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Musik

Die Brass Band kann auch ganz sacht

Das Regensburger Ensemble gibt ein gefeiertes Konzert in der Dreieinigkeitskirche und holt einen Tag später einen Preis.
Von Hans Scherrer, MZ

Die Brass Band Regensburg in der Dreieinigkeitskirche: Einen Tag nach dem Konzert holte das Ensemble in München einen zweiten Platz auf Bayern-Ebene.
Die Brass Band Regensburg in der Dreieinigkeitskirche: Einen Tag nach dem Konzert holte das Ensemble in München einen zweiten Platz auf Bayern-Ebene. Foto: Hans Scherrer

Regensburg.„Vorsicht, es wird auch laut“, warnte Kornettist Thomas Lorenz am Samstag das Publikum, „aber Sie werden heute hoffentlich nach Hause gehen mit der Erkenntnis, wie unglaublich gefühlvoll leise 35 Blechbläser und Schlagwerk spielen können.“ Lorenz versprach nicht zu viel.

Das Kirchenkonzert „Ein Feste Burg“ der Brass Band Regensburg in der Dreieinigkeitskirche war bestens geeignet, manches Vorurteil zu widerlegen. Schon bei der Intrada über das Thema „Ein Feste Burg“ zeigte die Band, wie klangschön man auch im pianissimo blasen kann. Die Musiker wussten auch die nicht immer einfachen akustischen Verhältnisse im Kirchenschiff zu meistern.

Angespornt durch Wettbewerbe

„The Smile“ war eines der beiden Stücke, mit denen sich die Band am Sonntag auch beim Bayerischen Orchesterwettbewerb in München stellte – und dort mit 21.6 von 25 Punkten auf Rang zwei landete. In Regensburg glänzten (wie im Verlauf des Konzerts mehrfach) Florian Nicklas (Kornett) und Martin Zimmermann (Posaune). „Ancient Monuments“ von Komponist Bertrand Moren beschreibt die Gegend um Sion/Schweiz. Mit häufigen Takt- und Tempowechseln stellt es die Musiker vor große Herausforderungen, beginnt mit einem aggressiven Marschrhythmus, geht über in ein ruhiges Adagio und schließt mit einen furiosen Finale. Auch diese Komposition wurde beim Wettbewerb in München vortragen. „Die qualitativ und quantitativ rasante Entwicklung der Brass-Band-Szene in Deutschland ist sicher auch mit der sportlichen Einstellung zu erklären, sich bei Wettbewerben zu messen, und stellt eine zusätzliche Motivation dar, immer besser zu werden“, stellte Lorenz klar.

In England, der Wiege der Brassbands, gibt es mit David Thornton und John French zwei Euphoniumbläser, die Maßstäbe gesetzt haben. Beide sind natürlich Profimusiker. Die Brassband Regensburg indes hat mit Martin Hinkel und Karin Brunner zwei Euphoniumspieler, die sich hinter den großen Engländern keineswegs verstecken müssen, wie sich bei „Softly As I Leave You“ zeigte. Zumal sie – wie alle anderen Musikern der Band – „nur“ Laienmusiker sind. Mit butterweichem Sound meisterten sie selbst die hohen Lagen, was das Publikum mit stürmischem Applaus quittierte.

Zärtlich zelebriert: ein Stück über die Schlacht von Gettysburg

„Lord Tullamore“ hat zwar nichts mit dem gleichnamigen Whiskey zu tun, beschreibt aber das Leben und die Natur in der irischen Landschaft. So verlangen die Stakkato-Passagen im Sechsachtel-Rhythmus und in sehr schnellem Tempo den Bläsern zu Beginn viel ab; im zweiten Satz können Publikum und Musiker dann in traumhaft schönen Melodien schwelgen, höchst kantilen vorgetragen. Tänzerisch wird es im dritten Satz, in dem die Band einmal mehr mit ausgeprägter Dynamik überzeugt.

Die Komposition „Reunion and Finale from Gettysburg“, die an die brutalste Schlacht im amerikanischen Bürgerkrieg erinnert, steht mit der Schönheit der Melodien in krassem Kontrast zu dem blutigen Ereignis und wurde von den Musikern geradezu zärtlich zelebriert.

Seit zwei Jahren hat Christine Hartmann, Diplommusiklehrerin für Trompete an der Städtischen Musikschule, die Leitung der Brass Band Regensburg (BBR) übernommen. Sie ist eine der erfahrensten und besten Kornettisten in Deutschland. Unter ihrem Dirigat siegte die Band 2015 bei den German Open. Unterstützt wird sie vom britischen Dirigenten Dave Lea, der sich zuhause mit seiner Jaguar Land Rover Band wiederholt für die Englischen Meisterschaften qualifizierte und in der Royal Albert Hall auf der Bühne stand.

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