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Bühne

Den Weg zum Oslo-Abkommen nachgespielt

Geschichtsunterricht mal anders: Schüler aus Seubersdorf und Regensburg beschäftigen sich am Theater mit dem Nahostkonflikt.
Von Anna Gangkofner, Kristina Stein, Sophia Greindl

Am Ende gelang der Handschlag. Schüler aus Seubersdorf und aus Regensburg haben sich in einem Planspiel am Theater Regensburg mit dem Nahostkonflikt beschäftigt. Foto: Gangkofner/Stein/Greindl
Am Ende gelang der Handschlag. Schüler aus Seubersdorf und aus Regensburg haben sich in einem Planspiel am Theater Regensburg mit dem Nahostkonflikt beschäftigt. Foto: Gangkofner/Stein/Greindl

Regensburg.Ein historischer Handschlag von 1993 in Washington D.C. wiederholt sich im September 2019 im Regensburger Stadttheater. Nach langen Verhandlungen der Israelischen Regierung mit der palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) kommt es unter der Leitung norwegischer Diplomaten zu einem Moment der Hoffnung. Inszeniert wurde dieses Ereignis durch die Schüler der Mittelschule Seubersdorf und der Pindl Realschule Regensburg. Sie machten bei einem Planspiel mit, welches vom international bekannten Theaterstück „Oslo – Mission für den Frieden“ inspiriert war. Der Vormittag, den die Neuntklässler am Theater verbrachten, half ihnen vielleicht besser dabei, den verflochtenen Konflikt im Nahen Osten zu begreifen, als klassischer Geschichtsunterricht. Möglich machte das Planspiel die Kooperation „Dein:Theater!“ des Theaters mit 29 Schulen in und um Regensburg.

15 Minuten zur Vorbereitung

„Das Interesse für den geschichtlichen Aspekt des Nahostkonflikts wurde mithilfe dieses Projekts geweckt“, sagte Christian Ried, Geschichtslehrer an der Pindl Realschule. Theaterpädagogin Lisa Hörmann und leitende Dramaturgin Saskia Zinsser-Krys empfingen die jungen Schauspieler und teilten diese in drei Gruppen ein: Die beiden Konfliktparteien Israel und Palästina, vertreten durch die Klasse 9b der Pindl Realschule und der Klasse 9b der Mittelschule Seubersdorf, sowie die norwegischen Vermittler, verkörpert durch die Klasse 9a der Mittelschule Seubersdorf. Nachdem die Dramaturgin vorab den Hintergrund des Stücks sowie einen geschichtlichen Abriss des Nahostkonflikts präsentiert hatte, ging es für die Schüler nach 15 Minuten Vorbereitungszeit auf die Bühne.

Kultur

Die fantastische Welt der Bühne

Einblicke vom Inspizientenpult bis in die Katakomben: Theater feierte die Spielzeiteröffnung mit einem Tag der offenen Tür.

Je zwei Sprecher pro Gruppe hatten die Aufgabe, die Verhandlung stellvertretend für ihre Partei zu führen. Die norwegischen Repräsentanten eröffneten die Diskussion mit klar definierten Verhandlungsregeln, wie zum Beispiel keine gegenseitigen Beleidigungen oder Drohungen auszusprechen. Die Vertreter der Konfliktparteien stellten vorab ihre Positionen heraus und zeigten eine Menge Verhandlungsgeschick. Über das Ziel der Zusammenkunft herrschte von Beginn an Einvernehmen: „Wir wollen keine Kriege mehr führen“, so die Israelis. Auch die Palästinenser betonten vorab: „Wir wünschen uns Frieden.“ Trotz des anfänglich gemeinsamen Nenners stellte sich der Weg zum friedlichen Kompromiss als holprig heraus.

Das Publikum fieberte beim Planspiel, um den Nahost-Konflikt zu verstehen, mit. Foto: Gangkofner/Stein/Greindl
Das Publikum fieberte beim Planspiel, um den Nahost-Konflikt zu verstehen, mit. Foto: Gangkofner/Stein/Greindl

Schon nach dem ersten Einigungsvorschlag wurde eine zweiminütige Beratungspause mit den restlichen Gruppenmitgliedern in Anspruch genommen. Diese Pause zeigte besonders deutlich, dass die Zusammenarbeit im Team an oberster Stelle des Planspiels stand. Im Laufe des Prozesses stieg der Lärmpegel im Neuhaussaal des Theaters an, das Publikum fieberte verstärkt mit und brachte sich ein. Die Verhandlungsergebnisse wurden abschließend durch die Norweger zusammengefasst und seitens der Israelis und der PLO durch einen kräftigen Handschlag besiegelt.

Neugierige Fragen an das Ensemble

Nach einem finalen Resümee hatten die Partnerklassen die Möglichkeit, exklusive Einblicke in die Probe des Theaterstücks, das am 21. September Premiere feiert, zu erhalten. Dabei bot sich den Schülern die Chance, dem Regisseur und den anwesenden Schauspielern Fragen über das Stück zu stellen. Besonders der Beruf des Schauspielers schien das Interesse der Neuntklässler geweckt zu haben: „ Wie schaffen Sie es, die Texte auswendig zu lernen?“, fragte eine Mittelschülerin aus Seubersdorf. Das Ensemble freute sich über das große Interesse und beantwortete ausführlich die Fragen der neugierigen Schüler. Auf die Rückfrage der Theaterpädagogin Hörmann, wem sie das Theaterstück empfehlen würden, antwortete ein Schüler begeistert: „Ich würde sagen, dass das Stück für jedermann geeignet ist.“

Spannungsgeladenes Stück überzeugt die Neuntklässler

„Oslo – Mission für den Frieden“ von J.T. Rogers feierte bereits unter anderem in New York und London große Erfolge. Das Stadttheater Regensburg führt das preisgekrönte Werk als erstes Theater in deutscher Sprache auf. Das unter der Regie Klaus Kusenbergs inszenierte Stück behandelt die geheime Friedensmission eines norwegischen Diplomatenpaares zur Lösung des Nahostkonflikts. Die Zuschauer erwartet ein spannungsgeladenes, unterhaltsames und packendes Theaterstück, das auch die Neuntklässler überzeugt. Die 14-jährige Nadine Lehner beschreibt ihre Eindrücke von der Probe: „Ich finde das Thema sehr interessant und die Proben haben meinen Interesse geweckt.“ Über den Erfolg des Planspiels waren sich sowohl die Schüler als auch die Dramaturgin einig. Zinsser-Krys war positiv überrascht, dass die Jugendlichen das ihrer Meinung nach komplexe Thema in so kurzer Zeit verstanden und in eine Diskussion umsetzten konnten. Der 15-jährige Robert Stümmer stellt abschließend fest: „Mit einem Planspiel ist es viel sinnvoller erklärt und besser veranschaulicht. Ich konnte mich gut in die Rolle hineinversetzten.“

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