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Musik

Der Prophet Elias in Bestform

Der Cantemus Chor präsentiert das Oratorium als spannendes und kraftvolles Drama. Solist Thomas Laske ist ein Ereignis.
Von Andreas Meixner

Der Cantemus Chor führte zusammen mit den Solisten Jutta Böhnert, Rebecca Martin, Juan Carlos Falcon und Thomas Laske sowie Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Regensburg das Elias-Oratorium in der Emmeramskirche auf. Foto: Gerhard W. H. Schmidt
Der Cantemus Chor führte zusammen mit den Solisten Jutta Böhnert, Rebecca Martin, Juan Carlos Falcon und Thomas Laske sowie Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Regensburg das Elias-Oratorium in der Emmeramskirche auf. Foto: Gerhard W. H. Schmidt

Regensburg.Wie viele Propheten im Alten Testament hat es auch Elias nicht ganz so leicht bei der Verbreitung seiner monotheistischen Weltanschauung. Vielgötterei und der Baals-kult sind mächtige Gegner, da braucht es starke Nerven und einen Gott an der Seite, der für die nötigen Zeichen und Wunder sorgt. Die Elias-Erzählung im 1. Buch der Könige (1 Kön 19,11–13 EU) inspirierte Felix Mendelssohn Bartholdy 1837 zu seinem Oratorium, es sollten jedoch fast weitere zehn Jahre vergehen, bis es in Birmingham im Jahre 1846 seine gefeierte Premiere in einer Erstfassung feiern durfte.

Die Besetzung ist üppigst: Allein im Orchester sitzen hinter den Streichern zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen sowie eine Basstuba. Hinzu gesellt sich ein großer Chor und acht Solopartien. Kein Wunder also, dass bei der Aufführung des Cantemus Chores unter der Leitung von Matthias Schlier am Samstagabend der Altarraum der Regensburger Emmeramskirche in seiner gesamten Tiefe gebraucht wurde, um alle Instrumentalisten und Sänger unterzubekommen. Die Aufstellung hat ihre Tücken, Bläser und Chor sind weit weg von den Solisten und dem Dirigat, rhythmische Verwerfungen drohen.

Mehrdimensionale Klangräume

Das Gegenteil passierte. Matthias Schlier entgegnete dieser Gefahr mit einer groß angelegten und klaren Zeichengebung, die den gesamten Klangapparat über die zweistündige Aufführungsdauer hinweg gut zusammenhielt. Vielmehr hatte die tiefe Aufstellung auch ihren Reiz, es bildeten sich mehrdimensionale Klangräume mit Fernwirkung, die besonders bei den Holz- und Blechbläsern gefielen. Im Gesamteindruck förderte dieses Handicap sogar die Dramaturgie, fast szenisch mutete das Zusammenwirken von Solisten, Chor und Instrumentalisten an, unter dem goldschimmernden Barocktheater der alten Basilika St. Emmeram.

Und da ist Thomas Laske in der Rolle des Elias. Er ist ein Ereignis, weil sich in seiner Sangeskunst vieles vereint, was ihn zu Recht als Idealbesetzung des Propheten adelt. Er paart seine schlank geführte, noble Bassstimme nicht nur mit einer eleganten Technik, sondern verleiht durch seine körperliche Präsenz und Haltung der Rolle die emotionale, zornige Intensität im gleichen Maße wie Zerrissenheit und Verzweiflung, mal in fast barocker Anmutung, dann wieder in tiefster lyrischer Beseeltheit. Er ist Motor des Dramas, setzt gekonnt die Anschlüsse, die Schlier nur noch aufnehmen muss.

Und das Feuer setzt sich im Cantemus Chor fort, das Gefecht zwischen dem uneinsichtigen Volk und dem Propheten wird zum plastischen, mächtigen Schlagabtausch, der selten klanglich grob wird. Und selbst wenn? Wem ist es zu verdenken, in dieser Chorpartie nicht auch mal völlig vom Klangrausch mitgerissen zu werden.

Fein geführter Sopran

Die anderen Solisten hatten es naturgemäß schwerer, sich gegen die übermächtige Rolle des Elias zu profilieren, aber sie taten das überzeugend und in bestmöglicher Manier. Jutta Maria Böhnert setzte sich mit ihrem fein geführten Sopran am deutlichsten ab, Juan-Carlos Falcon fehlte es als Tenor an diesem Abend gewiss nicht an Musikalität und Sensibilität, wohl aber an Strahlkraft in der hohen Lage.

Unter den kalten Bedingungen hatte die Altistin Rebecca Martin mit einigen Intonationstrübungen zu kämpfen, bestach aber andererseits mit gekonnter Ausgestaltung ihrer Partie. Und Stephanie Bogendörfer und Esther Baar bereicherten zudem in kleinen Rollen das Solistenensemble.

Gepaart mit einer überzeugenden und konzentrierten Leistung der Mitglieder des Philharmonischen Orchesters gelang eine kurzweilige und spannende Elias-Aufführung, die nicht an ihrer schieren Wucht und Größe erstickte. Und das ist allein schon bemerkenswert.

Das Oratorium

  • Hetze:

    Mendelssohn Bartholdys Werk wurde immer wieder Opfer antijüdischer Hetze, ausgehend von Richard Wagners Pamphlet „Das Judenthum in der Musik“.

  • Gegenwart:

    Heute ist es eines der beliebtesten und häufigst aufgeführten Oratorien der Romantik.

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