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Sonntag, 23. September 2018 24° 6

Soziales

Das Ja-Wort für die Liebe

Eine Eindrucksvolle Doku: „Marikas Missio“zeigt das Leben einer Religionslehrerin, die ihre Partnerin heiratet.
Von Peter Geigerg

Marika (links) und Anke Gruber kamen gemeinsam zur Filmvorführung im Leeren Beutel. Foto: Geiger
Marika (links) und Anke Gruber kamen gemeinsam zur Filmvorführung im Leeren Beutel. Foto: Geiger

Regensburg. „Ich wollte einfach nicht zum Opfer werden!“ So lapidar hört sich das an, wenn eine an sich sehr fröhliche junge Frau begründet, weshalb sie sich gegen ihren Traumberuf entscheiden musste. Und dem Ruf ihres Herzens folgte und der Liebe ihr Ja-Wort gab. Aber lapidar ist da eigentlich gar nichts, in diesem 90-minütigen Dokumentarfilm. Michael Schmitt hat unter dem so vielsagenden Titel „Marikas Missio“ die entscheidende Etappe auf dem Lebensweg der Gymnasiallehrerin Marika Gruber aus dem niederbayerischen Sandharlanden nachgezeichnet. Dieser eingangs zitierte Satz beantwortet eine höchstpersönliche Gretchenfrage.

Konflikt Beruf gegen Lebensentwurf

Nur, dass bei Marika Gruber die berühmte Faustformel „Wie hältst Du’s mit der Religion?“ um das Wort „Religionsunterricht“ ergänzt werden muss. Die heute 36-Jährige musste sich entscheiden: Wenn sie ihre Lebensgefährtin Anke heiratet, wird ihr dieser Schritt die Lehrbefugnis, die sie als Lehrerin für Katholische Religion, die „Missio Canonica“, unbedingt benötigt, gefährden. Genauer: Sie wird ein Berufsleben lang darum fürchten müssen, dass andere über sie entscheiden.

Um diesem Souveränitätsverlust zuvor zukommen, studierte sie zusätzlich noch das Fach Geschichte fürs Gymnasiallehramt und machte ein drittes Mal Staatsexamen. Und hat nun so einen Trumpf in der Hand, der sie davor in Zukunft bewahrt, gar nicht mehr Lehrerin sein zu können. Als sie ihrem Chef am Willibald-Gluck-Gymnasium in Neumarkt mitteilte, dass sie heiraten wolle, da gab sie zugleich ihre Missio auf. Was das wiederum bedeutet, für eine Frau, deren Traumberuf es von Kindesbeinen an war, Katholische Religion unterrichten zu dürfen, das erzählt dieses eindrucksvolle Porträt.

Komplizierte Situation für die Kirche

Gleich zu Beginn des Films gibt es eine wunderbare Szene: Da erzählt die Pädagogin davon, dass sie in einer 5. Klasse ihren Schülern mal die Frage nach ihrer Lieblingsfigur in der Bibel gestellt habe. Prompt hätte ein Mädchen „Eva“ zu ihrer Favoritin deklariert: „Weil die vom Apfel gebissen hat, obwohl es ihr von Gott verboten worden war!“ Marika Gruber kann gar nicht an sich halten, vor lauter Lachen, wenn sie ihrer Frau Anke, mit der sie nun ihren Sohn großzieht, diese Geschichte erzählt. Weil sie darin jenen Keim erkennt, der es uns Menschen gestattet, widerständig zu sein. „Marikas Missio“ wiederum zeichnet das Porträt einer Frau, die am Land aufgewachsen ist, an einem Klostergymnasium ihr Abitur erwarb und vollständig verwurzelt ist in den hiesigen Traditionen. Gleichzeitig aber weiß sie, dass die Institution der Amtskirche ihre Sexualität und den Wunsch nach einer Familie niemals akzeptieren würde. So kompliziert ist das in Zeiten, in denen die „Ehe für alle“ Teil des Bürgerlichen Rechts geworden ist. (mgn)

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