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Komik

Das Leichte fällt Otto nicht schwer

Mit fast 70 noch ein hyperaktiver kindlicher Kasper: Otto Waalkes stellt in Regensburg seine Autobiografie vor.
Von Claudia Bockholt

Bernd Eilert und Otto Waalkes bei Pustet in Regensburg: gut aufeinander eingespielte Spaßmacher Foto: Bockholt
Bernd Eilert und Otto Waalkes bei Pustet in Regensburg: gut aufeinander eingespielte Spaßmacher Foto: Bockholt

Regensburg.Bernd Eilert hat heute den kniffligsten Job. Er soll den Spaßmacher drosseln, den Chaoten ordnen, den Zappelphilipp runterholen. Schafft er natürlich nicht. Komiker Otto Waalkes macht auch aus einer Lesung das, was er am besten kann: eine jödelnde, knödelnde, blödelnde Otto-Show. „Hallo Regensburg! – Hallo Otto!“

Aber natürlich kann man „Kleinhirn an alle“ nicht vorstellen, ohne den titelgebenden inneren Kneipen-Dialog der Organe noch einmal in fliegender Hast herunterzurasseln. „Großhirn an Faust: ballen!“ „Milz an Großhirn: Soll ich mich auch ballen?“ „Schnauze!“ – Das Publikum in der Buchhandlung Pustet ist erheitert bis beglückt. Eine warme Welle der Sympathie wogt zum Lesetischchen. Und der fast 70-jährige zarte Schlaks in Cordhose und Trachtenjanker strahlt zurück.

Waalkes und Eilert: Das sind der Körper und ein zentrales Hinterhirnareal der erfolgreichen Marke Otto. Otto, die Show, Otto, das Buch, Otto, der Film, jetzt Otto, die Autobiografie. Die beiden arbeiten seit Jahrzehnten zusammen. Pennälermäßig hibbelig der eine, stoisch der andere. Was sie verbindet, sind die ostfriesische Herkunft und die Lust an Pointen.

Im Team mit Gernhardt und Eilert

Waalkes arbeitete immer mit intellektuellen Humorproduzenten zusammen, etwa Robert Gernhardt, wie Eilert Teil der längst legendären Neuen Frankfurter Schule. Otto Waalkes las in den 1970ern gerne die „WimS“, die satirische „Welt im Spiegel“ der Zeitschrift „Pardon“, wo Gernhardt, F. K. Waechter und F.W. Bernstein gehobene Blödeleien pflegten. „Das muss man in die Welt hinaustragen“, habe er sich damals gedacht, erzählt Waalkes im Interview, ,„massenkompatibel machen“. Und das sei ja auch gelungen.

Eilert bestätigt: „Die Überraschungen hörten gar nicht mehr auf. Was man auch anfing: Sobald Otto ins Spiel kam, wurde das deutsche Publikum aufmerksam und hat das goutiert.“ Die Schnittmenge sei groß gewesen. „Der Spaß an der infantilen Spielerei mit Sprache, mit Gesellschaftsformen, der war auf beiden Seiten vorhanden. Das lief zwangsläufig aufeinander zu.“ Um die akademische Hochkomik auch ans große (TV-)Publikum zu bringen, wurde sie adaptiert, umgeschrieben, inhaltlich verkürzt. Und am Ende kam etwas heraus, das eine große Bandbreite von Humorverständnis ansprach. Alles dabei, von Slapstick bis zur feinsinnigen Pointe. Waalkes erklärt das Bauprinzip so: „Den nichtsahnenden Konsumenten mit Wortspielen in ein scheinbar stabiles Sinngebäude locken, um ihn dort voll gegen die Wand laufen zu lassen“.

Auch in seiner Autobiografie beschäftigt sich Waalkes mit der Theorie des Komischen, allerdings ohne zu einer endgültigen Wahrheit zu gelangen. Nur diese: „Komisch wird man nicht, komisch ist man“. Schon als Dreijähriger, erzählt er am Abend, habe er im Kindergarten Theater gemacht, hatte ein „Stagegefühl“. Seine Karriere als Komiker begann in Hamburg, wo er als Beatmusiker feststellte, dass seine verhuschten, verstolperten Entschuldigungen, wenn etwas nicht funktionierte, besser ankamen als die Musik.

Eine perfekte Kindheit in Emden

In seiner Biografie räumt Otto Waalkes sogar das von komischen Künstlern hochgezüchtete Klischee aus dem Weg, dass gerade das Leichte stets besonders schwere, harte Arbeit erfordere. Komisch zu sein, sagt Otto, sei ihm nie so schwer gefallen. Bei ihm habe von Anfang an eine komische Kraft gewirkt. Vielleicht liege es daran, dass es da eine auch äußerliche Ähnlichkeit mit dem Hohnsteiner Kasper gebe. „Ich war jedenfalls immer sehr froh darüber, dass man mich anlächelt, und dass man mich, auch privat, lustig findet.“

Otto Waalkes ist mit seiner Autobiografie „Kleinhirn an alle“ auf Lesereise. Foto: Axel Heimken/dpa
Otto Waalkes ist mit seiner Autobiografie „Kleinhirn an alle“ auf Lesereise. Foto: Axel Heimken/dpa

Seine gute Laune habe wohl mit seiner harmonischen Kindheit zu tun. „Meine Eltern hatten sich immer, bis ins hohe Alter lieb. Sie haben alles Schlechte von mir und meinem Bruder ferngehalten.“ Zwar war die streng protestantische Mutter mit seiner unsoliden Berufswahl zunächst nicht einverstanden. „Als ich ihnen aber von meinem ersten selbstverdienten Geld ein Häuschen baute, da sagte sie ‚Mach weiter so, mein Junge.‘“

Seine Einlassungen zu seinen gescheiterten Ehen streift Otto in Regensburg nur kurz. Darauf und auf seine Ankündigung, sofern angefragt auch ins Dschungelcamp gehen zu wollen, haben sich die bunten Blätter in den letzten Tagen gestürzt. Otto Waalkes ist einer der wenigen Menschen, die mit nachlässiger Kleidung, fisseligem Haar, frei von Starallüren und Coolness zur Celebrity werden konnten.

An Otto kommt keiner vorbei. Der friesische Jung beharrt seit Jahrzehnten darauf, dass es im Leben doch auch jede Menge zu lachen gibt. Bei ihm bekommt noch jeder Fan seinen Ottifanten und ein Autogramm ins Buch, dazu ein Selfie und, wer will, eine warme Umarmung zum glücklichen Schluss.

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