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Musik

Der Hüftschwung klappt noch

Der Rock ’n’ Roll-Pionier Peter Kraus wird 80 Jahre alt. Zum Geburtstag gibt es eine große Party – und eine TV-Dokumentation.
Von Gunther Matejka

Seit mehr als sechs Jahrzehnten steht Peter Kraus auf der Bühne. Im Oktober plant er eine große Konzertreise. Foto: Bodo Schackow/dpa
Seit mehr als sechs Jahrzehnten steht Peter Kraus auf der Bühne. Im Oktober plant er eine große Konzertreise. Foto: Bodo Schackow/dpa

München.Auch Teenie-Schwärme werden älter. Sogar Rock ’n’ Roll-Helden. Diese Erfahrung macht gerade Peter Kraus. Der Sänger, Schauspieler und Moderator feiert am 18. März seinen 80. Geburtstag. Die hohe Zahl mache ihm schon zu schaffen, das gibt er zu. Doch bisher habe er es geschafft, sich gedanklich damit kaum zu befassen. Außerdem ist er ein „guter Verdränger“, wie er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur gut aufgeräumt bekennt.

Party mit Frank Elstner

Eine richtig große Party ist geplant. „Mit Freunden und mit lieben Kollegen, die ich schon seit langem nicht mehr gesehen habe“, sagt Kraus und gewährt einen kleinen Einblick in die Gästeliste: Moderator Frank Elstner, Ex-Rennfahrer Hans-Joachim Stuck, die Kessler-Zwillinge sowie die Musiker Günther Sigl (Spider Murphy Gang), Mary Roos und Paola. „Das wird toll. Dabei bin ich als bescheidener Mensch gar kein richtiges Feierbiest“, verrät er. Udo Lindenberg und Otto Waalkes mussten aus terminlichen Gründen absagen. Das sei schade, doch die beiden hätten bei der anlässlich seines Geburtstages in der ARD geplanten TV-Doku mitgewirkt. Lindenberg und Peter Kraus? Auf den ersten Blick scheint die beiden mehr zu trennen als sieben Lebensjahre. „Das stimmt schon, aber wir zwei respektieren und verehren uns gegenseitig.“

Überwältigender Erfolg

Der als Peter Siegfried Krausenecker geborene Sohn des österreichischen Regisseurs Fred Kraus und einer Münchnerin war ein Pionier: Bereits Mitte der 1950er Jahre holte er mit seiner Debüt-Single „Susi-Rock (Bluejean Bop)“ den Rock ’n ’Roll ins Nachkriegs-Deutschland. Mit überwältigendem Erfolg: In seinen ersten vier Karriere-Jahren veröffentlichte Kraus 36 Titel – die sich über zwölf Millionen Mal verkauften.

Inspiriert war der heute am Luganersee lebende Österreicher anfangs – natürlich – von Elvis Presley. „Er war mein Ideengeber“, sagt Kraus, „ich habe von ihm erstmal nur in der Zeitung gelesen: Dass es da einen Typen gibt, der sich unanständig auf der Bühne bewegt, der wilde Musik macht, der eine Haartolle hat und bei dem die Mädchen reihenweise in Ohnmacht fallen. Da habe ich mir gedacht: Das wäre doch auch was für mich.“

Musikalisch hat sich Kraus allerdings recht schnell von seiner Inspirationsquelle entfernt. Er avancierte zum Schmusesänger, war gefragter Duett-Partner (unter anderem mit Connie Francis, Alice und Ellen Kessler und Gus Backus) und versierter Interpret von klassischem Blues. Daneben befeuerte der seit 1969 mit dem ehemaligen Fotomodell Ingrid verheiratete Künstler seit Mitte der 1950er Jahre seine Schauspieler-Karriere: Über 30 Kino- und Fernsehfilme machten Peter Kraus zum Star im deutschen Film. Heute böten ihm Filmemacher stets die gleiche Rolle an, erzählt Kraus: „Ein alter Schlagersänger, der jung geblieben ist. Da lach ich mich doch tot. Etwas anderes kommt einfach nicht.“

Malen, Oldtimer und Musik

Er kann’s verschmerzen. Schließlich sei sein Leben auch ohne Filmdrehs ausgefüllt - mit Malen (seine neue Leidenschaft), mit Oldtimer-Rallyes und natürlich mit Musik. Im Oktober will sich Peter Kraus zum letzten Mal auf große Konzertreise begeben. Die am 23. Oktober startende „Jubiläumstour“ soll das Beste des Rock ’n’ Roll-Zeitalters bereithalten. „Das wird eine tolle Show, mit Songs von Chuck Berry, Frank Sinatra, Little Richard, Jerry Lee Lewis und natürlich Elvis.“ Ob mit 80 der Hüftschwung noch klappt? „Aber ja“, lacht Peter Kraus sein unverkennbares Lausbuben-Lachen, „dafür sorgt schon meine Frau. Sie hält mich fit.“

Die TV-Doku „Immer in Bewegung“ läuft am Sonntag um 16.25 Uhr im Ersten. Die Sendung zeichnet die Karriere von Peter Kraus nach – vom Kinderstar in „Das fliegende Klassenzimmer“ über das Teenie-Idol als „deutschsprachiger Elvis“ bis hin zum Entertainer in Film und Fernsehen.

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Der deutschsprachige Elvis

  • Vorbilder:

    Auch wenn Peter Kraus zu Beginn seiner Karriere als „deutschsprachiger Elvis“ galt – so ganz konnte er sich nicht mit dem US-Superstar Elvis Presley identifizieren. Musikalisch stand Kraus jedenfalls Künstlern wie Chuck Berry, Little Richard und Jerry Lee Lewis näher, wie er jetzt sagte. „Doch diese Musik durfte man in Deutschland in den 1950er Jahren nicht singen, sie war damals zu wild.“

  • Blaupause:

    In Elvis sah Kraus dagegen eine Blaupause für seine eigene Karriere. Dieser sei der Erste gewesen, der erkannt habe, dass Musik alleine nicht reiche. „Das war ein Gesamtpaket, bestehend aus Kleidung, Frisur und Bewegung. Natürlich hatte er auch eine fantastische Stimme.“ Zu einem persönlichen Treffen mit dem König des Rock’n’Roll kam es aber nie. (dpa)

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