MyMz

Geburtstag

Der Bestseller-Mönch wird 75

Über 300 Bücher: Der Benediktinerpater Anselm Grün gilt als der meistgelesene christliche Autor im deutschsprachigen Raum.
Von Daniel Staffen-Quandt

Zurzeit schreibt er über den Umgang mit Macht: Pater Anselm Grün Foto: Inga Kjer/dpa
Zurzeit schreibt er über den Umgang mit Macht: Pater Anselm Grün Foto: Inga Kjer/dpa

Münsterschwarzach.Diesmal nimmt er es sich wirklich vor. Also ein bisschen. Vielleicht. Für dieses Jahr habe er sich „mehr Lücken“ im Terminkalender gelassen, sagt Anselm Grün. Am 14. Januar wird er 75 Jahre alt. Vor fünf Jahren hatte sich der Bestseller schreibende Benediktinerpater mit dem weißen Bart schon einmal vorgenommen, „etwas kürzertreten“ zu wollen. „Das hat leider nicht so geklappt“, sagt Grün. Er hoffe, dass er diesmal die Lücken verteidigen könne. Das könnte schwer werden. Denn der Autor von mehr als 300 Büchern, die in gut 30 Sprachen übersetzt wurden, ist im Genre Ratgeber und Coaching ein Star.

„Bestseller-Autor“ oder „Star“ möchte Anselm Grün allerdings nicht so gerne genannt werden, wie er sagt. Und wer ihn in seinem Büro in der Benediktinerabtei Münsterschwarzach bei Würzburg besucht, erlebt auch niemanden mit Star-Allüren. Mit 19 Jahren trat er in die Abtei ein. An einem alten Holzschreibtisch voll mit Bücherstapeln sitzt Grün jeden Dienstag- und Donnerstagmorgen zwischen sechs und acht Uhr und schreibt. Seit er im Jahr 2013 die wirtschaftliche Leitung des Klosters und damit das Amt des Cellerars abgegeben hat, komme er manchmal auch zusätzlich an anderen Tagen zum Schreiben, sagt er.

Stabile Einnahmequelle

Wenn Pater Anselm mal nicht schreibt, dann liest er aus seinen Büchern – oder hält Vorträge und gibt Kurse, coacht Wirtschaftsbosse im Führen mit christlichen Werten. Das Schreiben allerdings hat ihm seine größten Erfolge beschert, und seiner Abtei eine stabile Einnahmequelle. Mehr als 14 Millionen Bücher hat er bereits verkauft, es geht in ihnen um Gelassenheit und Vertrauen, die Kunst des Älterwerdens oder das Glück der kleinen Dinge.

Vorwurf: Mangelnde Bibeltreue

  • Autor:

    Pater Anselm Grün schreibt inzwischen nicht nur aus innerem Antrieb heraus Bücher – oftmals tragen Verlage Wünsche an ihn heran. Nur jede zehnte Anfrage nehme er an, die übrigen Themen seien teils vollkommen abstrus.

  • Kritik:

    Seine Kritiker werfen ihm übrigens genau das vor. Den stramm konservativen Katholiken und auch vielen Evangelikalen ist er zu wenig bibeltreu. Er vermenge die christliche Botschaft mit Elementen aus anderen Religionen.

  • Gegenwehr:

    So lautet einer der Vorwürfe der Kritiker an den gebürtigen Unterfranken. Pater Anselm Grün ficht das jedoch nicht an, auch wenn er die Kritiker ernst nimmt – zumindest, wenn sie sachlich kritisierten, erläutert der Mönch.

Momentan schreibt Grün ein Buch über den Umgang mit Macht – mit Blick auf Kirche, Familie, Vereine, Firmen und Politik. Der Schwerpunkt liege „auf dem Umgang mit Macht in der Kirche“. Der Vier-Türme-Verlag der Abtei Münsterschwarzach schreibt in seiner Ankündigung: „Die Kirche ist durch das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in eine große Krise gestürzt.“ Einer der Gründe sei sicher der „Missbrauch der Macht“. Die Kirche spreche ja meist vom Dienst, sagt Grün, aber dann werde Macht eben „versteckt ausgeübt“: „Und das ist nie gut!“

Eher wenig Kirchenpolitik

Das klingt fast Grün-untypisch. Die große Kirchenpolitik war nie seins. „Mein Augenmerk liegt darauf, wie ich dem Einzelnen helfen kann, sein Leben aus dem Glauben heraus zu leben“, sagt der Benediktiner. Seine Tonlage ist normalerweise leise und bedacht. Zurückhaltend, bescheiden, fast ein bisschen schüchtern tritt er auf.

Er fühle sich „nicht als einer, der die Lösung für die Kirche der Zukunft parat hat“. Kritik an Bischöfen liege ihm nicht. Und doch sage er schon seine Meinung, wenn ihn Aussagen von Bischöfen ärgerten, wenn sie theologisch nicht begründet seien, sagt Grün.

„Ich will die frohe Botschaft Jesu Christi verkünden.“

Anselm Grün

Schreiben ist für Pater Grün etwas Zentrales im Mönchdasein: „Ich bin Missionsbenediktiner, ich will die frohe Botschaft Jesu Christi verkünden – und zwar so, dass die Menschen sie verstehen.“ Dies tue er als Autor und Vortragsreisender. Um Eitelkeiten gehe es ihm dabei nicht, auch wenn dieser Vorwurf schon einmal aus den Reihen seiner Mitbrüder kam: „Natürlich habe ich es manchmal auch genossen, wenn ein Vortrag ausverkauft war und die Leute sich bedankt haben.“

Finanzen statt Seelsorge

Grüns Erfolg und damit die Einnahmen waren und sind für das Kloster am Rand des Steigerwalds wichtig. Lange Zeit verwaltete er auch das Geld der Abtei: Von 1977 bis 2013 war er der wirtschaftliche Leiter der Abtei. Das Buchhalten als sogenannter Cellerar war ihm am Anfang zuwider. Er wollte Seelsorger sein. Doch weil sein Abt es wollte, studierte Grün nach Theologie und Philosophie noch Betriebswirtschaftslehre. Irgendwann fand er Gefallen daran, investierte an der Börse – und verlor in der Krise Anfang des Jahrtausends Millionenbeträge. Eine Zeit, an die er sich ungern erinnert.

Grün ist froh, dass er inzwischen nicht mehr verantwortlich für die Finanzen ist und mehr Zeit für anderes hat. Wenige Tage nach seinem 75. Geburtstag wird er einen Blick zurück in die eigene Vergangenheit werfen: Bei einem Symposium zu seinem Geburtstag werde es um die „Lebensträume“ seiner Jugend gehen – und inwieweit sie in Erfüllung gegangen sind.

Mehr aus Deutschland und der Welt lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht