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Der King of Pop in der Donauarena

Das Musical über Weltstar Michael Jackson gastierte in Regensburg. Die Darbietung traf den Nerv der Pop-Fans.
Von Sarah Höger

Dantanio Goodman imitierte Michael Jackson täuschend echt. Fotos: Jens Niering
Dantanio Goodman imitierte Michael Jackson täuschend echt. Fotos: Jens Niering

Regensburg.Jede Bewegung, jeder Tanzschritt, jede noch so kleine Mimik stimmte. Schaute man Dantanio Goodman auf der Bühne zu, konnte man meinen, Michael Jackson höchstpersönlich stehe auf der Bühne. Der Südafrikaner imitierte den King of Pop so gut, dass man als Zuschauer beinahe das Gefühl bekam, die Aura und die extreme Ausstrahlung des seit elf Jahren toten Michael Jackson wabere durch die Arena.

Am Dienstag gastierte „Beat it – Das Musical über den King of Pop“ in der Regensburger Donauarena. Es ist eine Hommage an den erfolgreichsten Popsänger aller Zeiten. Die Produktion der Firma COFO-Entertainment aus Passau feierte im Sommer 2018 in Berlin Weltpremiere und tourte seither durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Mehr als 100 Vorstellungen wurden gespielt – fast immer in ausverkauften Hallen. Den Erfolg möchte die Produktionsfirma jetzt fortsetzen: Letzte Woche ist die zweite Spielzeit des Musicals angelaufen – mit mehr als 60 eng getakteten Shows.

Starbesetzung kommt an

Mit einer fulminanten Performance des Welthits „They Don’t Care About Us“ wurde die Show eröffnet, inklusive großem Knall und Bühnenfeuerwerk. Als Goodman als Michael Jackson auf der Bühne erschien, stockte so manchem Zuschauer der Atem: Die Ähnlichkeit und die Ausstrahlung des Künstlers mit Michael Jackson waren verblüffend. Die Aufgabe, den wohl bekanntesten Popkünstler des letzten Jahrhunderts darzustellen, ist vor allem mit großen Erwartungen seiner Fans verbunden, aber auch mit dem Anspruch, der Persönlichkeit und der künstlerischen Brillanz Jacksons gerecht zu werden.

Die Tanzchoreographien waren von deutlich sichtbarer Qualität und zu jedem Lied bekamen die Zuschauer eine bis auf das kleinste Detail durchdachte Show aus Bühnenbild, Lichtshow, Installationen, Kostüm, Musik und Tanz.

Manche Künstler des Musicals kannten Michael Jackson persönlich

Für seine Produktion konnte Oliver Forster auf Profis aus allen künstlerischen Bereichen zurückgreifen, die Michael Jackson teilweise sogar persönlich kennengelernt haben: Der Choreographie-Chef der Produktion, Alex Burgos, tanzte bereits für den King of Pop, Journalist Alexander Gernandt, ehemaliger Chefredakteur der Jugendzeitschrift Bravo, stand der Crew als Jackson-Experte beratend zur Seite. Ganze 16 Mal – und damit öfter als jeder andere Journalist – durfte Gernandt Jackson zu Lebzeiten interviewen. Er war sogar bei Videodrehs des Künstlers dabei.

Auch die Anfänge der Jackson 5 wurden im Musical gewürdigt. Foto: Jens Niering
Auch die Anfänge der Jackson 5 wurden im Musical gewürdigt. Foto: Jens Niering

Als Co-Choreograph ergänzte TV-Juror, Choreograph und Fitnessexperte Detlef Soost das Team. Insgesamt 27 Welthits wurden am Dienstagabend performt, die sich mit kurzen Dialogen, die die Karriere Jacksons nachzeichnen sollten, abwechselten. Angefangen beim Kinderstar (Koffi Missah spielte den jungen Jackson), der als Frontsänger der Familienband Jackson 5 schon früh an das Leben im Showbusiness gewohnt war und sich später als Solokünstler behauptete, bis zu seinen letzten großen Hits. Auch Songs der Jackson 5 wurden performt.

Jacksons Perfektionismus wurde belohnt

Wie ehrgeizig, fokussiert und perfektionistisch Jackson als Künstler war, blitzte während der gesamten Show immer wieder durch. Stundenlang habe Jackson früher seine Crew trainieren lassen, Choreographien wurden bis zum Abwinken wieder und wieder einstudiert. Aber nicht nur seiner Crew, sondern auch sich selbst ließ der Ausnahmekünstler kaum Ruhe. Restlos ausverkaufte Welttournees, unzählige verkaufte Platten und Werbeverträge, immer wieder neue Singles und Alben: Jacksons Anspruch war die Perfektion, und für seinen Ehrgeiz wurde er belohnt.

Beat it – Eine Musikalische Biografie

  • Tournee:

    In der ersten Spielzeit wurden neben den 71 geplanten Shows 33 Zusatz-Vorstellungen gespielt. Für die zweite, aktuelle Spielzeit sind bis April 2020 rund 60 Termine angesetzt.

  • Strecke:

    Das Ensemble hat laut Angaben des Veranstalters bereits eine Strecke von 21 000 Kilometern im Tourbus quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz hinter sich gebracht.

  • Darsteller:

    Dantanio Goodman brilliert als erwachsener Michael Jackson. Der Südafrikaner spielte auch in der „Michael Jackson History Show“, die international tourte, die Hauptrolle.

  • Teenager:

    Michael Jackson als Teenager stellt der Londoner Koffi Missah dar, der über langjährige Musical-Erfahrung verfügt. Unter anderem spielte er in „Cats“ und dem Tina Turner-Musical „Simply the Best“ mit.

Milliarden von Dollar und der Ruf als Weltstar brachten aber auch Schattenseiten mit sich: Jackson litt unter dem extremen Medienrummel um seine Person und geriet später unter Verdacht, Kinder auf seiner Ranch Neverland in Kalifornien sexuell missbraucht zu haben. Von diesen Vorwürfen wurde er jedoch freigesprochen, die Kläger hätten es nur auf Ruhm und Geld abgesehen, hieß es. Diese Vorwürfe wurden 2019 in der Dokumentation „Leaving Neverland“ nochmals neu aufgerollt. Zwei heute erwachsene Männer kommen darin zu Wort und behaupten, von Jackson missbraucht worden zu sein.

Bewiesen werden konnten diese Vorwürfe nie, Jackson plädierte immer auf unschuldig und wurde aufgrund mangelnder Beweise und Unglaubwürdigkeit der vermeintlichen Opfer mehrmals freigesprochen. Vorwürfe, die im Musical natürlich nicht thematisiert werden, bei den Zuschauern aber im Hinterkopf präsent sind.

Privatleben bleibt ein Thema

Die Produktionsfirma äußert sich im Programmheft nur indirekt zu diesen Anschuldigungen: „Beinahe lassen die haarsträubenden Schlagzeilen über sein Privatleben seine Musik in den Hintergrund treten“, heißt es da, Jackson sei viel zu spät als der große Humanist erkannt worden, der die Welt für alle Menschen schöner und lebenswerter machen wollte.

27 Welthits des Megastars wurden in zwei Akten in insgesamt zweieinhalb Stunden lang in Regensburg performt, darunter natürlich die Klassiker „Thriller“, „Bad“, „Beat it“, „Black or White“ und der „Earth Song“. Seine perfekte Imitation bewies Jackson-Darsteller Goodman dann erneut als er – natürlich mit Glitzerhandschuh und schwarzem Hut ausgestattet – den legendären Moonwalk zu „Billie Jean“ zum Besten gab, sehr zur Freude seines Publikums, das sich nun kaum mehr auf den Stühlen halten wollte. Die Konzertatmosphäre führte immer wieder in Versuchung, die Sitzplätze zu verlassen und vor die Bühne zu stürmen, um mitzutanzen. Eine Zuschauerin war sogar in Michael-Jackson-Kostüm erschienen.

Michael Jackson war gleichermaßen geachteter Sänger und sagenumwobener Weltstar. Auch nach seinem Tod bewegt er noch immer die Gemüter von Fans, Kritikern und Medien. Trotz aller gegen ihn erhobenen Vorwürfe, zu denen sich Jackson seit elf Jahren nicht mehr selbst äußern kann, bleibt sein musikalisches Schaffen bis zum heutigen Tag beispiellos. Er sorgt noch immer für unvergessene musikalische Erinnerungen und bleibt auch Jahre nach seinem Tod ein Magnet für seine Fans.

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