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Kultur
Donnerstag, 16. August 2018 30° 1

Ausstellung

Den dumpfen Alltag entlarvt

Die „Große Ostbayerische Kunstausstellung“ in Regensburg bietet einen umfangreichen Überblick über die Kunst der Region.
von Gabriele Mayer

Das abstrakte Leuchtbild von Axel T. Schmidt entfaltet eine erstaunliche, materialbetonende Tiefenwirkung. Foto: BBK
Das abstrakte Leuchtbild von Axel T. Schmidt entfaltet eine erstaunliche, materialbetonende Tiefenwirkung. Foto: BBK

Regensburg.Die „Große Ostbayerische Kunstausstellung“ des Berufsverbands Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz (BBK) ist auch ein Schaufenster. Sie ist jedes Jahr die umfangreichste Überblicksschau der aktuellen Kunst dieser Region. Heuer ist sie turnusmäßig in der Städtischen Galerie in Regensburg aufgebaut, im jährlichen Wechsel mit dem Kunst- und Gewerbeverein Regensburg und mit dem Kulturviertel Deggendorf. Die Mitglieder-Jury wählte 132 Werke von 92 Kunstschaffenden aus, hauptsächlich aus den Bereichen Malerei, Grafik und Fotografie, dazu kommen Bildhauerei, Installation und Video. Alles ist weitläufig auf drei Säle des Leeren Beutels verteilt.

Produktive Spannungsverhältnisse zwischen den sehr unterschiedlichen Werken kommen zur Geltung. Die Qualität schwankt zwar bei den einzelnen Arbeiten, doch formale, farbliche und thematische Verweise der Werke untereinander erhöhen den Charme. Bei vielen der altvertrauten künstlerischen Positionen in dieser Schau entdeckt man neue Varianten. Und frühlingshaft zart gibt sich der leitmotivische Auftakt: Eine lockere Farbflächen-Komposition von Altmeister Riepl hängt in farblicher Entsprechung, aber formaler Opposition neben dem streng geometrischen rot-weißen Wandobjekt von Matthias Eckert.

Digitale Montage Regensburgs

Als digitale Fotomontage erstrahlt Lena Schabus’ Stadtpanorama von Regensburg in plakativem Bunt. Der Himmel: groß, blau, mit rosaroten Wolken. Oder handelt es sich hier um fleischfarbene Gedärme? Die Ironie hat ihre Ergänzung an ganz anderer Stelle, bei einem Gemälde von Christian Kölbl: ein neues Haus, sogar mit Gießkanne davor, quadratisch, praktisch, gut – und so öde. Hier wie dort: Entlarvung einer aufgeputzten Dumpfheit des Alltäglichen.

Mit dem Wald befassen sich im ersten Schau-Raum gleich sechs Kunstschaffende: Achatz, Heuberger, Höcherl, Mauermann, Reiter und dazu Wolfram Schmidt mit einem schillernden Foto vom kaputten Wald. In weitläufiger Verbindung dazu finden sich im nächsten Raum kaputte Ton-Schalen von Angeliki Hofmann, die mit Fäden kunstvoll zusammengehalten sind. Sie gemahnen ans Provisorische, Alte, Vergängliche und an den ästhetischen Witz. Johanna Obermüllers große Pigmentdrucke von Hund und Katz’ und Mensch wirken wie Umrisszeichnungen, und doch scheint wunderbar eine rätselhafte Verbindung zwischen den Kreaturen auf.

Gegenständliche und ungegenständliche Kunst halten sich die Waage. Keine Neuen Medien, auch nicht bei den Jungen. Auch kritische Kunst ist rar. Einzig Hubert Lankes’ gut gemachtes Fotoplakat führt mit bitterem Humor die Hässlichkeit von Rohbauten vor, die gut als Unterkunft für Kinderreiche dienen könnten, bevor sie fertiggestellt und verkauft werden. Allgemein betrachtet ist das Können der Ausstellenden gut, die Techniken ausgefeilt. Landschaften, gestische Malerei und Konkrete Kunst haben in Ostbayern eine große Tradition, die bis heute ihre Kreise zieht und auch bei jüngeren Künstlerinnen und Künstlern meist nicht oberflächlich wirkt.

Mehr über die Ausstellung erfahren Sie hier:

Noch bis 10. Juni

  • Die „Große Ostbayerische Kunstausstellung“

    ist eine Veranstaltung des Berufsverbands Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz (BBK). Sie wird aus Mitglieder-Einreichungen des BBK zusammengestellt und findet jährlich an unterschiedlichen Orten statt.

  • Die Ausstellung

    läuft bis 10. Juni in Regensburg in der Städtischen Galerie, Dienstag bis Sonntag 10-16 Uhr.

Fotorealistisch bis abstrakt

Die Messer- und Scherenschnitte von Hans Lankes und Madeleine Schollerer beeindrucken durch eine gewisse Originalität. Ins Auge fallen Schasfoorts fast fotorealistischen Öl-Gemälde eines Kohlkopfs und einer Fliege auf einem Apfel, die ihre neo-barocke Farbkraft zusammen mit Setteles ungegenständlicher Malerei in ähnlichen Tönen entfalten können. Oder Eva Czerwenkas Skulptur, das Porträt eines Affen: so lebensecht, dunkel und massig schwer.

Das abstrakte Leuchtbild von Axel T. Schmidt ist aus halbtransparenten Schichten aufgebaut und entfaltet eine materialbetonende Tiefenwirkung. Beruhigend erscheint in der überbordenden Fülle der Arbeiten der minimalistische Holzschnitt einer Landschaft am Meer von Ekkehard Keppler: Ein paar Striche nur, das reicht.

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