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Kunst

Das Museum zeitgenössischer machen

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie stellt seine Pläne für 2020 vor. Die Regensburger Institution wird dann 50 Jahre alt.
Von Claudia Böckel

Für „Aus der Mappe der Hundigkeit“ (1968) inszenierten Peter Weibel und Valie Export eine Aktion im öffentlichen Raum, mit der sie die Beziehung der Geschlechter als Herrschaftsspiel entlarven wollten. 2020 ist das Bild von Weibel an der Leine von Export im Kunstforum zu sehen. Foto: Felix Gruenschloss
Für „Aus der Mappe der Hundigkeit“ (1968) inszenierten Peter Weibel und Valie Export eine Aktion im öffentlichen Raum, mit der sie die Beziehung der Geschlechter als Herrschaftsspiel entlarven wollten. 2020 ist das Bild von Weibel an der Leine von Export im Kunstforum zu sehen. Foto: Felix Gruenschloss

Regensburg.50 Jahre Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg: Es gibt was zu feiern im Jahr 2020. Im Juli 1970 gründete man dieses Museum, das schon verschiedene Namen getragen hat. Jetzt will man die den Eingang und das Logo zierenden Säulen der Künstlerin Magdalena Jetelovà quasi beim Wort nehmen und das Museum zeitgenössischer machen, sagt Direktorin Dr. Agnes Tieze. In den Bereichen Graphik und Foto, aber vor allem mit Schwerpunkten bei Installationen und Videokunst will man sich besonders engagieren. Eine neue Webseite des KOG ist in Arbeit, Audio- und Media-Guides sollen angeschafft werden. Diskursiv will man mit dem hochkarätigen Ausstellungsprogramm den Zustand Europas untersuchen und ein vielfältiges, buntes Programm bieten, auch im Umfeld der Ausstellungen. Große Unterstützung bieten bei all den großen Plänen die Sponsoren, die Sparkasse und die REWAG, aber auch der Verein der Freunde und Förderer. Die Bauabschnitte II und III der Sanierung des Gebäudes sind beim Büro Magerl in besten Händen und schlagen mit 4,5 Millionen Euro zu Buche.

Ausstellung

Zwischen Freiheit und Moderne

Berlinale-Bär und andere Werke: Die Kunst von Renée Sintenis ist in der Ostdeutschen Galerie in Regensburg zu sehen.

30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs lädt das Kunstforum zum Reflektieren ein. Die drei großen Ausstellungen bieten Rückblicke auf die Geschichte, weisen aber auch in die Zukunft, vermitteln politische Botschaften und Diskussionsstoff. Die aktuelle Kunstszene ist mit renommierten KünstlerInnen vertreten: die Fotografin Barbara Klemm, der Medienkünstler Peter Weibel, die Konzeptkünstlerin Madalena Jetelovà und der Installationskünstler Kristof Kintera.

Highlights der Sammlung Riese

„Reisen. Entdecken. Sammeln“ heißt die erste Ausstellung, die sich auf die Spuren des Journalisten Hans-Peter Riese in das östliche Europa der 70er Jahre, zwischen Prager Frühling und Fall des Eisernen Vorhangs, begibt. Jirí Kolár, Jan Kubícek, Milos Urbásek und Zdenek Zýkora sind Künstler, die abseits der Vorgaben des sozialistischen Regimes individuelle Ansätze verfolgten. Riese, damals als westdeutscher Journalist im Osten unterwegs, war ein Botschafter zwischen zwei Welten. Ein Teil seiner Sammlung befindet sich seit 2008 im KOG: mehr als 200 Werke osteuropäischer und deutscher KünstlerInnen. Günther Ueckers Zeitungsblock ohne Titel macht den Auftakt: Seine Nägel durchbohren einen Stapel der „Zeit“, spielen auf die allgegenwärtige Zensur an. Die Reportagen Rieses, die er zusammen mit der Redaktionskollegin Barbara Klemm für die FAZ machte, bilden den Leitfaden für den Ausstellungsrundgang. 22 Fotos von Klemm werden gezeigt, einige Abzüge hat sie extra für das KOG neu gemacht.

Vorschau 2020

  • Ausstellung: „Reisen. Entdecken. Sammeln“: 22. Februar bis 3. Mai

  • Auszeichnung: Der Lovis-Corinth-Preis geht an Peter Weibel, seine Werke sind ab 6. Juni zu sehen.

  • Ausstellung: Grenzen in der Kunst – Tschechische Kunst in drei Generationen: ab 14. November.

  • Begleitprogramm: Es gibt Führungen und allerlei Veranstaltungen.

Der Lovis-Corith-Preis geht 2020 an Peter Weibel, den langjährigen Direktor des ZKM, Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Er prägt als Künstler, Theoretiker und Kurator die internationale Szene der Medienkunst. Er steht für Konzeptkunst, Performance, Experimentalfilm, Videokunst, Computerkunst und Medienkunst allgemein. In dieser Ausstellung steht Europa im Mittelpunkt. Der „Europa(t)raum“ ist eine Landkarte von Europa, über der Messerklingen schweben. Auch „Aus der Mappe der Hundigkeit“ wird zu sehen sein: Peter Weibel an der Leine von Valie Export.

Neue Gesichter im Kunstforum

Die dritte große Ausstellung „Grenzen der Kunst – Tschechische Kunst in drei Generationen“ beschäftigt sich mit KünstlerInnen, deren Karrieren und Kreativität einen Bruch erfahren haben durch die politischen Verhältnisse und die Überwindung von Grenzen. Magdalena Jetelovà kämpfte mit monumentalen Bildhauerarbeiten und Aktionen im öffentlichen Raum gegen politische Ausweglosigkeit und emigrierte 1985 nach Westdeutschland. Kristof Kintera, geboren 1973 in Prag, arbeitet heute in Prag und nimmt Bezug auf die gegenwärtige politische Situation in Tschechien.

Porträt

Das Leben von Katharina Sieverding

Ein Gespräch mit der Künstlerin über Schaffen und ihre aktuelle Ausstellung „Deutschland wird deutscher“.

Personelle Neuzugänge gibt es auch. Dr. Gerhard Leistners Nachfolge wird Dr. Verena Hein antreten, die zehn Jahre an der Villa Stuck in München arbeitete. Der langjährige Geschäftsführer Maximilian Obermeier wird in den Ruhestand gehen. Michaela Sturm, die BWL und Kunstgeschichte studierte, wird seine Nachfolge antreten.

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