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Kultur
Donnerstag, 20. September 2018 27° 1

Geburtstag

Der Weltenbummler wird 90

Hardy Krüger feierte als Schauspieler und Autor Erfolge. Die Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg haben sein Leben geprägt.
Von Ulrike Cordes, dpa

Der Schauspieler Hardy Krüger strahlt auch noch mit 90 Jahren jungenhaften Charme aus. Foto: Axel Heimken/dpa
Der Schauspieler Hardy Krüger strahlt auch noch mit 90 Jahren jungenhaften Charme aus. Foto: Axel Heimken/dpa

Hamburg.Am liebsten würde er gar nicht über sich und seine Filmerfolge reden, sagt Hardy Krüger lächelnd. Sondern viel eher über sein neues literarisches Werk („Ein Buch von Tod und Liebe“, Verlag Hoffmann und Campe). Der Band mit Erzählungen, die er bereits vor Jahren verfasst und nun neu zusammengestellt hat, spiegele ohnehin all das, was sein Leben geprägt habe: den Zweiten Weltkrieg sowie seine wohl daraus resultierende Sehnsucht nach Freiheit und Freundschaft, Abenteuer und Liebe. Anlässlich seines 90. Geburtstags am kommenden Donnerstag blickt Krüger, seit den 50ern einer der wenigen deutschen Kino-Weltstars („Einer kam durch“, „Hatari!“) dann aber doch liebenswürdig beredt zurück.

Zu Fuß von der Wohnung ins Verlagshaus – auch mit Jetlag

Über sein Privatleben, zu dem auch seine Schauspieler-Kinder Christiane Krüger (72) und Hardy Krüger jr. (49) gehören, äußere er sich allerdings prinzipiell nicht, erklärt er. Zu Fuß ist der auf Sport und Disziplin achtende Krüger bei schneidender Kälte von seiner Hamburger Wohnung in sein Verlagshaus Hoffmann und Campe gekommen. Derweil er sich noch vom Jetlag erholt: Seiner amerikanischen Ehefrau Anita Park zuliebe, mit der er seit 1978 verheiratet ist, verbringt der Mann, der lange eine Farm in Afrika besaß und die Fernsehzuschauer von 1987 bis 1995 mit seiner ARD-Reporterreihe „Weltenbummler“ unterhalten hat, den größten Teil des Jahres im kalifornischen Palm Springs (USA).

Im Interview kommt der Schauspieler – mit jungenhaftem Charme und blitzend blauen Augen ein Schwarm mehrerer Frauengenerationen – dann immer wieder auf das zurück, was ihm inzwischen auch bei seinen Publikationen am meisten am Herzen liegt: die Deutschen vor Politikverdrossenheit und Rechtsradikalismus zu warnen.

Einsatz gegen rechte Gewalt

„Seitdem die ersten Hakenkreuze an der Kölner Synagoge am Heiligabend 1959 aufgetaucht sind, habe ich mich gegen Neonazis engagiert“, sagt Krüger, der dafür das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland erhalten hat. So gründete er 2013 mit „Exit Deutschland“ und anderen Prominenten die Initiative „Gemeinsam gegen rechte Gewalt“. Und liest bis heute in Gymnasien aus denjenigen seiner 18 Bücher, die von seinen einschlägigen Erfahrungen im Dritten Reich erzählen: „Wanderjahre“ (1998) sowie seinem Bestseller von 2016, „Was das Leben sich erlaubt“.

Darin ist zu erfahren, wie Eberhard Krüger, 1928 in Berlin als Sohn eines Hitler-gläubigen Ingenieurs geboren, auf der NS-Ordensburg Sonthofen erzogen wurde. Und 1943/44 bei Dreharbeiten zum Propagandafilm „Junge Adler“ durch den Ufa-Star Hans Söhnker („Große Freiheit Nr. 7“) die Augen für das Regime geöffnet bekam. Im März 1945 wurde er als 16-Jähriger in die SS-Panzerdivision „Nibelungen“ eingezogen. Und zum Tode verurteilt, weil er sich geweigert hatte, auf Amerikaner zu schießen. Nur dank einem gnädigen Offizier entkam der Teenager der Vollstreckung.

„Alles, was ich im Leben erfahren und getan habe, ist im Wesentlichen auf andere Menschen zurückzuführen, nicht auf mich.“

Hardy Krüger

„Alles, was ich im Leben erfahren und getan habe, ist im Wesentlichen auf andere Menschen zurückzuführen, nicht auf mich“, resümiert Krüger leise – auch im Hinblick auf seine spätere Weltkarriere. So hätten ihn Regisseure wie Helmut Käutner („Große Freiheit Nr. 7“) motiviert, Profi-Schauspieler zu werden. Weil ihm deutsche Filme damals zu oft seicht erschienen, ging Krüger nach Paris, London und Hollywood. Seinen Durchbruch erlebte der Jungstar mit dem Kriegsfilm „Einer kam durch“ 1957 in England. „Das war erstaunlich, denn wir Deutsche wurden dort erstmal sehr sorgfältig beobachtet“, berichtet er.

Das Bild vom „guten Deutschen“

Seine Rollen habe er immer sehr sorgfältig ausgewählt, um dem Ausland in guten Filmen das Bild von „guten Deutschen“ zu zeigen. Wie etwa in der französischen Produktion „Taxi nach Tobruk“ (1960) neben Lino Ventura und Charles Aznavour. Krüger drehte zudem mit Schauspielgrößen wie James Stewart („Der Flug des Phoenix“) und Sean Connery. Mit vielen von ihnen freundete er sich an. „Die größten Stars, auch Jimmy Stewart und Aznavour, sind immer ganz bescheidene und liebenswerte Menschen gewesen“, erinnert er sich. Dasselbe ließe sich wohl auch mit vollem Recht von Hardy Krüger behaupten.

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Zum Tode verurteilt

  • 1941 kam Hardy Krüger

    als 13-Jähriger auf ein Internat der nationalsozialistisch orientierten und zur Hitler-Jugend gehörenden Adolf-Hitler-Schulen.

  • Im Alter von 16 Jahren

    wurde Krüger in der letzten Phase des Zweiten Weltkrieges zur Waffen-SS eingezogen und nach seiner Weigerung, auf Amerikaner zu schießen, zum Tode verurteilt. Der zuständige SS-Offizier führte die Exekution aber nicht aus.

  • Seit den 1950er Jahren

    engagiert sich Krüger gegen rechte Gewalt.

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