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Ausstellung

Der Reiz des Überraschenden

Außergewöhnliche Fotos von Janine Simone Kulcsar und Agnieszka Jaworek sind im Kunstverein Graz in Regensburg zu sehen.
Von Gabriele Mayer

Zwei Künstlerinnen mit ungewöhnlichem Blickwinkel Foto: Albert Plank
Zwei Künstlerinnen mit ungewöhnlichem Blickwinkel Foto: Albert Plank

Regensburg.Verlockende, unheimliche Fotografien zeigt Janina Simone Kulcsar aus Konstanz im Regensburger Kunstverein Graz. Als wäre das zu Sehende nicht wirklich. Das ist ein Konzept, um die Welt anders als sonst wahrzunehmen. Um ästhetische Anschauung, um Gefühlserfahrung geht es hier. Entscheidend ist, dass sie ihre Fotos nicht digital bearbeitet. Was sich als so ungewöhnlich darstellt, rührt allein von der Art der Ablichtung her. Als wären es vergrößerte Haare oder gar Grafiken, so wirken diese zerstückten Schwarz-Weiß-Strukturen.

Abgedunkelter Zauber

Dieser „Aufruhr“, sagt die Künstlerin, sei aber ein Wald, fotografiert mit langer Belichtungszeit und sich bewegender Kamera. Und diese düsteren, abgedunkelten Zauber-Urformen, das sind Pflanzen durch eine Glaswand fotografiert. Daneben: eine Reihe von Bildern, hell, fast durchsichtig, aber mit schwarzen Ecken, Kanten und großen Kreisen. Der Betrachter sucht in seinen eigenen Erinnerungen, versucht Assoziationen zusammenzwingen. Welche Wirklichkeit ist es, die sich ästhetisch so reizvoll vor uns verschließt, dass es interessant wirkt? Nicht nur der Überraschungseffekt, wenn man hört, dass es Angelhaken in Plastikfolie sind, zählt bei diesen Fotos. Es bleibt ein unabhängiger Reiz bestehen. Dass ein Geheimnis in den Dingen der Welt liegt, wenn man es nur richtig anstellt. Davon erhält man eine Ahnung. Eine Ahnung, denn verschleiert und fremd erscheint auch alles, was Janine Simone Kulcsar zeigt.

Wie abstrakte Gemälde

Dass die Fotos bisweilen wie abstrakte Gemälde aussehen, ist ein anderer Aspekt. Der Piktoralismus in der Fotografie hat von Anfang an die „Löschung“ des erkennbaren gegenständlichen Abbildes gesucht, um die Fotografie als Medium der Kunst zu etablieren. Kulcsar steht in dieser Tradition, die sich gegen die schlichte Ablichtung richtet und gegen den quasi mechanischen Fotorealismus und gegen die klischeehafte Inflation der Bilder. Sie durchdringe die Welt mit Licht und gehe ihr auf den Grund, sagt die Fotografin. Aber sie schiebt Filter, zum Beispiel Plastik oder Stoff vor das Auge der Kamera und vor die Wirklichkeit, so dass die Fotos undeutlich wirken. Man könnte allerdings auch sagen, diese Filter wirken wie eine Membran, sie heben die Trennung zwischen den festen Instanzen Subjekt und Objekt gerade auf.

Eine zweite Künstlerin dieser Ausstellung ist Agnieszka Jaworek aus Polen. Ihre kleinen, produktiv verfremdeten Fotos hält man für Aufnahmen von Himmelskörpern, es sind aber Fotos von Graphit. Graphit hat sie auch für ihre zwei großen, abstrakten, mit den Händen gemalten Bilder benutzt.

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