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Ausstellung

Das wunderbare Potenzial von Beton

Franz Janetzko zeigt bei konstantin b. in Regensburg faszinierende Objekte. Manche wirken wie Knetmasse oder gemasertes Holz.
Von Gabriele Mayer

Franz Janetzko in der Galerie konstantin b. Foto: Bernhard Löffler
Franz Janetzko in der Galerie konstantin b. Foto: Bernhard Löffler

Regensburg.Franz Janetzko, das ist der Künstler aus Fürth mit den kleinen, surrealistischen Architekturmodellen, mehrmals war er damit in der Galerie konstantin b. bereits vertreten. Bei diesen Beton-Plastiken führen freischwebende Treppen ins Nichts oder Wände von fensterlosen Gebäuden verschränken sich aberwitzig. Auch bei seiner neuen Ausstellung sind alle Werke aus Beton-Guss. Doch bisweilen muten sie weich an wie Knetmasse oder gemasert wie ein Holzstück, bei dem noch Jahresringe sichtbar sind.

Den Beton reichert Janetzko mit unterschiedlichen Pigmenten an, so dass manche Objekte grün sind und wie Plastik wirken oder in einem undurchdringlichen Grau beinahe wie Stahl aussehen. Hart, künstlich und abweisend, das sind die Assoziationen, die Beton-Guss beim Betrachter gemeinhin auslöst. Die begrenzten Bearbeitungsmöglichkeiten dieses Materials nutzt der Künstler als Chance. Einfach, schlicht, rechteckig wirken zum Beispiel seine Architekturobjekte, freilich nur auf den ersten Blick. Der Clou besteht darin, dass sie dennoch unsere Sinne verwirren.

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Bei den neuen Arbeiten kommt der Überraschungseffekt aus unerwarteter Richtung. Und es ist die Anmut und eigenwillige Schönheit der Objekte, die fasziniert, je eingehender man sie betrachtet. Eine eigenartige Komplexität zeichnet die Werke aus. Manchmal bestehen sie aus mehreren Teilen oder Ecken ragen hervor oder Einkerbungen bilden Rhythmen und Schatten und bewirken vielerlei optische Spannungen. Sie verleihen diesen kleinen Dingen etwas Fremdartiges und sehr Lebendiges und Individuelles. Damit hat es seine besondere Bewandtnis. Sie suggerieren von Fern eine gewisse Nähe zu gebrauchten Materialien, vor allem zu Stücken aus Holz, die auf erstaunliche Art in diesen Beton-Objekten enthalten zu sein scheinen.

Elegant ragt eine stelenartige Form auf. Es ist ein Tischbein mit einer Kerbe für die Tischplatte oder genauer: Aus dem Silikonabdruck des Tischbeins entstand ein Beton-Guss, der ein sehr anmutiges Objekt ergibt, das auch deshalb geheimnisvoll wirkt, weil man den zugrundeliegenden Gegenstand noch erahnt. Wie eine Aura strahlt er aus der Form heraus und verleiht dem Beton-Objekt seinen Mehrwert. Und das schmale, leicht gebogene Ding mit den Rinnen und Unebenheiten? Darin erkennt man ein Stück Brennholz, an dem noch die Rinde haftete, als es mit Silikon überzogen wurde. In die Negativform wurde dann Beton gegossen. Alltägliche Holzteile, die der Künstler ausgesucht und raffiniert arrangiert hat, haben sich mit ihren Strukturen, komplexen Maserungen und Bearbeitungsspuren abgedrückt und zeigen in der Verfremdung ihren ganzen Reiz.

Die Ausstellung läuft bis 1. Juli: Galerie konstantin b., Fr. 16 bis 21 Uhr.

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