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Jahreslesung

Der Alltag: böse und auch kurios

Mitglieder des Ostbayerischen Schriftstellerverbands lasen aus Neuveröffentlichungen.
Von Fred Filkorn, MZ

Regensburg. Was gibt es in Sachen Belletristik und Sachbücher Neues aus der Region? Die Antwort präsentierte der Schriftstellerverband Ostbayern im passenden Rahmen: Da in den Räumen des Kunst- und Gewerbevereins derzeit aktuelle Arbeiten ostbayerischer Künstler ausgestellt sind, konnte der geneigte Besucher gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und sich über das Kunstgeschehen in der Region informieren.

Stimmungsvoll begleitet von Benedikt Drehers tiefen Fagottklängen, stellte Carola Kupfer zunächst den „grenzüberschreitenden“ literarischen Jahreskalender 2011 vor, der Texte und Fotos von westböhmischen und ostbayerischen Künstler enthält – Weihnachten steht ja schon fast vor der Tür.

WAA-Widerstand und Mini-Krimis

Wollte man die aktuellen Veröffentlichungen der ostbayerischen Schriftsteller auf einen gemeinsamen Nenner bringen, so würde man vermutlich beim Thema Alltag landen. Denn dieser hält allerlei Überraschungen bereit – im Guten wie im Bösen. Den maliziösen kleinen Abgründen des Alltags widmet sich beispielsweise Marita A. Panzer in ihrem schwarzhumorigen Band „vogelfrei und mausetot“. Ihre Mini-Krimis offenbaren: Das Verbrechen lauert um die Ecke. Alltäglich sind auch Scheidungen geworden. Hilde Artmeier nimmt einen Trennungsfall als Hintergrund für ihren deutsch-englischen Lernkrimi „Missing Laura – Laura vermisst“, den sie zu einem Drittel auf Englisch verfasst hat.

Der Widerstand gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf war vor 20 Jahren Alltag in der Oberpfalz, meint Friedrich Brandl. In ihrem Tagebuch lesend, lässt seine Protagonistin Lena diese Zeit in „Wieder am Bauzaun“ aufleben. Brandls kritische Heimatgeschichte trägt autobiographische Züge.

Ganz poetisch geht es hingegen in Barbara Krohns „Alltagsrettung“ zu. Der Band hält für jede Woche des Jahres eine lyrische Kurzgeschichte bereit. Krohn hat sie über mehrere Jahre gesammelt und von ihrer ehemaligen Französischlehrerin mit Radierungen illustrieren lassen – was wiederum nicht unbedingt alltäglich ist.

Absurditäten und Einsichten

Ebenfalls über einen längeren Zeitraum hat Rolf Stemmle seine 25 satirischen Kurzgeschichten niedergeschrieben. „Kleinviehmist“ geht den „Absurditäten und Geheimnissen des Lebens“ auf den Grund.

Launig erzählt Siegfried Schüller von seinem Besuch in der Hauptstadt der deutschen Klassik. In „Oh-Wei-mar“ nimmt die touristische Vermarktung kultureller Güter recht kuriose Züge an. Sein Werk „(M)ein Stein“ erblickt Ende Oktober das künstliche Tageslicht der Buchhandlungen.

Dem tristen Alltag setzen Wolf Peter Schnetz und Susanne Werner-Eichinger feinsinnige Lyrikbände entgegen. In Schnetzs „Ich lebe dich, das ist alles“ herrscht herbstlich-melancholische Grundstimmung vor, in „Tao Te King“ widmet er sich den Einsichten des Philosophen Lao-Tse.

Um der Pharmaindustrie ein Schnippchen zu schlagen, kann man sich in die Obhut von Markusine Guthjahr begeben. Die Kräuterexpertin rät zur „bäuerlichen Naturapotheke“. Fruchtsalbei sei ein natürlicher Stimmungsaufheller, die Zitronenverbene mache müde Geister wieder munter. Genau das Richtige also, um den Alltag zu bestehen.

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