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Indie-Folk

Der schwarze Mann Bonnie „Prince“ Billy

Will Oldham veröffentlicht endlich die lang ersehnten neuen Songs. „I Made a Place“ heißt sein Album.
Von Helmut Hein

  • Immer wieder ein anderer: Bonnie „Prince“ Billy Foto: Christian Hansen
  • Oldham ist vor allem ein exzellenter, chamäleonhafter Singer/Songwriter und als solcher ein düsterer Existenzialist. Foto Christian Hansen

Louisville.Seit einem Vierteljahrhundert ist Will Oldham weitgehend unbestritten die Indie-Ikone Nummer eins – zudem ein Mann der vielen Masken und permanenten Verwandlungen, überdies ein Meister des Zitats und der sinnreichen Anspielungen. Anfangs trat er noch unter seinem eigenen Namen auf, dann in den 1990ern unter dem Logo „Palace“ und seinen Filiationen: als „Palace Music“, „Palace Songs“ oder „Palace Brothers“.

Seit langem aber ist er jetzt schon Bonnie „Prince“ Billy und sonst (scheinbar) nichts. Er selbst erklärt das so: In einem Namen stecke immer auch eine Identitätsbehauptung; das Publikum erwarte dann zurecht immer dasselbe – das er aber nicht liefern könne und wolle, weil er mit jedem neuen Album und jeder Tournee lustvoll ein anderer werde. Und warum dann jetzt schon so lange Bonnie „Prince“ Billy? Dieser Name sei so vieldeutig, enthalte so viele Referenzen, dass man es mit ihm längere Zeit aushalten könne. Die naheliegendste Vermutung freilich lautet, dass sich Will Oldham mit seinem nom de guerre auf den mythischen Outlaw Billy the Kid beziehe, der bürgerlich bekanntlich William Bonney hieß.

Das Album „I Made a Place“ von Bonnie „Prince“ Billy ist bei Domino Records (Goodtogo) erschienen. Die CD kostet ca. 13 Euro, der Download ca. 10 Euro und Vinyl ca. 21 Euro.
Das Album „I Made a Place“ von Bonnie „Prince“ Billy ist bei Domino Records (Goodtogo) erschienen. Die CD kostet ca. 13 Euro, der Download ca. 10 Euro und Vinyl ca. 21 Euro.

Auf seinem neuen Album „I Have Made a Place“, dem ersten „echten“ seit vielen Jahren – denn Oldham nimmt ja liebend gern alte Songs in immer neuen Gewändern wieder auf –, trägt er gewissermaßen einen Cowboy-Hut, ohne dass er deshalb so ohne weiteres diesem Genre zuzuordnen wäre, nicht einmal dem des Outlaw-Country à la Willie Nelson. Will Oldham ist einfach ein äußerst gewitzter Zweit- und Dritt-Verwerter vertrauter Genres und Stile samt der Sentiments, die an ihnen haften. Aber er tut das so eigensinnig, dass dabei ein unverwechselbares Oldham-Universum entsteht, in dem vieles und viele Platz haben. Denn er mag Kooperationen, vom Talking Head David Byrne bis zu Björk. Mit den Mitgliedern des Noise-Kammer-Pop-Ensembles Tortoise teilte er einst sogar Tisch und Bett.

Warten auf neue Songs hat ein Ende

  • Bonnie „Prince“ Billy

    hat in den letzten fünf Jahren v. a. Coversongs und Kollaborationen veröffentlicht. Das letzte Album mit neuen Bonnie-Songs hieß „Wolfroy Goes to Town“ und erschien 2011.

  • I Made a Place

    ist bei Domino (Goodtogo) erschienen; die CD kostet ca. 13 Euro, MP3 ca. 10 Euro, Vinyl ca. 21 Euro.

Am legendärsten aber ist vermutlich sein Duett mit Johnny Cash auf dessen American-Recordings-III-Album „Solitary Man“ (2000). Cash singt da den wundervollen Will-Oldham-Song „I See a Darkness“ so brüchig-verzweifelt, dass er endgültig in die Pop-Unsterblichkeit eingeht. Oldham beschwört darin die Einschwärzung von Psyche und Bewusstsein – nicht nur, aber nicht zuletzt durch die insistente Wiederholung des Titel-Refrains.

„Wenn ein unlösbares Problem auftauche, dann lege er sich einfach ein wenig hin und beginne zu träumen.“

Oldham, der von diversen Lexika so scheinbar unverträglichen Genres wie Americana, Folk, Roots, Country und Punk zugeordnet wurde, ist vor allem ein exzellenter, chamäleonhafter Singer/Songwriter und als solcher ein düsterer Existenzialist. Ein Dunkelmann freilich, der sich im Fall des Falles durchaus zu helfen weiß. In seinem neuen Song „Dream Awhile“ beschreibt er seine Vorgehensweise so: Wenn ein unlösbares Problem auftauche, dann lege er sich einfach ein wenig hin und beginne zu träumen. Dann werde es meist rasch heller und die eine oder andere Tür aus der vermuteten Ausweglosigkeit öffne sich.

Dieser Tage wird der Punk aus den Appalachen mit dem bemerkenswerten Country-Appetit, übrigens 50 – und nicht, wie ein offenbar wenig kundiger Autor in der deutschen Wikipedia behauptet, am 24. Dezember. Da ist offenbar jemand auf eine Selbst-Mystifikation hereingefallen: Will Oldham in der Maske des Erlösers.

Bonnie „Prince“ Billy: „In Good Faith“ (Official Music Video)

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