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Ausstellung

Debütanten mit eigener „Handschrift“

In „Dreimal junge Kunst“ zeigen die jungen Künstler Stefan Bircheneder, Stefan Giesbert Fromberger und Eveline Kooijman ihre Arbeiten.
Von Gabriele Mayer, MZ

  • Der Regensburger Stefan Giesbert Fromberger zeigt seine Skulpturen als Hybride, Mischformen von Mensch und Maschine. Fotos: altrofoto.de
  • Eveline Kooijman zeigt seriellen Fotografien. Foto: altrofoto.de
  • Stefan Bircheneder, geboren 1974 in Vilshofen, hat ein beeindruckendes Talent, beinahe fotorealistisch nach der Natur zu malen. Foto: altrofoto.de

Regensburg.„Dreimal junge Kunst“: hinter diesem Titel verbirgt sich die jährliche Debütanten-Ausstellung des Berufsverbands Bildender Künstler und des Kunst- und Gewerbevereins für drei vielversprechende Künstler der Region, die noch nicht zu den Etablierten gehören, aber bereits eine interessante eigene „Handschrift“ entwickelt haben. Überblickshaft präsentieren sie hier ihr Werk und weisen es mit einem ersten Katalog aus.

Das Besondere der diesjährigen Ausstellung ist, dass die Drei eine Art Gesamtkonzept für die Schau entwickelt haben, dass sie ihre Arbeiten aufeinander bezogen und zu einer, fast möchte man sagen, Themenausstellung arrangiert haben: Das Ende der Menschheit und die Zukunft der Geschichte, könnte man sie vielleicht betiteln. Deutlich wird, wie anregend eine thematisch inspirierte Ausstellung sein kann: Weil mithilfe der Kunst mehrere Ebenen eines Problemkreises freigelegt und Gesichtspunkte und Einsichten zugespitzt werden können. Und weil die Arbeiten der beteiligten Künstler in einen Kontext gestellt sind, der ihnen neue Aspekte und vielleicht ein neues Gesicht verleiht.

Skurril, aberwitzig, anziehend

Betritt der Besucher den Eingangsraum, so ist er sofort von plastikbunten Skulpturen umgeben. Unverwechselbar sind es Figuren des Regensburgers Stefan Giesbert Fromberger, Jahrgang 1975, der eine Bildhauer-Ausbildung in Freiburg absolviert hat. Skurril, aberwitzig, abartig und anziehend wirken sie, menschenähnlich und zugleich menschenunähnlich, Hybride, Mischformen von Mensch und Maschine, Schläuche ragen aus den Körpern, auf Tierkörpern sitzen Menschenköpfe und umgekehrt, und alles ist aus homogenem Kunststoff, der für unendliche Verformbarkeit steht. Die Zukunft des Menschen ist ein offener Möglichkeitsraum, wer Frombergers Wesen interpretieren will, gleitet an ihnen ab. Ein rosarotes Schaf sitzt auf einem Kinderrad, Farbtropfen hängen ihm am Leib: noch nicht fertig oder schon in Auflösung begriffen. Mutationen und Metamorphosen, Spiegel der Gegenwart, nicht nur der Computerspielwelten, auch der gentechnischen Möglichkeiten, wo Machbarkeit herrscht, aber kein Halt, kein Anhaltspunkt mehr. Frombergers riesiges „Mondkalb“ mitten im Raum und darum herum leuchten Fotografien anscheinend von runden Himmelskörpern.

Nahaufnahmen von Gebüschen

Eveline Kooijman, geboren 1980 in Dodrecht, war in den Niederlanden Journalistin, bevor sie 2010 nach Regensburg kam. Ihre seriellen Fotografien sind sowohl dokumentierend als auch konzeptionell. Es geht um Sichtbarmachung quasiwissenschaftlicher Untersuchungen. „Auf dem Schlachtfeld“ heißt eine Reihe von Landschaftsfotos. Begleittexte sagen uns, dass jedes Bild einen ehemaligen Kampf-Ort zeigt, sagen uns, wann sich dort welche Heere geschlagen haben, zum Beispiel in Deining 1796, und wie viele Tote es gab. Heute wirken diese Felder und Siedlungen brav und friedlich, man sieht nichts mehr, aber wenn man es weiß, sieht man diese Äcker anders, Geschichte tritt aus der Naivität des Naturhaften heraus.

Kooijmans Serie „Schwarze Löcher“, das sind Nahaufnahmen von Gebüschen, doch der Betrachter kann nicht alles erkennen, schwarze Flecken bleiben im Bild, die Wirklichkeit verschließt sich oft vor unseren Augen und manchmal verschluckt sie uns. Auf einer Reihe von Rücken-Akten sind weiße Punkte, eigentlich weiß übermalte Leberflecke, durch Linien miteinander verbunden, die wie fiktive Sternbild-Konfigurationen aussehen. Jedes Kohlenstoff-Atom, alles im Universum hängt mit allem zusammen, sagt Kooijman. Und ihre Fotos scheinbar von runden, steinigen Himmelskörpern, das ist in Wahrheit ganz nah durch eine Röhre fotografiertes Gestein aus den ehemaligen Schlachtfeldern. Ästhetisch perfekt, unaufgeregt und anregend wirken diese visuellen Dokumente einer nicht wahrnehmbaren Wirklichkeit.

Stefan Bircheneder, geboren 1974 in Vilshofen, hat ein beeindruckendes Talent, beinahe fotorealistisch nach der Natur zu malen. Etwa alte Industrielandschaften wie die Regensburger Hafenanlagen vor weitem, sinkendem Himmel oder Industriemüll, alte Neonröhren, Elektrokästen, akribisch realistisch. Immer völlig menschenleer. Und doch: wie in überirdisches Licht ist die Szenerie einer alten Werkstatt getaucht. Melancholie sagt Bircheneder, liege über seinen Kompositionen. Alte Gasflaschen hinter einem Maschenzaun: ein Stillleben, das Unberührbarkeit, aber auch Gefährlichkeit und Berührungsängste vermittelt. Die Dinge haben bei Bircheneder ein Eigenleben, auch wenn sie alt und abgelagert sind, gerade dann. Die akribische Maltechnik betört und überhöht zusätzlich, das kann bis zum Eindruck völliger Abstraktion und Farbflächenmalerei reichen, etwa bei den Gemälden von Straßenasphalt.

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