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Regensburg.

Der coole Supermann mit der Schweineschnauze

Ganz ohne den ästhetischen Airbag: Karikaturen und Comics von Zhao Bin in der Galerie Dr. Erdel

Der Maler und Innenarchitekt Zhao Bin in der Galerie Dr. Erdel Foto: Zwicknagl

Von Helmut Hein, MZ

Dieser Supermann kommt mit Schweineschnauze daher. Er ähnelt dem hintersinnigen chinesischen Künstler Zhao Bin (*1969), den einst der Maler und Gartenkünstler Peter Wittmann an die Galerie Dr. Erdel vermittelte, und er mischt die konfuse Weltgeschichte der letzten Jahrzehnte auf.

Bins produktive Ratlosigkeit

Nichts und niemand wird verschont: die Weltmacht Amerika nicht, die einen erniedrigenden Akt über sich ergehen lassen muss; und schon gar nicht der in mumifizierter Macht immer noch gegenwärtige Übervater des Reichs der Mitte Mao Tsetung; aber auch nicht Zhao Bin, der, als gelte es dem Zeitalter der politischen Korrektheit entschieden die Zunge zu zeigen, sich als „Lüstling“ präsentiert; und schon gar nicht die deutschen Einwanderungsbehörden, die im Wortsinn mächtige Zweifel haben, ob ein ferner, fremder Künstler eine mit Dienststempel für alle Zeiten beglaubigte erwünschte Person sein könne.

Zhao Bin bekämpft seine produktive Ratlosigkeit mit entschiedener Referenz. Oder sollte man sagen: mit Reverenz? Jedenfalls unternimmt er Beutezüge in Kunst- und Polit-Historie, scheinbar demütig und in Wahrheit rotzfrech und präsentiert dem geneigten Publikum ein innig ironisches Panorama des Menschlich-allzumenschlichen – das er gründlich durch einen zur Kenntlichkeit entstellten MultiKulti-Fleischwolf gedreht hat. Eine große Ausstellung im kleinen Format – und in Zitatform. Natürlich gibt es das alles schon: die Tierparabeln und das provokative Plakat; die Wiederentdeckung der hohen Kunst im durchaus gelegentlich platten, ja niederen Volksvermögen, von dem einst Peter Rühmkorf und andere schwärmten; und natürlich auch die mal unverschämt flächige Malerei aus zweiter Hand und das geradezu coole En-passant-Aufrauen des Hintergrunds, wenn das, was gerade frontal erzählt wird, dem Publikum ohne ästhetischen Airbag mitten ins Auge und Bewusstsein knallen soll.

Zhao Bins Panorama-Show der Ambitionen und Abstürze verdichtet sich zu einer surrealen Chronik der laufenden Ereignisse – und zu einer labyrinthischen Recherche in unserer eigenen Psyche mit all dem Bildergerümpel, das sie vollstellt.

Traue keinem Geständnis

Der Künstler entblößt sich – und man erfährt, dass man Geständnissen zuallerletzt trauen sollte. „Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch“, wie einst Gottfried Benn dichtete? Da müssten sich andere angesprochen fühlen. Zhao Bin steht im Hintergrund und lächelt. Die Lüsternen, ganz egal wem ihre Gier gilt, sehen eigentlich anders aus.

„Supermann“. Bis 19. Dezember in der Galerie Dr. ErdelVerlag, Fischmarkt 3 in Regensburg. Mi. und Fr. 16-19 Uhr u.n.V. Tel. (0941) 702194

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