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Ausstellung

Der Meister und seine bunten Superfrauen

Wunderbar: Zhao Bins „Come back“ mit erweiterter Pop-Art in Regensburg. Das Sexuelle und die Politik kommen hier zusammen.
Von Helmut Hein, MZ

Zhao Bin vor einem seiner Gemälde, ohne Titel
Zhao Bin vor einem seiner Gemälde, ohne Titel Foto: altrofoto.de

Regensburg.In Siri Hustvedts großartig „gleißender Welt“, diesem äußerst aufschlussreichen Roman über die Fallen des Kunstmarkts, drängt sich Harriet Burden der Verdacht auf, als Frau nicht wahrgenommen zu werden. Schließlich setzt sie sich nacheinander drei Männer-Masken auf und reüssiert. Die letzte Ausstellung ihrer wichtigsten Maske Rune vor der Zusammenarbeit mit Harry, wie sie schon ihre Eltern nannten, hieß: „Die Banalität des Glamours“.

Bei Zhao Bin ist nichts banal, obwohl auch er virtuos mit Oberflächen spielt. Zhao Bin ist ein präziser Beobachter: nicht nur der „wirklichen“ Welt, sondern auch unserer Imaginationen und der medialen Bilder, die sie überlagern. Pop Art hat ihn immer fasziniert, aber natürlich geht er in seiner Malerei über Warhol, Lichtenstein und Co. weit hinaus. Denn bei ihm sind selbst weite Flächen nicht monoton-monochrom, sondern subtil strukturiert. Er interessiert sich für die Textur der Haut, des Fleischs, die er täuschend zu imitieren vermag. Das ist bei dieser Ausstellung in der Galerie Dr. Erdel, die er innig ironisch „Come back“ nennt, besonders wichtig. Denn die prallen Superfrauen, die er vorwiegend zeigt, sind meist nur sehr spärlich bekleidet.

Die Werbewelt macht sichtbar, indem sie übertreibt

Zhao Bin ist – das übersieht man leicht, weil sich seine Themen und Motive so sehr aufdrängen – vor allem ein obsessiver Maler, der seriell an der Vervollkommnung seiner Kunst arbeitet. Jede Variante dient der Ausdifferenzierung, bietet eine weitere Facette. Der Grund seiner Malerei ist eine Erfahrung, die er gemacht hat. Während die meisten Menschen ihre Erfahrungen eher verwischen, um mit ihnen halbwegs zurechtzukommen, spitzt sie Zhao Bin entschieden zu. Er nimmt das, was ihm widerfährt, gewissermaßen wörtlich. Was ihm begegnet, ist aber nicht nur der unmittelbare, „analoge“ Alltag, sondern es sind vor allem virtuelle Bilder, Icons, Zeichen, die ohnehin eine Tendenz haben, sich vor- und aufzudrängen.

Das Netz und die Mode- und Werbewelt, die in ihm ihren natürlichen Ort finden, wissen am besten, was weiblich und was männlich ist. Sie machen sichtbar, indem sie übertreiben. Was sonst nur Realität ist, wird hier zum Reiz, auf den wir reagieren müssen.

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Zhao Bins neue Arbeiten bevölkern Superfrauen, die fast nur aus überoptimalen Auslösern zu bestehen scheinen (Münder! Brüste! Hintern! Schenkel!) und Männer, die neben ihnen winzig erscheinen, selbst wenn sie stolz ihre Muckis präsentieren, wie der in ein Bild montierte Obama mit seinem Push-up-Bizeps, der weiter keine Beachtung findet.

Bei Zhao Bin kommt alles zusammen, das Sexuelle und die Politik, die weite Natur und die zahlreichen Accessoires der Zivilisation. Alles koexistiert irgendwie, auch wenn man nicht so genau weiß, wie es zusammenpassen könnte. Und immer wieder erscheint auch „Master Bin“ auf der Leinwand, als verstohlener Beobachter seiner Visionen, der freilich sein Gesicht und seine Identität zu großen Teilen verliert, wenn er es mit der Bildproduktion zu sehr übertreibt. Jedes Selfie bringt uns zum Verschwinden. Das Smartphone beherrscht dann endgültig die Szene.

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