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Quartett

Der Teppich fliegt

Bei der frei improvisierenden Formation Kyllää Kannatta hört jeder auf jeden.
Von Peter Geiger

„Kyllää Kannattaa“ bedeutet so viel wie „Es lohnt sich“. Das Publikum sah das durchwegs sehr ähnlich.
„Kyllää Kannattaa“ bedeutet so viel wie „Es lohnt sich“. Das Publikum sah das durchwegs sehr ähnlich.

Regensburg.Werner Siebert ist ein sehr freundlicher Herr: Er ist nicht nur Sopransaxophonist der Band mit dem nahezu unaussprechlichen Namen, er ist auch so etwas wie ihr Sprecher. Und „Kommunikation“, so stellt sich bereits nach einer kurzen Unterredung mit ihm heraus, macht für die frei improvisierende Truppe Kyllää Kannattaa aus München den Kernbestandteil ihres musikalischen Selbstverständnisses aus.

Was sich da rund eineinhalb Stunden lang auf der Bühne im Degginger im Wechselspiel von Gitarre, Bass, Schlagzeug und dem Sopransaxophonisten vollzieht, das ist so mitreißend, dass das Publikum nicht nur hochgespannt, sondern auch mucksmäuschenstill dasitzt, um diesem Dialog von vier ausgereiften musikalischen Persönlichkeiten zu lauschen.

Seit fast 15 Jahren spielen sie in dieser Formation zusammen – und es reicht ihnen mittlerweile eine kurze Absprache über die Frage „Mit welchem Vibe wollen wir beginnen?“, um dann, basierend auf einem so „grundnebulösen Gedanken“ wie „ruhig“ oder „Gib ihm Saures!“, loszulegen. Bassist Gero Kempf und Schlagzeuger Axel Kroell bilden dabei eine starke Achse. Sie verstehen einander so blind, dass sie einen tragfähigen rhythmischen Teppich auszulegen wissen, der es Gitarrist Stephan Richter und seinem schon genannten Kollegen am Sopransaxophon gestattet, das Ding melodiös zum Fliegen zu bringen.

Im zweiten Set widmen sie sich „mikrotonalen Explorationen“ – was vom Publikum prompt mit einem Lacher quittiert wird. Aber der Bandsprecher legt nach und beteuert die Ernsthaftigkeit des gemeinsamen Anliegens: Auf diese Weise wollen sie die Klangzone erweitern. Und zwar um jene Töne, die abseits fein definierter Notenskalen liegen. Und, ist das nicht ohnehin das Verblüffende an diesem Quartett? Dass da nichts aus den Fugen gerät? Nichts auseinanderfliegt? Dass das alles trotz Improvisation einer gemeinsamen Destination entgegenstrebt?

„Frei bedeutet für uns das Gegenteil von ‚beliebig‘ oder ‚zufällig‘!“ Kyllää Kannattaa gelingt es, wie aus dem Nichts ein Gefühl gleichberechtigter Kommunikation zu entfachen. Die vier hören – wie in einem Akt gegenseitiger Hingabe – aufmerksam zu, treten in Beziehung zueinander und entwickeln schließlich in der Summe eine Klangwolke, deren Markenzeichen „Luftigkeit“ und „Transparenz“ sind.

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