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Jazz

Der Star und das beflügelte Trio

Zwei Oberpfälzer liefern mit ihrem „Hammond Eggs“-Trio und dem US-Startrompeter Randy Brecker ein mitreißendes Auftaktkonzert zur anstehenden Tour.
Von Michael Scheiner, MZ

  • Randy Brecker bei seinem Auftritt im Leeren Beutel in Regensburg Foto: Scheiner
  • US-Star Randy Brecker fühlte sich sichtlich wohl im Kreis der Musiker von Hammond Eggs und lauschte verzückt so manchem Solo, wie hier von Paulo Morello Foto: Scheiner
  • Organist Jermaine Landsberger haute unglaublich in die Tasten. Foto: Scheiner

Regensburg.Mächtig ist er geworden, starke Figur. Ein klein wenig ähnelt er dem verstorbenen, kleineren Fritz Rau, mit dem er natürlich bekannt war. Lässig schlendert Randy Brecker auf die Bühne im Leeren Beutel, die Trompete locker in der Hand. Wenn schon einmal ein richtiger Weltstar praktisch auf Tuchfühlung mit dem Publikum im Jazzclub steht, spielen nicht nur musikalische Eigenschaften eine Rolle. Wie trägt er seine Schiebermütze? Früher immer mit dem Schirm nach hinten. Was hat er an? Langweiliger schwarzer Anzug – wie die anderen drei Herren von „Hammond Eggs“ auch. Das Hammond-Trio um Jermaine Landsberger, Paulo Morello (Gitarre) alias Neli Schmidkunz und Schlagzeuger Christoph Huber stellte auf einer Tour mit dem berühmten amerikanischen Fusiontrompeter sein neues Album – „Back In The Pan“ (Zurück in die Pfanne) – vor, mit Regensburg als erster Station.

Als die Republik in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts anfing, staunend den schwarzen swingenden Sound aus Amerika zu hören, ließen sich viele US-amerikanische Musiker von hiesigen Trios begleiten, die dadurch nach und nach bekannter wurden. Später – teils bis heute – holten sich europäische Jazzmusiker Stars aus den Vereinigten Staaten, in der Hoffnung damit ihren Durchbruch zu erzielen. Bei „Hammond Eggs“ und dem großen Brecker, der zusammen mit seinem verstorbenen Bruder Michael weltweit Triumphe als „Brecker Brothers“ feierte, dagegen machte es den Eindruck einer gleichberechtigen Partnerschaft.

Unglaubliches herausgeholt

Band und Gast waren nahezu perfekt eingespielt, hörten gut aufeinander und feuerten sich mehr als einmal gegenseitig an. „Hey man!“ und „Great!“ war mehrmals nach Soli zu hören, wenn der pausierende Brecker aufmerksam Landsberger oder Morello zuhörte und immer wieder anerkennend grinste. Die beiden Oberpfälzer spielten sich sozusagen den A… ab, wuchsen praktisch über sich hinaus und holten Unglaubliches aus ihren Instrumenten heraus. Vor allem der sichtlich unter Strom stehende Pianist tobte sich auf seiner legendären B3 geradezu aus, ließ ein Feuerwerk funkelnder Ideen nach dem anderen steigen.

Brach sich die Spannung nach einem derart rasanten Notengewitter in spontanem Applaus Bahn, strahlte der hochfliegende Sonnyboy vor Freude. Was die beiden, Landsberger und der wieselflinke Morello, an musikalischem Ehrgeiz hervorkehrten, brachte der 68-jährige Brecker an unaufgeregter Lässigkeit mit. Es brauchte nur jeweils eines kurzen Blicks und er fügte sich nahtlos in die Arrangements ein, übernahm den Stab in gelösten Soli, die er mit einem warmen etwas trockenen Ton spielte.

Präzise Einsätze, oft im Unisono, gaben den Themen, die überwiegend von Morello, Landsberger und dem ungarischen Sintogitarristen Kosta Lukacs stammten, einen enormen Drive. Dabei hatte Huber am Schlagzeug ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Und das tat er mit versteckter Leidenschaft, rhythmischer Dichte und einer geradezu atemberaubenden Exaktheit. Selten hört man einen Musiker, der das Timekeeping derart supergenau, bei gleichzeitig steter dynamische Feinabstimmung, auf den Punkt meistert. Bei bluesigen Themen, wie dem flotten Titelstück, minimal schleppend, in den wenigen Balladen zart zurückhaltend mit Besen. Huber hat mit seinem moderneren, komplexen und gelegentlich beinahe rockig harten Spiel das Trio nach vorne geschubst.

Ein bisschen zu wenig knackiger Funk

Dennoch hat auch noch Morellos Vorliebe für lateinamerikanische Sounds und Rhythmen, wie in dem leichtfüßigen Samba „Let’s Vamos“ Platz. Eher geringen Raum nahm die coole Funkyness ein, die lange Zeit Breckers stilistische Ausrichtung klar dominierte. „Dipp Shit“, eine Nummer die er beisteuerte, hatten einen solchen funky Touch. Das merkten auch viele Zuhörer, denn „it could be a dance“, kündigte Brecker das Stück an und tänzelte nach seiner beflügelten Soloimprovisation selbst ein wenig auf der Bühne. Das war, neben einigen lässlichen Fehlgriffen Breckers, die er locker überspielte, gefühlt das Manko dieses erstklassigen, mitreißenden Konzerts – es fehlte ein bisschen an knackigem Funk.

Dafür bekam das begeisterte Publikum im voll besetzten Leeren Beutel ein musikalisches Feuerwerk, das mit einer langen Zugabe nur langsam verglühte. Auf Facebook kann man weiterlesen: „Ein richtiges Power-Konzert!! Weiterhin viel Erfolg mit Back in the Pan! Da gehören Ham and Eggs schließlich auch hin“.

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