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Kultur
Montag, 20. August 2018 30° 1

Musik

Den Rock‘n‘ Roll im Herzen

„Can The Can“ oder „Stumblin‘ In“ sind nur zwei der größten Erfolge der US-Sängerin. Am Sonntag feierte sie 68. Geburtstag.
von Alois C. Braun

Suzi Quatro ist seit 2016 „Doctor Of Music“. „Wie fantastisch ist das denn?“, sagt sie vor ihrem begeisternden Konzert im Nürnberger Serenadenhof im MZ-Interview.Fotos: Braun
Suzi Quatro ist seit 2016 „Doctor Of Music“. „Wie fantastisch ist das denn?“, sagt sie vor ihrem begeisternden Konzert im Nürnberger Serenadenhof im MZ-Interview.Fotos: Braun

Nürnberg.Bereits mit acht Jahren hast Du mit Deinem Vater Musik gemacht. War das die Initialzündung für die Musikkarriere?

Die Lust aufs Musikmachen bekam ich schon im Alter von sechs Jahren. Damals sah ich mit meiner Familie Elvis Presley im Fernsehen. Und ab da war die Musik in meinem Kopf. Bis heute wollte ich nie einen anderen Beruf haben und bin Entertainerin mit ganzem Herzen.

Du stammst aus Detroit. Warst Du vom industriellen Niedergang der Stadt auch persönlich betroffen?

Als das anfing, wohnte ich ja schon in London. Deshalb hat es mich nicht direkt betroffen. Allerdings war es schon traurig, bei Besuchen zu sehen, wohin sich die Stadt entwickelt hatte. Momentan wird aber viel investiert und es geht wieder aufwärts.

In Regensburg hast Du 1974 auf dem Gipfel Deines Erfolges ein Konzert im Quelle-Festzelt gespielt. Was waren das für Gefühle, als Du weltweit auf den Titelseiten der Musikmagazine warst?

Ich kann mich noch gut an diese intensive Zeit erinnern. Ich hatte ja über Jahre genau darauf hingearbeitet, all meine Energie hineingesteckt. Und als der Erfolg dann da war, freute ich mich, dass sich die immense Arbeit ausgezahlt hatte. Aber ich bin auch kein Mensch, der das alles zu ernst nimmt. Ich war und bin einfach dankbar, dass ich genau das machen kann, was ich machen will.

Gab es damals Momente, wo die Gefahr bestand, dass Du „abhebst“?

Nein, das ist nicht mein Naturell! Ich war nie eine Diva oder Ähnliches. Als „Can The Can“ Nummer eins war, schwebte ich etwa eine Woche wie auf einer Wolke. Aber nicht im negativen Sinne. Und nach dieser Woche besann ich mich wieder auf mich. Ich sage immer: Mein Kopf steckt in den Wolken, aber meine Füße bleiben immer am Boden.

Du hast damals eine Einladung von Elvis nach Graceland ausgeschlagen. Wurmt Dich das noch?

Ich denke, alles, was im Leben passiert, hat einen Grund. So sehe ich auch diese Geschichte. Elvis hatte mich 1974 eingeladen und ich war schlicht und einfach noch nicht bereit, ihn zu treffen. Deshalb nahm ich das Angebot nicht an. Später widmete ich Elvis meinen Song „Singing With Angels“ und nahm ihn mit seinem Gitarristen James Burton und den Jordanaires in Nashville auf. Das Lied ist sehr wichtig für mich und es wäre nie entstanden, wenn ich Elvis damals getroffen hätte.

Wie war es, im Musical „Annie Get Your Gun“ nicht nur zu singen, sondern auch zu schauspielern?

Nun, ich bin ja auch Schauspielerin, habe unter anderem zwei Jahre in der amerikanischen Sitcom „Happy Days“ mitgespielt. Insoweit war „Annie Get Your Gun“ nicht außergewöhnlich. Mein Herz gehört dem Rock ‚n‘ Roll, doch als Künstlerin bin ich in vielen Bereichen tätig. Deshalb fühlte ich mich auch beim Musical sofort zuhause.

Mit „Tallulah Who“ hast Du Anfang der 90er auch ein eigenes Musical geschrieben.

Ich mag das Stück sehr gerne und wir bekamen auch tolle Kritiken. Deshalb wäre es super, wenn es künftig wieder aufgeführt werden würde. Aber momentan fehlt einfach die Zeit. In den letzten Jahren habe ich meine Biografie „Unzipped“ geschrieben, den Gedichtband „Through My Eyes“ veröffentlicht und im letzten Mai erschien mein erster Roman „The Hurricane“. Ich nehme gerade mit KT Tunstall auf, schreibe Songs für mich, bin für BBC Radio 2 tätig und arbeite auch an einem neuen Projekt, über das ich noch nichts verraten will.

Weniger bekannt ist Dein Song „Angel Flight“, ungewohnt mit Streichern instrumentiert und knapp elf Minuten lang. Warum wurde der Titel nur auf einem Sampler veröffentlicht?

Was für ein großartiger und ungewöhnlicher Song, oder? Eigentlich sollte das Lied auf meinem zweiten Album „Quatro“ erscheinen. Aber Produzent Mickie Most meinte, dass der Stil doch zu weit von dem entfernt sei, was die Leute von mir erwarten. Deshalb wurde „Angel Flight“ damals nicht veröffentlicht und erschien erst 2004 auf dem Sampler „A’s, B’s and Rarities“.

Seit 2016 bist Du Ehrendoktor der Anglia Ruskin Universität von Cambridge. Wie wichtig ist so eine Auszeichnung für Dich?

Das ist wirklich eine Ehre für mich und bedeutet mir sehr viel. Ich hatte Tränen in den Augen bei der Verleihung. Ich bin nun „Doctor Of Music“ – wie fantastisch ist das denn?

Deine letzte Veröffentlichung ist das Album „QSP“ mit Andy Scott (The Sweet) und Don Powell (Slade). Wer hatte die Idee zu dieser Zusammenarbeit?

Die Idee zu diesem Album hatte mein Ehemann Rainer schon lange, aber wir fanden erst jetzt die Zeit, das Projekt zu realisieren. Andy, Don und ich waren zusammen im Studio, schrieben Songs, nahmen auf und hatten so viel Spaß. Ich bin sehr stolz auf diese Aufnahmen. Als ich in Australien auf Tour war, haben QSP den Support für meine Shows gespielt. Ich war also meine eigene Vorband.

Was kann das Publikum in Regensburg vom Konzert am 2. Oktober erwarten?

Ich kann den Leuten in Regensburg einen weiten Regenbogen an Musik versprechen. Sie werden alle Facetten von Suzi Quatro kennenlernen und als letzten Titel gibt es dann eine Überraschung, die die wenigsten Zuhörer erwarten werden.

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