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Filmkonzert

Den Erdkreis umfassende Erkundung

Der Filmessay „Finis Terrae“ feiert glanzvolle Weltpremiere
Von Peter Geiger

Kathrin Liebhäuser im Gespräch mit den Machern von „Finis Terrae“, Stephan Bookas, Konstantin Ferstl und Christoph Zirngibl Foto: Geiger
Kathrin Liebhäuser im Gespräch mit den Machern von „Finis Terrae“, Stephan Bookas, Konstantin Ferstl und Christoph Zirngibl Foto: Geiger

Regensburg.. Na, wie lautet dieses berühmte polemische Motto, das heute kaum einer mehr kennt, weil linkes Denken seit dem Ende des Realsozialismus ziemlich außer Mode geraten ist? „Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Und wer es mit 40 noch ist, hat kein Hirn!“ Ja, es ist das Privileg der Jugend, idealistisch zu sein und auch romantisch.

Als 1989 die Mauer fiel, da kam Konstantin Ferstl gerade in die Schule. Insofern ist es nicht nur legitim, sondern auch erkenntnisfördernd, wenn der 36-jährige Filmemacher, der an der HFF in München Regie studiert hat, sich in „Finis Terrae“ globusweit auf die Suche begibt, nach verlorenen Zeiten und Ideen, nach Überresten real existierender Kapitalismusalternativen. Und sich dabei in Mexiko wie in China, in Russland oder in Nordkorea wie der Caspar David Friedrichsche „Wanderer über dem Nebelmeer“ mit dem Rücken zum Publikum, immer voraus, immer in Richtung Zukunft blickend, präsentiert. Stets erkennbar, an der ausgefahrenen Miniantenne seiner schwarzen Che-Guevara-Baskenmütze.

Im Vorfeld der großartig gelungenen Weltpremiere im restlos ausverkauften Theater Regensburg betont Konstantin Ferstl im Gespräch mit Dramaturgin Kathrin Liebhäuser, wie wichtig ihm die selbstgewählte Form des „Filmessays“ ist – weil sie ihm im Gegensatz zu einem reinen Dokumentarfilm ganz andere Möglichkeiten eröffnet: nämlich eine „sehr subjektiv gefärbte, assoziative Erzählung!“ Diese Wirkungsabsicht wird auch durch den fantastischen Score von Christoph Zirngibl unterstützt, der komplett live vom „Philharmonischen Orchester Regensburg“ (Leitung: Tom Woods) eingespielt wird und, fugenlos vom Cantemus-Chor begleitet, aus dem Orchestergraben erklang.

Gleichzeitig ist „Finis Terrae“ ein Abschiedsgruß an Ferstls vor sieben Jahren verstorbene katholische Großmutter – eine 1919 geborene Oberpfälzerin, deren Lebensspanne die komplette sozialistische Epoche abdeckte. Und weil das eben kein nach strengen Regeln komponierter Film ist – sondern ein Essay, ein nach aleatorischen Prinzipien funktionierender Versuch also – bekommen wir auch Bilder wie die von der Wallfahrtskirche Maria Schnee bei Amberg zu sehen. Für Konstantin Ferstl ist das „steingewordene Kindheitserinnerung“.

Fürs Publikum wiederum eine Ankermöglichkeit – angesichts dieses welt- und geschichtsumspannenden Aus- und Zugriffs, der auch ein langes Gespräch mit dem in Paris ansässigen Philosophen Alain Badiou enthält. Der, 80 mittlerweile, gibt die Hoffnung nicht auf – auf Alternativen zum Monopol des Kapitals.

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