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Kultur

Das Schöne im Profanen entdecken

Wigg Bäuml schafft Kunst aus Verpackung und verpackt diese wieder als Kunst.
Von Andrea Leopold

Kisten aus dünnem Pappelholz dienen zur Aufbewahrung der Verpackungskunst. Zugleich sind sie ein Kunstobjekt. Foto: Leopold
Kisten aus dünnem Pappelholz dienen zur Aufbewahrung der Verpackungskunst. Zugleich sind sie ein Kunstobjekt. Foto: Leopold

Kallmünz.Gefällige Kunstobjekte zur Dekoration im bourgeoisen Wohnzimmer sind nicht der Fall von Wigg Bäuml. In seiner aktuellen Ausstellung „Kisten & Kisten“ „verarbeitet“ er die Erlebnisse seiner Kindheit. In dem Lebensmittelladen seiner Mutter in Waldthurn musste er Obst- und Gemüsekisten als Anschürholz zerkleinern. Diese ungeliebte Arbeit bezeichnet er als „beständiger Fresser meiner wertvollen Zeit“. Später traten diese Relikte wieder hervor und inspirierten den Künstler auf ganz andere Weise. Das Einfache, scheinbar Wertlose regt Bäuml an und zwingt ihn, den Kisten ebenfalls arme Materialien an die Seite zu stellen, wie Drahtgeflecht, Papier und Kartonagen, ganz im Sinne der „arte povera“.

Die in den 60er Jahren aus Italien stammende Kunstform rückt die Überwindung des tradierten Verständnisses der Wertigkeit von Materialien in ihren Fokus. Scheinbar Nebensächliches, fast Nutzloses bekommt Beachtung. Die Perspektive auf das Banale, Zweckgebundene zwingt den Betrachter eine umgedrehte Sichtweise auf die Dinge, die normal entsorgt, verheizt und achtlos in die Ecke gestellt werden, auf.

Die Kisten dienen als Aufbewahrung für Fundstücke aus der Natur, die dem Besucher die natürliche Schönheit des Alltäglichen nahe bringen sollen. Dabei wurden sie verfremdet, deformiert und abstrahiert. Zu jedem einzelnen Objekt hat Bäuml eine Aufbewahrungskiste gefertigt, aus einfachem, dünnen Pappelholz. Die Objekte selbst haben keine Titel, nur Nummern. Der Kontrast von Verpackung und Kunstwerk ist ein schöner. Das Objekt ist eine Verpackung und die Verpackung des Objekts gerät selbst wieder zum Kunstobjekt.

Nicht immer bekommt der Künstler für seine Ideen Beifall, so geschehen bei Bäumls Ausstellung „Natura sacra“ im Juni 1995 in der Wörther Schlosskapelle. Dort wurde der „Nervus rerum wohnzimmerensis“ (Harald Raab) derart gekitzelt, dass Bäuml die Ausstellung nach drei Wochen wieder abbauen musste, aufgrund der Empörung der Besucher. Man will halt lieber das Schöne, Gute und angeblich Wahre in der Kunst sehen. Man braucht ihn ja, den Trost, das Vergessen des Vergänglichen des Alltags, ja eigentlich des Sterbens allen Irdischen. Aber gerade im Betrachten und Wertschätzen des Marginalen öffnet sich der Blick auf das Seelenvolle und damit eigentliches Glückserleben im profanen Alltag.

Wigg Bäumls Ausstellung „Objekt I“ in der Vilsgasse 24 in Kallmünz ist noch bis 1. März immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr oder nach Anmeldung geöffnet. Kontakt unter (0 94 73) 16 55 oder (01 70) 2 85 31 15, beziehungsweise info@kunstraum-atelier-wigg.de.

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