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Malerei

Das Licht in den Straßenschluchten

Die sehenswerte Ausstellung von Matthias Schlüter im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg: Beeindruckende „Stadtansichten“
Von Uta von Maydell, MZ

Matthias Schlüter vor einem seiner Bilder Foto: altrofoto.de

Regensburg. Himmelstürmende Häuserfluchten, Straßenzüge oder Schienenstränge, die mit kühnem Schwung ins Unendliche führen, krumme Laternen und ab und an ein seltsam verbogenes Menschlein inmitten dieser Überfülle – mit solchen „Stadtansichten“ erfreut eine neue Ausstellung von Matthias Schlüter bei den „Barmherzigen Brüdern“.

Es sind Bilder, die den Rahmen sprengen, und nicht auszuschließen ist, dass mancher Patient angesichts ihrer Dynamik eine Art Geborgenheit empfindet in den ruhigen Gängen des Krankenhauses. Denn der Maler porträtiert den Moloch Stadt durchaus als Ort der Rastlosigkeit, als Bedrohung des Individuums. Aber zugleich bringt er seinem „model“ Sympathie entgegen, riskiert einen zweiten und dritten Blick, der echte „Hingucker“ entstehen lässt. Die bevorzugten Farben sind erdig, gehen von Torf und Siena über Terracotta bis zum hellen Sandstein, akzentuiert mit Schiefer. Wenig Platz bleibt da für Himmelblau, aber immerhin: irgendwie findet warmes Sonnenlicht seinen Weg in enge Straßenschluchten; und wenn Schlüter einen Blick vom 14. Stock eines Hochhauses riskiert, ist das wirklich abgehoben. Von Tristesse keine Spur, stattdessen ein Leuchten von irgendwo, das aussöhnt mit vorgegebener Enge.

Das erreicht der „Stadtmaler“ durch ausgeklügelte Mischtechnik auf Nessel, dessen Struktur ebenso für Plastizität sorgt wie ein alles überdehnender perspektivischer Blick – grenzüberschreitend, diese Bilder – genau wie Schlüter selbst. Er ist 1952 in Berlin geboren, war ab 1979 Meisterschüler bei Professor Gerhart Bergmann an der Hochschule für Bildende Künste und ist im Anschluss quer durch die Kontinente gezogen. Zur Wahlheimat allerdings hat er die Oberpfalz erkoren, von wo aus er immer wieder „über den Tellerrand“ schaut. So sind unter dem Stichwort „Stadtansichten“ verschiedenste Metropolen ebenso zu erleben wie Städte im Süden, wo Schlüter dann gut gelaunt mit krummen Palmen statt Laternen Akzente setzt.

Egal , ob nun ein überdehnter Bus in die Kurve geht, Bahnschienen ins Nirgendwo führen oder Brücken zu fragwürdigen Verbindungswegen werden – überall wird auf Tempo gesetzt und seltsam irritierende Schönheit bleibt keineswegs auf der Strecke.

Spannend auch seine „Leporellos“. Hier sind Fassaden, Kirchtürme und Wege auf gefaltetem Karton festgehalten. Und je nach Blickwinkel werden unterschiedlichste Aus- und Einblicke geboten. Alles in allem eine angenehme „Flaniermeile“, die sich über mehrere Stockwerke erstreckt. (Bis 15. Juli im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Prüfeninger Straße 86, Regensburg)

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