zusammen mit anderen Initiatoren ist sie dabei, das brachliegende Gebäude für Kunst, Ateliers und künstlerische Aktionen umzuwidmen und neu zu beleben. Bei einem viel beachteten Künstlersymposium in diesem Sommer waren auch Künstler aus Regensburg beteiligt.

Gewisse Theatralik

In Ausstellungen in Florenz, wo sie Malerei studiert hat, Wien und Nürnberg ist bei den Objekten und Installationen immer wieder eine gewisse Theatralik, „etwas Bühnenbildhaftes“ durchgekommen, wie sie es ausdrückt. Auch in ihren Bildern ist dieser Hang zur wirkungsvollen Überspitzung zu finden. Neumann abstrahiert in ihrer Malerei die dokumentarischen Motivationen ihres Arbeitens. In farbintensiven figurativen Acrylbildern verdichtet sie Stimmungen, die sie auf ihren Fahrten erlebt hat. Weil sie viel unterwegs ist, hat sie beschlossen „mein Auto zum Atelier zu machen“ und die dabei entstehenden Ideen in Bilder und künstlerische Arbeiten zu übersetzen.

Schau „In Bewegung“

  • Öffnungszeiten

    : Artspace Erdel, Fischmarkt 3 und Schaulager (Am Schallern 4), sind geöffnet werktags von 11 bis 19 Uhr. Kontakt über Dr. Wolf Erdel, Tel. (0170) 3180748.

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