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Kultur
Freitag, 25. Mai 2018 24° 8

Schau

Den Wolken nachschauen

Das Luftmuseum in Amberg feiert in einer ungeheuer vielfältigen Ausstellung unter dem Titel „Cloud“ die Phantasie.
von Peter Geiger

Der Edding liegt für die Besucher bereit, um im Gewölk das Konkrete zu finden. Foto: Geiger

Amberg.Wolken, sind das nicht die großen Aufblaskünstler unter den Erscheinungen dieser Welt? Sie machen sich breit am Himmel, sie blähen ihre Backen auf und gefallen sich darin, uns Erdbewohnern Schatten zu spenden, indem sie großflächig die Sonnenstrahlen verstellen. Kaum aber hat der Wind sie weggeweht oder müssen sie sich temperaturbedingt trennen, von den Wassertröpfchen, aus denen sie gemacht sind, schon zeigen sie ihre wahre Größe!

Johanna Foitzik, Geschäftsführerin im Luftmuseum in Amberg und verantwortlich für die Realisierung der aktuellen Cloud-Ausstellung, freut sich über diese Eigenschaft, die auch die hier versammelten künstlerischen Geschwister aufweisen. Und hat gleich ein paar Geschichten aus der Aufbauphase auf Lager: „Max Streicher hat uns eine Skulptur zukommen lassen, die passt in eine schlichte Schachtel!“ Das ist umso verwunderlicher, weil „Architecture of Clouds“ – so die Bezeichnung der Arbeit des Kanadiers mit österreichischen Wurzeln, in aufgeblasenem Zustand riesenhafte Dimensionen annimmt. Den Raum, der eine Grundfläche von gut 30 Quadratmetern hat und über eine Deckenhöhe von rund drei Metern verfügt, füllt sie nahezu komplett aus. „Die Schachtel aber passte beim Transport bequem in den Kofferraum eines A-Klasse-Mercedes!“ „Reduce to the Max“, so wirbt der Konzern für seine Minis – und wenn man’s recht bedenkt, dann ist diese aus dem Kunststoff Tyvek bestehende Plastik doch nichts anderes als eine bildhafte Ausformulierung solcher geflügelter Worte. Wäre Streichers Arbeit nämlich in Stein gehauen, zig Tonnen würde sie wiegen. Und wäre groß und schwer, brachial und monumental. So aber bringt dieses eine Wolke repräsentierende Monstrum höchstens ein paar Kilo auf die Waage.

Bei Lankes sind Schatten bunt

Auch die Messerschnitt-Kunst von Hans Lankes, sie ist denkbar leicht transportabel. „Ihm reicht eine Mappe. Mit der ist er unterwegs, international zu Galerien – oder zu uns ins Luftmuseum!“, berichtet Foitzik. Aber weil er sowieso nicht weit hatte, von seinem Wohnort im westlichen Landkreis Regensburg hierher nach Amberg, ist er persönlich angereist, zur Vernissage. Ihm zuzuhören, wenn er über seine Arbeiten spricht, ist eine wahre Freude. Er schürzt gerne die Lippen und lacht viel. Vielleicht, weil ihm, während akribischer Studien seines Materials, etwas gelungen ist, was selbst für Profiohren unglaublich klingt? Lankes hat nämlich etwas gefunden, was es bisher nicht gab. Und zwar: farbige Schatten! Seine am Vorbild des Organoiden wie des Technischen orientierten Schnitte (seine Clouds also), sie wissen immer mit einer ins Räumliche erweiterten Dimension aufzuwarten. Und leuchten diese aus, mit in Rottönen schimmernden Reflexen.

Natürlich ist das ein bisschen Betriebsgeheimnis, wie ihm das genau gelingt, der ansonsten grauen oder schwarzen Schattenwelt das Phänomen der Farbigkeit einzuhauchen – es hat aber wohl was zu tun mit fluoreszierenden Materialien. Für ihn, der früher nur schwarz-weiß gearbeitet hat, ist das Kolorierte nun konsequente Fortentwicklung seines Konzepts: „Ich arbeite ja schon immer mit Wahrnehmung. Mir kommt’s nicht nur darauf an, was da ist – sondern auch auf die Aussparungen. Und so schaue ich: Wie schaut das menschliche Auge?“

Wolkenkino in der Kapelle

Auch das Luftmuseum bleibt sich konzeptionell treu, mit seiner grandiosen „Wolken“-Ausstellung: Denn auch dieses Mal gelingt es, ein Thema auf so vielfältige Weise durchzudeklinieren, dass ganz junge Besucher ihren Spaß haben. Gleichzeitig dürfen auch anspruchsvolle Geister Genugtuung empfinden, angesichts barocker Warholwolken (Gerold Tusch), raumfüllender artifizieller Gebilde (Berndnaut Smilde), aus der Vogelperspektive fotografierter Himmelslandschaften (Tom Hegen) oder einer flauschig-leichten Goldschmuckwolke (Sebastian v.d. Recke). Ein außergewöhnlicher Leckerbissen wartet in der Hauskapelle. Dort sind Arbeiten des Karikaturisten Rudi Hurzlmeier zu sehen. Unter dem Titel „Hirameki Wolkenkino“ hat er abstrakte Wolkengebilde geschaffen, die den Besucher auffordern („Guck in die Luft – und schon entfalten / sich die erstaunlichsten Gestalten“), im Gewölk das Konkrete zu finden und dem mit einem Edding Ausdruck zu verleihen. Die Wolke, ist sie nicht stets auch Spiegel unserer selbst?

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