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Musical

Das Glück währt eben niemals ewig

Am Samstag feiert das Musical „Cabaret“ in einer Inszenierung Johannes Pölzgutters im Regensburger Velodrom Premiere.
Von Michael Scheiner

Es wird eine große Show: Am Samstag feiert Cabaret im Velodrom in Regensburg Premiere. Foto: Jochen Quast
Es wird eine große Show: Am Samstag feiert Cabaret im Velodrom in Regensburg Premiere. Foto: Jochen Quast

Regensburg. Leicht bekleidete Frauen in Bars, Flitter und Glitzer, prickelnde Erotik und sexuelle Freizügigkeit, überschäumende Lebensfreude und politische wie individuelle Freiheiten: Das sind die Vorstellungen, die sich an die Goldenen Zwanziger knüpfen. Das Cabaret als musikalische Revue wird bis heute meist mit der Zeit in Verbindung gebracht. Daran knüpft das Musical „Cabaret“, 1966 in New York uraufgeführt und durch die Verfilmung mit der gigantischen Liza Minelli 1972 zum Welterfolg geworden, auch an. Gleichzeitig geht es über das bloß Unterhaltende, wie es Nummernrevuen zu eigen ist, hinaus. Vor der heraufziehenden Gefahr durch die Nazis erzählt es die Geschichte von vier Menschen, die in Berlin aufeinandertreffen und kurzzeitig zu Paaren werden.

Da ist der amerikanische Schriftsteller Cliff Bradshaw. Er will in Berlin einen Roman schreiben und trifft dort aufs pralle Leben in Gestalt der verführerischen Sally Bowles, Star im Kit Kat Club. Sie wird gefeuert, zieht kurzerhand bei ihm ein, die beiden werden ein Paar. Auch Cliffs Vermieterin Fräulein Schneider entdeckt ihre Zuneigung zum jüdischen Obsthändler Herrn Schulz, gibt seinem Werben freudig nach und verlobt sich.

Das Leben ist Cabaret


Doch die Unbeschwertheit des doppelten Liebesglücks währt nicht lange. Ein hilfsbereiter Nachbar entpuppt sich als Nazi, was Fräulein Schneider veranlasst, aus Angst die Verlobung gleich wieder zu lösen. Aus den Licht- werden Schattenseiten, die sich unaufhaltsam ins Leben fräsen. Nach diesem Vorfall will Cliff umgehend seine Koffer packen und mit Sally das Land verlassen. Doch Sally interessiert sich nicht für Politik, für sie ist das Leben nur ein Cabaret.

Der Wiener Regisseur Johannes Pölzgutter inszeniert das Stück um Sally Bowles und Cliff fürs Theater Regensburg.

Kommendes Wochenende ist Premiere, mit Orchester wie in der Urfassung vorgesehen, wobei für die swingende Musik auch Bandinstrumente integriert sind. Er habe Cabaret schon lange auf seiner Wunschliste stehen. „Es hat mich mein ganzes Leben begleitet“, sagt Pölzgutter.

Parallelen zu Populisten


Es seien extra einige Songs wie „Money, Money“, die später für den Film geschaffen wurden, „dazu gekauft und eigens orchestriert“ worden. An der Geschichte habe Pölzgutter gereizt, wie die Menschen damit umgehen, „wenn politisch auf einmal etwas losgeht, das stört“ und das man „nicht aufhalten kann“. Wobei der Umgang mit diesem Phänomen, den Nazis, den Drohungen und zunehmenden Einschränkungen von Freiheit „nie positiv ist, von keinem!“ Allerdings werde niemandem daraus ein Strick gedreht.

Natürlich sei die „Show im ersten Teil“ wichtig. Nicht aber um ihrer selbst willen, denn sie „ist immer ein Kommentar zu dem, was da passiert“. Ihm gehe es in der Inszenierung darum, die Lebensfreude richtig „schön und deutlich hervorzukehren“ und damit Unterschiede, sogar „krasse Gegensätze zu schaffen“. Das funktioniere auch, weil der zweite Teil einen fatalen Bruch darstelle, „da rauscht es richtig runter“. Man müsse dann – als Zuschauer, meint der Wiener – einfach akzeptieren, dass „kein Elefant auf der Kugel mehr reinrollt“.

Mitwirkende und Tickets

  • Beteiligte

    Johannes Pölzgutter freut sich über die „tolle Zusammenarbeit“ mit der Tanzkompanie sowie mit Alistair Lilley, der das Orchester leitet, Philip Rubner (Bühne), Janina Ammon (Kostüme), Wanja Ostrower (Licht) und Tamás Mester (Choreografie).

  • Tickets

    Premiere hat das Musical von John Kander, Fred Ebb und Joe Masteroff am Samstag, 17. März, 19.30 Uhr, im Velodrom (Arnulfsplatz 4b, 93047 Regensburg). Tickets gibt es ab 22 Euro unter www.theater-regensburg.de.

Mit Parallelen oder Vergleichen zu politischen Erscheinungen wie sie heute sichtbar sind, ist er „generell sehr vorsichtig“. Eine Parallele sieht er dennoch im Umgang mit dem zunehmenden Rechtspopulismus: „Wir können heute auch so einen Rückzug beobachten“, wie er in dem Musical sichtbar wird. Begünstigt durchs Fernsehen, sei „eine größere Distanz entstanden und durchs Internet ist diese noch größer geworden“, sagt Pölzgutter.

Viele würden vor Problemen und politischen Umwälzungen „Reißaus nehmen, wir flüchten davor und blenden’s aus“. Im Stück selbst werden die Augen davor nicht geschlossen. Es komme zwar bunt und ordentlich rhythmisch daher, aber wenn es zerbröselt, werde das auch in der Musik hörbar.

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