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Kultur

Das Kunstgedächtnis der Oberpfalz

Das Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf zeigt Teile der Sammlungen und die Neuankäufe. Kritik gibt es an der Konzeption.
Von Claudia Böckel

Vorne sind Jürgen Böhms Werke zu sehen, im Hintergrund ist ein Bild von Helmut Sturm. Foto: Gerhard Götz
Vorne sind Jürgen Böhms Werke zu sehen, im Hintergrund ist ein Bild von Helmut Sturm. Foto: Gerhard Götz

Schwandorf.Einmal im Jahr zeigt das Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf-Fronberg, was es in seiner Sammlung zu bieten hat. Werke von mehr als 80 Künstlerinnen und Künstlern befinden sich mittlerweile im Besitz des Bezirks Oberpfalz. Mit gezielten Ankäufen stellt man einen Querschnitt hochkarätiger Kunst zusammen und leistet so einen wertvollen Beitrag zur Künstlerförderung. Man versteht sich als Archiv und Gedächtnis des künstlerischen Potenzials der Region.

Dieses Jahr stechen die Neuerwerbungen mit besonders klaren Positionen heraus. Zwei Künstler arbeiten mit ganz besonderen Techniken. Clemens Söllner, 1987 in Tirschenreuth geboren und an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg ausgebildet, hat ein Selbstporträt aus Holzintarsien gefertigt. Mit kleinen und kleinsten Holzplättchen in den verschiedensten Farbnuancen stellt er in handwerklich als auch bildnerisch altmeisterlicher Manier eine Tafel her, auf der der Tod allgegenwärtig ist.Im Kopf des Künstlers mit weitaufgerissenen Augen und zum Schrei geöffnetem Mund steht der Tod und dreht am Rad.

Auf der rechten Seite der Tafel scheint die Welt noch in Ordnung, links dagegen häufen sich die Totenschädel, ganz oben thront ein Kreml. In der Predella, dem unteren Bildfeld, liegt eine Gestalt mit Taucherhelm. In dieselbe Kerbe schlägt Thilo Westermann mit seiner Hinterglasmalerei „Vanitas (Paeonia lactiflora)“ aus dem Jahr 2016. Er wurde 1980 in Weiden geboren und lebt zur Zeit in Paris.

Werke

  • Künstler:

    Zu sehen sind neben den Neuerwerbungen Arbeiten von Otto Baumann, Klaus Caspers, Günter Dollhopf, Rudolf Koller, Tone Schmid, Christine Sabel, Maria Maier, Susanne Neumann, Georg Tassev und anderen.

Maiers Arbeit das kleinste Werk

Das kleinste Werk der Sammlung besteht aus kleinsten und feinsten schwarzen Punkten, die drei Blütenköpfe in einer chinesischen Vase darstellen. Maria Maiers Arbeit aus der Serie „Blütezeit“ wirkt sehr viel freundlicher. Sie kombiniert Fotografie und Malerei, Gesamtansicht und Vergrößerung. Renate Christin aus Regensburg, Kunstproduzentin und Kunstvermittlerin, zeigt „Art-Attack“ in Mischtechnik auf Leinwand. In ihren Werken verbindet sich Konkretes, Buchstaben oder Fundsachen, mit abstrakten Formen, Gedanken fügen sich zu Bildhaftem.

Rayk Amelang, 1977 in Dessau geboren und in Regensburg lebend, malt in Comicmanier fantastische Bildwelten, hier bevölkert von Küchenschaben. Christina Kirchinger, 1987 in Straubing geboren, arbeitet als Künstlerin und Kunstwissenschaftlerin in Regensburg, hat ein Druckgrafik-Atelier im Künstlerhaus Andreasstadel. Ihre Radierungen sind raffinierte Darstellungen räumlicher Gebilde, mit Durchblicken, Licht und Schattenwirkungen und viel Tiefe. Sie nutzt alle Möglichkeiten der Radierung aus und gibt auch in der Druckwerkstatt der Kebbel-Villa Kurse.

Mit ganz anderen Materialien beschäftigt sich der ehemalige Landwirt Franz Pröbster Kunzel aus Freystadt. Er macht den Zyklus der Natur lebendig, arbeitet mit Weiden, Wasser, Wind und Stein, setzt seine Werke und sich selbst der Natur aus, verbringt auch schon mal drei Stunden als Vogelscheuche auf dem Feld. Sein großes Bild „Flügelschlag“ ist Schwarz und Weiß, Linien laufen von oben nach unten, dazwischen fügen sich feine weiße Flügel wie Federn.

Sammlungsbestand seit 1988

Die Präsentation des Sammlungsbestandes über die Neuerwerbungen hinaus hat man schon besser konzipiert erlebt. Dieses Mal erscheinen die Exponate separiert. Es mag sich nichts so recht zum anderen fügen, zu unterschiedlich sind die künstlerischen Positionen. Ein eigener Raum ist zudem reserviert für die Schenkungen an den Bezirk. Tone Schmids „Der Mensch ist dem Menschen ein Hirsch“ von 2009 wird aber wohl allen Besuchern im Kopf bleiben, weil das Geräusch des klappernden Hirschgeweihs allgegenwärtig ist.

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