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Erinnerungen

Der Schlauberger mit seinem Zaubertrank

Deutschsprachige Comicautoren und -zeichner verraten der MZ, welche Bedeutung die Asterix-Bände für sie haben und wer ihre Lieblingsfigur ist.

  • Am 24. Oktober erscheint ein neuer Asterix-Band. Foto: Les Éditions Albert René
  • Am 24. Oktober erscheint ein neuer Asterix-Band. Foto: Les Éditions Albert René

Bela Sobbotke

Wie so oft, wenn es um frühkindliche Comic-Prägung geht, muss ich meinen fünf Jahre älteren Bruder erwähnen. Er hatte (und hat) die komplette Asterix-Sammlung im Regal stehen. So kam ich in den Genuss, Asterix zu „lesen“, bevor ich lesen konnte. Ich betrachtete einfach die über alle Zweifel erhabenen Zeichnungen von Uderzo und reimte mir den Rest zusammen. Mein Asterix-Lieblingsgag ist aus „Die Goldene Sichel“: Asterix und Obelix gehen in ein Gasthaus, und der Wirt fragt, ob sie ein Zimmer haben wollen. Asterix antwortet: „Ja bitte, und zwei Wildschweine!“ Obelix trottet hinterher und fügt hinzu: „Für mich auch zwei!“ Natürlich hat Goscinny bei weitem feinere Witze geschrieben, aber über diesen einen kann ich heute noch lauthals loslachen. Schön fand ich auch immer die Parodien, von professionell gemachten wie „Die hysterischen Abenteuer von Isterix“ bis zu zusammengeschnippelten Kopierheftchen wie „Asterix und das Atomkraftwerk“. 1989 hatte ich das Glück, „Falsches Spiel um Alcolix“ am Kiosk zu kaufen, bevor der als äußerst klagfreudig bekannte Uderzo dagegen gerichtlich vorging. Ein Schritt, von dem er gegen sich selbst absah, obwohl seine eigenen Asterix-Bände zuletzt genau wie fußlahme Parodien daher kamen.

Bela Sobottke ist Grafiker und Comiczeichner. Seit 2008 zeichnet er eine Reihe von Genre-Hommagen für Gringo-Comics: Nach „Knochen-Jochen“ (Serienmörder-Krimi) und „König Kobra“ (Endzeit) erschien zuletzt „Krepier oder stirb“ (Western). Ein neuer Band ist für 2014 geplant. Außerdem ist er zur Zeit mit deftigen Kurzgeschichten im Comic-Magazin U-COMIX vertreten. Mehr zu Sobottkes Arbeit gibt es auf www.2werk.de

Flix

Asterix war einer der ersten Comics, den ich gelesen hatte. Meine Mutter besaß einen ganzen Stapel davon. Als ich fünf oder sechs war, habe ich sie mit Filzstiften verschönert. Das gab Ärger. Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass Comics Emotionen auslösen können. Ich mag Majestix. Das ist der Chef des Dorfes. Und niemand versucht so schön Patriarch zu sein wie er und scheitert dabei immer wieder so schräg. Die von Goscinny getexteten Bände sind brilliant. Alle. Sie funktionieren auf allen Ebenen. Die nach seinem Tod entstandenen Abenteuer wurden leider von Band zu Band schwächer. Der zuletzt erschienene Band „Gallien in Gefahr“ war dann wie ein Unfall. Grauenhaft, und trotzdem konnte nicht aufhören hinzusehen. Ich war richtig wütend auf Uderzo. Jetzt harre ich gespannt der Dinge. Wird das neue Team es schaffen, das Niveau der früheren Bände zu erreichen. Es wäre wunderschön!

Flix hatte sein Comicdebüt 1998 mit „Who the fuck is FAUST?“. Er ist der Autor von „Don Quijote“ und „Ferdinand – Der Reporterhund“. Auf seiner Website finden sich immer wieder neue Strips.

Sarah Burrini

Asterix war für mich als Kind früher sicherlich einer der Comics, weswegen ich überhaupt mit dem Zeichnen angefangen habe. Auf den allsommerlichen familiären Zugfahrten kauften mir meine Eltern regelmäßig den neuesten Band, der dann unter schallendem Gelächter zwischen den Familienmitgliedern rumgereicht wurde. Ich könnte jetzt behaupten, dass mir die vielen zeitgemäßen und historischen Anspielungen gefallen haben (was auch stimmt), aber am meisten habe ich mich weggeschmissen, wenn es die Prügelszenen gab. Ich mochte die Idee, dass jede Figur ihre offensichtlichen und manchmal sogar liebenswerten Schwächen hat. Ich war auch eher Fan von Obelix, der mit seinen übertriebenen Empfindlichkeiten die bessere Identifikationsfigur hergab.

Sarah Burrini schuf unter anderem den Comicstrip „Das Leben ist kein Ponyhof“. Die neusten Folgen gibt es hier.

Reinhard Kleist

Ich hab die Asterix Bände als Kind immer zweimal gelesen. Einmal in einem Rutsch für die Handlung. Dann noch mal ganz langsam um mir jedes Bild noch mal genauer anzusehen. Da gab es immer so viel zu entdecken im Hintergrund (wenigstens bei den älteren Alben) und, mein Gott, konnte der Uderzo gut zeichnen! In den Bildern konnte man richtig herumlaufen, die Orgie in „Asterix bei den Schweizern“ hat richtig Hunger gemacht und der konnte sogar Pferde zeichnen. Mich hat das schwer beeindruckt, als ich meine ersten Gehversuche als Comiczeichner unternahm. Asterix selber mochte ich nie so. Der hatte dasselbe Problem wie Mickey Maus, der war immer zu gut. Mir haben die anderen Charaktere mit ihren Macken besser gefallen. Zum Beispiel Majestix, der immer vom Schild fiel, oder Verleihnix, der immer nach Fisch roch. Die Nebenfiguren waren wesentlich unterhaltsamer als dieser Schlauberger mit seinem Zaubertrank.

Reinhard Kleist ist der Autor von „Der Boxer“. Er beschäftigte sich aber auch schon mit „Castro“, „Elivs“ Presley und Johnny „Cash“. Auf seiner Website gibt es noch viel mehr über und von ihm.

Christophe Badoux

Wie Obelix, der als kleines Kind in den Zaubertrank geplumpst ist, bin ich schon von Kind auf durch die Abenteuer der beiden Gallier nachhaltig geprägt worden. Ich müsste einen mehrseitigen Aufsatz verfassen, um all die genialen Comicmomente aufzählen zu können, die mir Goscinny und Uderzo geschenkt haben. Wahllos rausgepickt: die Szenen mit Colomba, die Schwester vom korsischen Widerstandskämpfer Osolemirnix, der durchgeknallte Miraculix im Kampf der Häuptlinge, das typographische Sprachgewirr in „Asterix als Legionär“, der Steuereintreiber in „Asterix und der Kupferkessel“.

In Christophe Badouxs Comic „Bupo Schoch: Operation Roter Zipfel“ erfahren wir, wer die wahren Herrscher der Schweiz sind, nämlich Gartenzwerge. Seine Künstlerbiografie “Klee” über Paul Klee ist ein Kunstwerk für sich. Und auf dem Blog Stan the Hooligan frönt Badoux seiner Leidenschaft Fußball.

Kati Rickenbach

Ich war in der glücklichen Lage, bereits als Kind viel und ausführlich Comics lesen zu dürfen, was damals unter meinen Schulkollegen übrigens ganz und gar nicht üblich war. Somit kannte ich Asterix über weite Teile auswendig, denn ich liebte diese Welt mit ihren knorrigen Gestalten, den opulenten römischen Bauten, den abenteuerlichen Reisen und den liebevollen Charakteren, die etwas sehr Vertrautes haben (auch weil sich gewisse Rituale wiederholen, wie dass Troubadix, der verkannte Barde, am Schluss an einen Baum gefesselt wird). Dieses Wissen war mir später sehr nützlich, bei meinem ersten Schülerjob als Aushilfe im Comix-Shop in Basel. Da kam eine Frau in den Laden gestürmt, eine Tasse in der Hand, worauf sich eine Szene aus einem Asterix- Band abgebildet fand. Da ihr Neffe diese Tasse über alles liebte, wollte die Frau ihm den dazugehörigen Band schenken. Nachdem ihr niemand weiterhelfen konnte und alle bereits wie wild durch die Asterix-Bücher blätterten, gelang es mir, einen Blick auf die Tasche zu erhaschen. Danach war der Fall klar: „Die große Überfahrt“!

„Filmriss“ heißt das überzeugende Comicalbumdebüt der Schweizerin Kati Rickenbach. In der Grafic Novel „Jetzt kommt später“ arbeitet Rickenbach zwei Hamburg-Aufenthalte auf. Als Geheimtipp für Comicfans gelten Rickenbachs Live-Zeichenabende. Auf ihrer Website veröffentlicht sie unter anderm ihre Tagebuchgeschichten.

Calle Claus

Asterix habe ich verschlungen, seit ich ein kleiner Junge war. Eine Nachbarin meiner Eltern hatte alle Bände, und ich durfte sie mir nach und nach ausleihen. Den kleinen Mikrokosmos des gallischen Dorfes liebte ich über alles. Uderzos Zeichnungen fand ich schon als Kind grandios. Ich habe oft versucht, sie zu kopieren. Im Zusammenspiel mit den Storys des absolut unerreichten René Goscinny ergab das eine der besten Comicreihen, die ich kannte. Meine Lieblingsfigur war Miraculix. Der war immer so bescheiden und zurückgenommen, obwohl ohne seine Zauberkräfte ja rein gar nichts gelaufen wäre. Seit Goscinnys Tod hat die Serie allerdings einen schlechten Kurs genommen. So einen Ausnahmekünstler kann man einfach nicht ersetzen. Ich habe spätestens seit „Der Sohn des Asterix“ aufgehört, mich für Asterix‘ neue Abenteuer zu interessieren. Den letzten Band (irgendwas mit Außerirdischen?) habe ich im Laden nur einmal kurz auf- und dann gleich wieder zugeklappt. Es war einfach zu gruselig, den Niedergang dieser tollen Comicserie vor Augen zu haben.

In „Das Bildnis einer jungen Dame“ lässt Calle Claus einen ehemaligen Museumswärter die kuriose Geschichte berichten, wie er sich in das von dem Renaissance-Maler Petrus Christus gemalte Portrait einer Frau verliebt. 2012 erschien Claus’ bislang umfangreichste Comicgeschichte „White Line“. Mehr über ihn findet sich hier.

Ulrich Scheel

Zu den wenigen Comicbüchern, die ich hatte, gehörten einige Asterixe, neben ein paar Clever & Smart und U-Comix-Hefte. Das wars. Es war DDR, da ist nur wenig über die Mauer gekommen. Ich fand Asterix natürlich super, das war Action, Spaß und der Zaubertrank, den man sich immer selbst so sehr wünschte. Ich weiß auch noch, dass ich Asterix und Obelix wie besessen aus meinen Büchern abgezeichnet habe, solange bis sie vom Original nicht mehr zu unterscheiden waren (so glaubte ich zumindest als 11-Jähriger). Ich habe sogar Auftragsarbeiten von meinen Kumpels angenommen, die einen Miraculix für ihr Schulheft oder die Zimmerwand haben wollten. Ich erinnere mich, dass die Asterix-Filme wider Erwarten in den DDR-Kinos liefen, vom Römischen Reich konnte man wohl politisch nicht allzu sehr verdorben werden. Natürlich waren die Filme noch mal cooler als die Bücher und wenn sie liefen, war das ein Riesenereignis. Heute interessiert mich Asterix überhaupt nicht mehr. Es gibt jetzt andere Arten von Comics, die viel spannender sind. Allerdings amüsiere ich mich immer noch darüber, wie die bescheuerten Römer aufgemischt werden, das ist einfach göttlich. Und ich mag die Stelle, wo sich der tolpatschige Obelix in die schöne Falbala verliebt – das sind doch Geschichten, die das Leben schreibt

Ulrich Scheel illustriert Magazine, entwickelt Verpackungen und arbeitet als Live-Zeichner. Berühmtheit als Comicautor erlangte er mit seiner ersten Graphic Novel „Die sechs Schüsse von Philadelphia“. Auf seiner Website stellt er sich vor.

Ulf K.

Da mein Vater Asterix gelesen und gesammelt hat, stellt diese Serie meinen ersten Kontakt zu Comics dar. Ich habe die Alben gelesen, noch bevor ich lesen konnte. Auch sehr frühe Zeichnungen von mir, zeigen den Einfluss. Allerdings ließ dieser und auch das Interesse an der Reihe irgendwann nach. Andere Comics wurden wichtiger. Da jedoch meine Söhne ihrerseits nun immer wieder in den alten Heften lesen (der eine könnend, der andere noch nicht), habe ich mir auch mal wieder den einen oder anderen Band vorgenommen. Dabei musste ich feststellen, dass die alten Geschichten durchaus noch immer ihren Reiz haben. Es ist natürlich der Humor von Goscinny, der die Geschichten ausmacht. Eine Lieblingsfigur habe ich nicht. Es sind oft die Nebenfiguren, die das Vergnügen hochhalten.

Ulf K. schuf für verliebte Melancholiker das Bilderbuch „Sternennächte“ schuf und das wunderbare Kinderbuch „Der kleine Herr Paul“, das in Zusammenarbeit mit Martin Baltscheit entstand. Sehr berührend ist auch der Ohne-Worte-Comic „Floralia“. Auf seinem Mondgucker-Blog gibt es noch mehr feine Comics von Ulf K.

Mawil

Die comics waren früher schon cool. Vor allem ist faszinierend, dass sie für Jung (Kloppereien) und Alt (politische Anspielungen) funktionierten und zeitlose Klassiker sind, weil sie so voller liebevoller Details stecken, dass man sie sich immer wieder angucken kann. Leider hat die Reihe schrecklich abgebaut nach dem Tod von Goscinny. Uderzo hätte aufhören sollen, weil er ist zwar ein dufter Zeichner, aber kein Erzähler. Von daher hab ich die letzten Bände alle ignoriert. Das neue Team kann es eigentlich nur besser machen.

Mawil ist der Autor von „Action Sorgenkind“, „Wir können ja Freunde bleiben“ und anderen Comics - und er zeichnet alle vier Wochen einen Sonntags-Strip für den Tagesspiegel. Seine Website findet sich hier.

Sascha Hommer

Mit Asterix und Obelix bin ich aufgewachsen, ich habe mit den klassischen Geschichten lesen gelernt. Asterix war für mich als Kind wie ein Vorbild, mit dem die Identifikation leicht fällt. Er ist klein (wie ein Kind), aber stark (durch den Zaubertrank). Gleichzeitig aber ist er, im Gegensatz zu Obelix, intelligent und sozial. Für ihn steht die Dorfgemeinschaft im Vordergrund, der Kampf gegen die römische Besatzung bestimmt das Leben, persönliche Interessen dagegen treten in den Hintergrund. In den besten Bänden wird die Lektüre für Kinder und Jugendliche, so zumindest habe ich es erlebt, zu einem wirklichen Bildungserlebnis. Heute ist man wieder dabei, anspruchsvolle Comic-Stoffe für Kinder und Jugendliche zu entdecken. Die neuen Bände der Asterix-Reihe gehören für mich nicht dazu aufgrund der seit René Goscinnys Tod gesunkenen Qualität der Szenarios. Über das neue Team weiß ich wenig, so dass ich nicht beurteilen kann, ob der Neustart eine Besserung bedeutet. Es ist für mich denkbar, dass die hohe Qualität der frühen Bände gebunden ist an die historischen Zeit ihrer Entstehung, ein „Update“ also aus strukturellen Gründen nicht funktionieren kann. Denn aus Sicht der erwachsenen Leser war „Asterix und Obelix“ auch eine Erzählung über die politische Kultur der 1960er und 1970er Jahre, über eine heute fast restlos verschwundene, emanzipatorische Gegenkultur.

Sascha Hommer ist der Autor von „Vier Augen“ und „Dri Chinisin“. Auf seiner Website kann man sich einen Eindruck von seiner Arbeit machen.

Olivia Vieweg

Ich hab die Asterix-Comics nie gelesen sondern immer die Filme geschaut. Besonders herausragend humorvoll finde ich „Asterix erobert Rom“, der ist wirklich genial! Sollte mich vielleicht animieren den Comic dazu auch mal zu lesen!

Oilivia Vieweg hat schon dutzende Manga-Geschichten gezeichnet. Sie hat die Texte der deutschen Folk-Metal-Rockband „Subway to Sally“ in Bildgeschichten umgesetzt und eine erfolgreiche Katzen-Cartoon-Serie (Warum Katzen besser sind als Männer) gestartet. Derzeit realisiert sie die Graphic Novel “Antoinette kehrt zurück”. Mehr auf ihrer Website.

Andreas Eikenroth

Ich bin gespannt auf den neuen Band, da er von einem neuen Team gezeichnet wird und für meinen Geschmack die letzten Bände, die Goscinny alleine zeichnete, nicht so überzeugend waren. Da es damals außer Asterix, Fix und Foxy und Micky Maus nicht so arg viel gab, denke ich, sind die frühen Bände alle im kollektiven Bewusstsein – auf jeden Fall für Leute, die Comics mögen oder zeichnen. Aber als Schüler fand ich Asterix vorübergehend doof, denn es war der einzige Comic, den Lehrer toll fanden und empfahlen („Da lernt man auch was dabei, alle anderen Comics sind Schund“) Da kam mir der Gallier natürlich wie ein Streber vor. Meine Lieblingsfigur war wohl Miraculix. Hätte ich betimmt gern als Opa gehabt, inclusive Zaubertrank.

Andreas Eikenroth ist der Autor von „Die Schönheit des Scheiterns“ und er schuf „100 Meisterwerke der Weltliteratur“ – ohne Worte und auf eine Seite zusammengefasst. Mehr von ihm gibt es hier.

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