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Das Porträt eines Widerständigen

Eine neue Biografie gewährt Einblick in das Leben des Dirigenten und Umweltschützers Enoch zu Guttenberg.
Von Andreas Meixner

Der Dirigent Enoch zu Guttenberg – er starb 2018 im Alter von 71 Jahren.
Der Dirigent Enoch zu Guttenberg – er starb 2018 im Alter von 71 Jahren. Foto: Markus Hurek

Guttenberg.Als sich im Juni 2018 der Tod von Enoch zu Guttenberg wie ein Lauffeuer verbreitete, reagierte die Musikwelt geschockt auf den Verlust einer Künstlerpersönlichkeit, die bis in den letzten Moment hinein lichterloh und leidenschaftlich für und in der Musik lebte. Ein Dirigent, der sich im Umgang mit der Partitur keine Entspannung erlaubte und Verdis Requiem oder die Bachpassionen zu ganz eigenen Bekenntnissen formte.

Stets dabei seine legendäre, 1967 gegen den Willen seines Vaters gegründete Chorgemeinschaft Neubeuern, die bei großen Werken auch mit Sängern aus Regensburg verstärkt wurde. Der Chor hat sich aufgelöst, ein „Weitermachen“ ohne die sinnstiftende Energie Guttenbergs war nicht denkbar, mit dem Tod des Leiters zerfiel eine über Jahrzehnte andauernde Großfamilie.

Ein wehmütiger Autor

So kommt in der neu erschienen Biografie über Enoch zu Guttenberg aus der Feder des Journalisten und Weggefährten Georg Etscheit nicht selten Wehmut auf. Der Blick zurück auf das Leben und Schaffen des adligen Dirigenten schmerzt den Autor, dennoch gelingt es ihm, auf über 250 Seiten eine distanzierte Position auf die Ereignisse und die Person einzunehmen, ohne es an Empathie, Sachlichkeit und einer gesunden, kritischen Haltung fehlen zu lassen.

Und natürlich kann und muss man sich an Enoch zu Guttenberg reiben, dessen Lebensstil die adligen Wurzeln nie verhehlte, der als Umweltschützer der ersten Stunde und Mitbegründer des Bund Naturschutz kämpferisch und aufbrausend als „grüner Baron“ sein Wort erhob, und der auch sonst dem Leben mit all seinen Genüssen durchaus zugetan war. Georg Etscheit zeichnet detailreich das Leben Guttenbergs nach, der harte Weg zum Musiker und die oft erdrückenden Last einer Familientradition. Aufgeräumt wird mit vielen Vorurteilen seiner Kritiker, die ihn gerne auf die Rolle eines reichen adligen Unternehmers reduzieren wollten. Seine Position als international gefragter Dirigent musste er sich erarbeiten, die finanzielle Sicherung der Herrenchiemsee-Festspiele gegenüber Sponsoren und Förderern war ein alljährlicher Kraftakt. Dass er Tourneen und Konzerte manches Mal selbst aus seinem privaten Vermögen unterstütze, machte ihn eher zu einem Kulturermöglicher alter Schule, der sich in der Verantwortung sah.

Enoch zu Guttenberg bezeichnete sich selbst als „Bekenntnismusiker“ mit dem unbedingten Auftrag, mit der Musik die Menschen zu bewegen und im Innersten zu erreichen. Kompromisslos und radikal blieb er bis zum Schluss in seiner Interpretation, existenziell bis zur eigenen völligen Erschöpfung. Das kostete ihm viel zu früh das Leben.

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