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Kirche

Der „Messiah“ war eine solide Leistung

Die Chorphilharmonie Regensburg führte Händels Oratorium auf: mit überzeugenden Solisten, aber einem trägen Klangapparat.
Von Andreas Meixner, MZ

Blick in die Regensburger Kirche Herz Jesu, bei der „Messiah“-Aufführung
Blick in die Regensburger Kirche Herz Jesu, bei der „Messiah“-Aufführung Foto: Meixner

Regensburg.Georg Friedrich Händel verstand seinen „Messiah“ mit den drei Teilen der christlichen Heilsgeschichte – Geburt, Tod am Kreuz und Hoffnung auf Wiederkehr – immer als Einheit, auch wenn er das Werk über die Jahre immer wieder leicht veränderte oder modifizierte. Ab 1750 dirigierte Händel das so berühmt gewordene Oratorium regelmäßig in der Fasten- und Osterzeit als Abschluss seiner Oratoriensaison in London. Das Konzert der Chorphilharmonie Regensburg am Palmsonntag stand also in bester Tradition und erfreute in der Herz Jesu Kirche in Regensburg mit der kompletten Aufführung des Werks – ohne die üblich gewordenen Kürzungen.

Mit zweieinhalb Stunden Aufführungsdauer waren die Konzentration der Sänger und Instrumentalisten und die des Publikums gleichermaßen gefordert. Horst Frohn verließ sich auf bewährte Gesangssolisten, die ihre Partien auf unterschiedlichste Weise bestritten. Juan Carlos Falcón stellte sich souverän seiner schwierigen Tenorpartie, wenngleich mit wenig Strahlkraft in der Höhe. Seine Leistung steigerte sich im Verlauf des Oratoriums, ebenso wie die des profunden Bassisten Hidenori Komatsu, der zwar bei Koloraturen in den Arien nicht ganz überzeugte, allerdings mit großem Gestaltungswillen und seinem feinen Pianissimo große Momente in dem Konzert zaubern konnte. Mitreißend waren die stilsicheren, beherzten und technisch einwandfreien Darbietungen von Doris Döllinger (Sopran) und Kaori Shiromori (Alt), die in dem Duett „He shall feed His flock like a shepherd“ einen von vielen Höhepunkten fanden.

Wenig Transparenz

Der barocke Gestus des Solistenquartetts übertrug sich jedoch nicht auf die Gesamtaufführung. Horst Frohn wählte gemäßigte Tempi und eine insgesamt breit angelegte, fast romantische Interpretation, die wenig Transparenz und musikalische Miniaturen zuließ. Nur selten durfte das routiniert agierende Orchester filigraner und im Ausdruck zwingender werden. Das galt auch für die Chorphilharmonie, die das Werk bestens einstudiert hatte und ihrer Aufgabe mit hoher Klangkultur und Textverständlichkeit, sowie einem kraftvollem Forte nachkam. Von einer Konditionsschwäche war bis zum Ende keine Spur. Allerdings reagierte der große Klangapparat stets träge und musste mit einem engagierten Dirigat immer wieder mühevoll zur Pünktlichkeit gemahnt werden. Zusammen mit Trompeten und Pauken wirkte der Gesamtklang dann lediglich feierlich, aber nicht barock-festlich.

Da war es angesichts der immensen Leistung und hohen Gesamtniveaus ein wenig bedauerlich, dass es nicht zu mehr als einer soliden und anerkennenswerten Aufführung reichte. Der großen Begeisterung des Publikums zum Schluss tat dies jedoch keinen Abbruch: Die Zuhörer applaudierten lange und begeistert.

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