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Regensburg.

Das brennend Diabolische

„Back to red“: Bilder von Ana Matt in derMinoritenkirche

Ana Matt vor ihrer großformatigen Arbeit „Quadriga“Foto: Sebastian Zwicknagl

Von Gabriele Mayer, MZ

Zum neunten Mal präsentiert in der Sommerausstellung der Städtischen Museen jeweils ein bildender Künstler Arbeiten in der Minoritenkirche. Dabei geht es nicht darum, einfach Bilder oder Objekte in das ehemalige Gotteshaus als angenehm kühlem Ausstellungsraum hineinzustellen. Die erhebliche Herausforderung besteht darin, diesem mit christlicher Tradition auch symbolisch hochaufgeladenen und ästhetisch für sich sprechenden historischen Ort etwas entgegenzusetzen und mit ihm zu kommunizieren. Andererseits hilft die vielfache Ausstrahlung des Raums natürlich, um die Aussage- und Bedeutungskraft der Kunst zu steigern und erweitert quasi wie von selbst ihren Horizont und Assoziationsrahmen.

Das Innere der Minoritenkirche ist nuancenreich hell und steinfarben. Die Bilder der Regensburger Künstlerin Ana Matt sind rot und schwarz. Ein größeres optisches Auseinanderklaffen, man kann sogar sagen eine größere Disharmonie, ist auf den ersten Blick kaum erwartbar. Und doch denkt man im Kontext des alten Kirchenraums sofort auch an das eine, an das nämlich, was aus der gegenwärtigen christlichen Vorstellungswelt fast völlig wegretuschiert wurde, gerade aber im Mittelalter, in dem die Minoritenkirche entstand, von höchster und allgemeiner Präsenz war: Man denkt ans Höllenfeuer. An das brennend Diabolische, an das aggressiv Herausfordernde und lodernd Vernichtende.

Rot ist darüber hinaus zwar die Farbe der Liebe, aber auch die des Blutes: die Farbe der Lebendigkeit. Rot strahlt aus und an und animiert zum Glühen, auch diese Assoziationen spielen mit. „Back to red“, zurück zum Rot, heißt die Ausstellung, weil Ana Matt sich erst seit kurzer Zeit mit der Farbe Rot beschäftigt und vorher eher mit Blau und Grün experimentiert hat.

Aus den roten und schwarzen Farbräumen der Bilder schälen sich, halb abstrakt, linien- und schemenhaft menschliche Körper heraus: etwa in dem Bilderzyklus „Reisen in die Selbstbestimmung: Therese von Bayern“. Hier hätte man sich als Besucher und auch im Katalog etwas mehr Daten zu dieser Patin der Künstlerin gewünscht.

Die schon im Eingangsbereich auffallende Reihung der einzelnen Bilder fügt sich in die Architektur und erinnert an Stationenwege oder an die Reihen von Heiligenskulpturen in Kirchenräumen, an die Litanei und bei all dem an das eine Thema: Gott und Mensch und seine unendlichen Variationen. Einige Bildtitel beziehen sich auf Goethes „Faust“, also noch mal auf das menschliche Ringen mit dem Diabolos und unterstützen noch mal die Ausdrucksabsicht der Bilder in diese Richtung.

Das größte Format aber, das den Blick auf sich zieht, heißt „Quadriga“, eine Ölmalerei mit Fotomontage, auf der wilde Pferde aus grauem Stein umgeben sind von heftig rotem Feuergewölk: ein originelles Bild schäumender, brausender Kraft.

Bis 31. Oktober in der Minoritenkirche, Historisches Museum. Di./Mi., Fr.-So. 10-16 Uhr, Do. 10-20 Uhr

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