MyMz

Kunst

Die dunkle Seite des Menschlichen

Carolina Mayer zeigt im L.E.D.E.R.E.R. filigrane Bleistiftzeichnungen.
Von Fred Filkorn, MZ

Carolina Mayer vor ihrer Zeichnung einer jungen Frau, der Engelsflügel am Rücken wachsenFoto: Filkorn

Regensburg. . Eigentlich hatte Carolina Mayer mit der Kunst schon abgeschlossen. Die Einladung, im Kulturzentrum L.E.D.E.R.E.R. auszustellen, kam für die 27-Jährige überraschend. „Meine Bilder sind zu persönlich und emotional, um sich damit einen Lebensunterhalt zu verdienen“, erklärt die ehemalige Regensburgerin, die jetzt in Leipzig lebt und vergleichende Entwicklungspsychologie studiert hat. In ihrer Dissertation zum Thema „Evolution von Kontrollprozessen“ beschäftigt sie sich derzeit mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Menschen und Menschenaffen.

Ihre filigranen Bilder, die im Wesentlichen aus Bleistiftzeichnungen bestehen, sind im Laufe der vergangenen zehn Jahre „aus einer Laune heraus“ entstanden und drücken ihre innere Zerrissenheit aus: „Jeder Mensch trägt eine dunkle, animalische Seite in sich.“

Die Vermischung von Mensch und Tier kommt in einem Wesen zum Ausdruck, das sich gleich in mehreren von Mayers Bildern wiederfindet: Eine scheinbar weibliche Kreatur mit einem etwas zu großen Alien-Kopf und einnehmenden Katzenaugen, die auch Züge von Golum aus „Der Herr der Ringe“ aufweist. Ein vergleichbares Katzen-Antlitz findet sich in ihrem Bild „Katz und Maus“ wieder. „Ich hatte früher selbst Katzen“, erklärt Mayer ihre Affinität zu dieser Spezies. In einem anderen Bild der Deutsch-Kolumbianerin sieht man neben mehreren angsterfüllten Gesichtern das katzenäugige Alienwesen seine Hand aus einem ölig verschmierten Fluss ziehen. Ein Totenkopf verstärkt die düstere Botschaft dieses Bildes.

Der Übergang oder die Verwandlung vom Menschlichen ins Tierische (oder andersherum) prägen auch jene verzerrten, maskenhafte Köpfe, aus deren Schädel ein Insektenauge herausbricht, das aus vielen kleinen Einzelaugen besteht. Diese Übernahme durch eine andere Lebensform erinnert stark an die bösartigen Borg aus dem „Raumschiff Enterprise“-Universum, die andere Völker zwangsassimilieren. Weniger der Science-Fiction und mehr dem Fantasy-Genre zuzuordnen, ist jenes weich gezeichnete Bild einer jungen, in sich zusammengesunkenen Frau, der Engelsflügel aus dem Rücken wachsen. Wer sich mal wieder mit seiner „inneren Schweinekatze“ auseinandersetzen will, sollte einen Blick auf Mayers düstere Zeichnungen wagen.

Die Zeichnungen sind bis 8. Mai, jew. Mittwochs ab 19 Uhr im L.E.D.E.R.E.R., Lederergasse 25, zu sehen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht