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Kultur
Freitag, 21. September 2018 28° 3

Kabarett

Der Spin-Doctor des Statt-Theaters

Arnulf Rating führt mit spitzer Zunge durch den politischen Dschungel.
von Bettina Gröber

Arnulf Rating tritt am Samstag noch einmal auf. Foto: GRÖBER
Arnulf Rating tritt am Samstag noch einmal auf. Foto: GRÖBER

Regensburg.Das traditionelle politische Kabarett lebt – Gottlob, möchte man sagen, angesichts der Irrungen und Wirrungen unserer Welt, die bisweilen nur noch mit Humor erträglich scheinen. Und so findet einer der Altgedienten und Renommierten des Genres, Arnulf Rating, auch für sein Programm „Tornado“ mehr als genug Stoff. Seit Donnerstag gastiert Rating im Statt-Theater, am Samstagabend wirbelt er verbal und in Person zum letzten Mal über die Bühne.

„Tornado“: Da erinnert man sich zum einen an „Die Drei Tornados“, denen Rating bis zu ihrer Auflösung 1990 angehörte. Reminiszenzen an das selbst ernannte „Berliner Spaßguerilla-Theater“ fehlen auch im aktuellen Programm nicht. Zum anderen ist da aber vor allem der Kabarettist selbst: Mit ebenso flinker wie scharfer Zunge nimmt er sein Publikum mit auf einen Parforceritt durch die aktuelle politische und gesellschaftliche Landschaft. Immer dabei: Ratings großer Koffer, aus dem er die passenden Zeitungen und Schlagzeilen zu seinen eigenen Ausführungen zaubert. Kabarett als ernste und ernsthafte Angelegenheit: Information, gerade in Zeiten grassierender Fake News, schafft Wissen – und damit die Basis für Kritik im mal satirischen, mal ironisch-sarkastischen, mal schlichtweg witzigen Gewand. Doch was darf man angesichts der Meldungsfluten via Facebook, Twitter und Co. noch als wahr und wahrhaftig ansehen? Es ist vor allem diese Frage, die Rating umtreibt.

In der Rolle des Spin-Doctors verfügt der Kabarettist über ein breites Wissen. Dieses stelle er in den Dienst der Politik – die zum Produkt wird, das an den Kunden, respektive den Wähler gebracht werden will. Und da sind die Möglichkeiten der Inszenierung und Beeinflussung groß: „Sie müssen Ereignisse schaffen, die ‚Mutti‘ gut aussehen lassen“, nennt der Politikberater eine der Optionen. Etwa ein Bild der G20-Vertreter in der neuen Elbphilharmonie, Angela Merkel im leuchtend roten Sakko inmitten dunkel gewandeter Kollegen: „Glauben Sie, so ein Foto bekommen Sie umsonst? Das müssen Sie organisieren“, klärt der Experte auf.

Treffsicher setzt Arnulf Rating derlei Pointen, aber auch in ausreichender Anzahl, um einen Abend der Unterhaltsamkeit ohne Durststrecken zu gestalten. Witze werden zu Wegweisern im politisch-gesellschaftlichen Dschungel, bieten aber auch befremdliche bis erschreckende Einsichten im Zeitalter der digitalen Informationen und Desinformation. „Wahrheit ist eine Ware“ lautet die Diagnose. Die geeignete Therapie? Da gibt sich auch Arnulf Rating ratlos. Allerdings könnte die kabarettistische „Lehrstunde“ nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken anregen.

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