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Kunst

Der Schamane in seiner Zauberwelt

Helmut May zeigt seine Werke im neuen Schaulager Dr. Erdel.
Von Claudia Böckel

Helmut May mit zwei Bildern, die bis 21. Dezember im neuen Schaulager zu sehen sind.  Foto: Claudia Böckel
Helmut May mit zwei Bildern, die bis 21. Dezember im neuen Schaulager zu sehen sind. Foto: Claudia Böckel

Regensburg.Die Stadt hat einen Maler mit Hut. Er wohnt am Sallerner Berg, mit zwei Katzen, die er verehrt, wie die alten Ägypter das taten. Und natürlich tauchen in den hyperrealistischen Arbeiten von Helmut May immer wieder Tiere auf, der Leguan auf dem Vulkan in „Feuerland“, das rothaarige Äffchen in „Verheißung“. Die Fledermaus, die die Petroleumlampe aus Messing, Kupfer und Glas anpeilt, ist auf „Nächtlicher Jagd“ nach den Faltern, die das Licht umschwirren.

Es gibt viel zu sehen auf Mays Bildern, viele Details, die man erst mit der Zeit entdeckt. Der studierte Grafiker und Illustrator grundiert seine Arbeiten in Air-Brush-Technik und meist dunklen Tönen, arbeitet dann darauf in Öl und Acryl. Viele Bilder tragen philosophische Titel. Die Idee sei zuerst da, erzählt er, danach suche er die Details, gerne auch mal in Magazinen.

Der herabhängende trocknende Schinken in der „Französischen Küche“ stamme aus einem Kochrezept, verrät er. Es sind meist sympathische Bildwelten, in die May den Betrachter entführt, allerdings mit Untertönen. Fröhliche Farbigkeit in der Kombination mit Alltagsgegenständen und technischem Gerät: Das ist seine Zauberwelt. Als Schamane fühle er sich manchmal, als Zauberer, als ein Heiler seiner selbst, der aber auch vor Vanitassymbolen nicht zurückschreckt.

Eine große Waage aus Holz und Messing hat er vom Nachbarn ausgeliehen und akribisch dargestellt, mit zwei Blüten und einem skelettierten kleinen Tierschädel. Der liegt oben auf der Waage, die trotzdem auf null steht. Der Tod wiege nichts, sagt May dazu. Mit manchen Bildern zeigt er auch sein Inneres. Wenn er die Büchse der Pandora öffnet, kann schon sein, dass auch mal Verbotenes, Geheimes, Chaotisches sich zeigt wie das „Gewitter im Kopf“, ein kleinteiliges Gewirr von Irgendwas, das aus einem Zentrum heraus explodiert. „Tanz“ von 2003 ist eine ebensolche abstrakte Studie, auf hellblauem Grund. Skurriles wie einen Krebs mit bunten Nägeln und Lippenstift gibt es ebenso wie Mays Vision vom „High Life“ der High Society: Man schlürft seinen Champagner aus knallroten Highheels.

Die neuen Räume des Schaulagers der Galerie Dr. Erdel nicht weit vom Fischmarkt bieten angemessenen Platz für diese Arbeiten. Das ist auch das Konzept für diesen zweiten Ausstellungsraum der Galerie. Junge Künstler, kleine Formate, Kunst abseits des Mainstreams, druckgrafische Arbeiten und Zeichnungen, Neuvorstellungen soll es hier geben. Ein Experimentierfeld für die Künstler soll es sein und eine Wunderkammer für die Kunstliebhaber. Die Ausstellungsdauer ist auf vier Wochen begrenzt. Die „Zauberwelt“ Helmut Mays wird bis zum 21. Dezember dort zu finden sein.

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