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Musik

Das Bandcamp entdeckt Hitpotenzial

Beim „Metal:Winter.Wonderland“ in der Musikakademie Alteglofsheim präsentieren sich junge Musiker aus ganz Deutschland.
Von Michael Scheiner

Maria und Vroni (r.) mit den „Breakouts“ Foto: Scheiner
Maria und Vroni (r.) mit den „Breakouts“ Foto: Scheiner

Alteglofsheim.„Wir haben schon Ideen für einen Song mitgebracht,“ meint Maria aus Geisach bei Lenggries, „Refrain, Stimme, Hookline und so…“. Selbstsicher und gänzlich uneitel erzählt die 13-Jährige in Jeans und schwarzem Kapuzenpulli, wie sie ins Bandcamp „Metal:Winter:Wonderland“ in Alteglofsheim gekommen ist. Zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Vroni, die Bass spielt, und dem schmächtigen Schlagzeuger Luca, ebenfalls 13, bildet das Trio die jüngste Band im Workshop, den die Bayerische Musikakademie zusammen mit der Wacken-Foundation veranstaltet.

Es ist das zweite Mal, dass die gemeinnützige Stiftung aus dem hohen Norden mit Bernd Schweinar von der im Schloss residierenden Musikakademie ein solches Bandcamp für zwölf- bis 17-jährige Rock- und Pop-Eleven auf die Beine gestellt hat. Das bundesweit über soziale Medien und Musikschulen beworbene Bandcamp zielt darauf ab, angehende Jungmusiker ganz praktisch in ihrer künstlerischen und kreativen Entwicklung zu fördern.

Stars gewähren Unterstützung

Ist die 2009 errichtete Wacken Foundation gegründet worden, um in erster Linie Künstler und Bands aus dem Bereich des Heavy Metal zu unterstützen, ist beim einzigen Bandcamp im süddeutschen Raum auch Nachwuchs aus den Bereichen Poprock, Mundart bis hin zum Funk „jederzeit willkommen“, wie Akademieleiter Schweinar ausführt. Enno Heymann von der Stiftung, ein ehemaliger Metal-Bassist und Musikverleger, erläutert, dass die von Stars wie Doro Pesch unterstützte Stiftung „weltweit mit Förderprogrammen und Camps aktiv ist“, um die Heavy-Metal-Szene voranzubringen.

Heuer haben sich 30 junge Leute angemeldet und sind aus allen Winkeln der Republik nach Alteglofsheim gekommen. Ihnen standen mit Kay Lutter und Florian „Specki“ Speckardt von „In Extremo“, der israelischen Sängerin Noa Gruman von „Scardust“ und Matthias Richter von „Schandmaul“ kompetente Profis als Coaches und drei Produzenten zur Seite. Deren Ehrgeiz war es, dass jede der ad hoc zusammengestellten Bands einen Song kreiert, einübt und aufnimmt.

Geradliniger Mundart-Rock

Die „Breakouts“ von Maria, Vroni und Luca bestanden als einziges Bandprojekt bereits zuvor. Zusätzlich wurde ihnen der 14-jährige Sackpfeifenspieler Silas zugeteilt. Mit seinem riffdominierten Spiel peppt dieser den geradlinigen Mundart-Rock des Trios spürbar auf. Das geht aufs Konto des Stuttgarter Produzenten Matthias Hilberer, „Sound Maze“ genannt. Er hat Silas ins Spiel gebracht, als er daran ging, den Song mit dem Rocktrio zu arrangieren.

„Am Anfang, vor drei Jahren“, erzählt Bassistin Vroni, da war sie gerade mal neun, hätten sie angesagte Popnummern gecovert. Unterricht hatten die Schwestern privat bekommen. Schlagzeuger Luca wollte eigentlich ein anderes Instrument erlernen. Schließlich folgte er dem Vater. Als Trommler hatte dieser kurz vor einer Profikarriere beruflich noch umgesattelt. Von ihm kam auch der Tipp fürs Bandcamp in Alteglofsheim.

Weil der Support der Eltern nicht ganz für den Eigenbeitrag gereicht hat, den jeder Teilnehmer am „Metal:Winter:Wonderland“ aufbringen muss, beschlossen sie, den Rest aus der Bandkasse zuzuschießen. Das zeige, meinten Schweinar und Heymann unisonso, „dass die jungen Leute wirklich brennen für ihre Musik“. Das sei exakt die Richtung der Förderung durch die Foundation, die „Eigeninitiative der jungen Musiker“ voranzubringen und nicht unbedingt die technischen Fähigkeiten am Instrument zu schulen.

„Genial“ murmelt Produzent Sound Maze, als Maria und Vroni als Zweitstimme „I will fliagn und frei sein“ in oberbayerischer Mundart singen, „der Song hat echtes Hitpotential“.

Am Ende das Camps stellt jede Band das Erarbeitete in einem Konzert vor. Später bekommen alle Teilnehmer die von den Produzenten in Stuttgart und Hamburg abgemischten Aufnahmen mit Fotos und Videoclips aus der Akademie auf DVD.

„Einige sind dann beim nächsten Metal:Winter:Wonderland wieder mit dabei“, hoffen die Initiatoren Bernd Schweinar und Enno Heymann. Vielleicht findet sich bis dahin auch ein Sponsor, der die Förderung kreativer Nachwuchsrocker protegiert.

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