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Bühne

Die fantastischen Fünf im Velodrom

„Der Zauberer der Smaragdenstadt“: Maria-Elena Hackbarth vom Jungen Theater Regensburg gelingt eine wundervolle Inszenierung.
Von Britta Schönhütl, MZ

Die Darsteller Henriette Heine, Flora Pulina (vorne), Franziska Plüschke, Stephan Hirschpointner, Marcel Klein, und Ludwig Hohl entführen die Zuschauer in eine Welt voller Magie.
Die Darsteller Henriette Heine, Flora Pulina (vorne), Franziska Plüschke, Stephan Hirschpointner, Marcel Klein, und Ludwig Hohl entführen die Zuschauer in eine Welt voller Magie. Foto: Sarah Rubensdörffer

Regensburg.Es gibt diesen einen magischen Moment, der den gesamten Theater-Zauber der Inszenierung zusammenfasst: Da sitzen ein Mädchen, eine Vogelscheuche, ein Löwe und ein Eisenmann am Bühnenrand und starren über die Köpfe des Publikums hinweg in die Ferne. „Seht ihr das auch?“, fragen sie sich und uns – und plötzlich drehen alle Kinder ihre Köpfe nach hinten und suchen mit leuchtenden Augen nach dem, was nur ihre Freunde auf der Bühne sehen können. Dass da nichts ist außer ein paar Scheinwerfern, wird schnell klar. Und doch steckt so viel in diesem Sich-Umschauen: so viel Kindliches, so viel Empathie, so viel Glaube an die Illusion und so viel Magie, die diese wunderbare Erzählung und deren Inszenierung im Regensburger Velodrom hervorzuzaubern vermag.

Diese Magie entspringt erst einmal den fünf Hauptfiguren selbst: dem Mädchen Elli, das ins Zauberland verweht wird; ihrem Freund Totoschka; der Vogelscheuche aus Stroh und ohne Gehirn; dem eingerosteten Eisenmann ohne Herz; und dem völlig mutlosen Löwen. Zusammen überstehen die fünf Freunde unglaubliche Abenteuer, an deren Ende die Erfüllung ihrer Wünsche steht. Wären da nicht böse Menschenfresser, hypnotisierende Ballons oder fliegende Äffchen, die sich ihnen in den Weg stellten.

Märchenhafte Reise

Das Bühnenstück „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch des russischen Schriftstellers Alexander Wolkow, das erstmals 1939 in der Sowjetunion erschien. Wolkow dichtete darin die amerikanische – und durch die Verfilmung weltweit bekannte – Geschichte vom „Zauberer von Oz“ nach. Es bleibt eine märchenhafte Abenteuerreise von fünf Freunden, die nach etwas suchen, das sie längst besitzen. Der Löwe ist nämlich nicht feige, hatte nur nie etwas, für das es sich zu kämpfen lohnte. Der Eisenmann braucht gar kein Herz, er muss sich nur trauen, seine Gefühle zuzulassen. Und dem Vogelscheuchen-Mann fehlt kein Gehirn, seine Weisheit äußert sich anders – in lustigen, Meister Yoda würdigen Wortverdrehungen.

 Henriette Heine, Sven Brormann, Flora Pulina und Franziska Plüschke in „Der Zauberer der Smaragdenstadt“Foto: Sarah Rubensdörffer
Henriette Heine, Sven Brormann, Flora Pulina und Franziska Plüschke in „Der Zauberer der Smaragdenstadt“Foto: Sarah Rubensdörffer

Franziska Plüschke spielt eine liebenswerte, wenn auch überzeichnete Elli, die mit großen Augen um sich blickt, während Stephan Hirschpointner als Vogelscheuche mit fantastischem Sprachdurchfall, Marcel Klein als tollpatschig-rostiger Eisenmann und Ludwig Hohl, Löwe in felliger Ski-Haserl-Optik, ihre Figuren mit vielen Details einzigartig werden lassen. Genau in dieser Ausarbeitung der Figuren und der liebevollen Umsetzung der Geschichte liegt die wahre Magie dieser Inszenierung: Maria-Elena Hackbarth ist seit der Spielzeit 2015/16 Leiterin des Jungen Theaters Regensburg und hat bei diesem Projekt selbst Regie geführt. Ihre Liebe zum Detail, zu der sie schon bei der Inszenierung von „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ hinreißen ließ, verzaubert auch diesmal das Publikum der ausverkauften Premiere.

Angefangen bei Totoschka, der laut Kinderbuch und Bühnenfassung eigentlich ein Hund, im Regensburger Velodrom aber eine Mundharmonika ist. Klingt komisch? Ist aber ganz fantastisch. Dieser kleine Kniff sorgt für eine optimale musikalische Verstärkung der zu bewältigenden Abenteuer. So lernen wir die fünf Freunde auch auf einer musikalischen Ebene kennen und die Szenenübergänge verschwinden hinter kleinen Tanz- und Gesangseinlagen. Denn nicht nur Elli hat mit Totoschka stets ein Instrument bei sich: Scheuch, der Vogelscheuchen-Mann, hat eine Miniatur-Gitarre umhängen und unser starrer Eisenmann kann sich selbst als Klangkörper benutzen.

Stephan Hirschpointner, Marcel Klein, Franziska Plüschke und Ludwig Hohl in „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ Foto: Sarah Rubensdörffer
Stephan Hirschpointner, Marcel Klein, Franziska Plüschke und Ludwig Hohl in „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ Foto: Sarah Rubensdörffer

„Der Zauberer der Smaragdenstadt“ ist das perfekte Weihnachts-Familien-Stück. Natürlich zählen da Werte wie Freundschaft, Mut und Liebe – und am Ende gibt’s ein Happy End. In dieser Inszenierung werden aber auch die Nicht-Kinder angesprochen: „Ihr habt die Sümpfe trockengelegt und die Wälder abgeholzt“, kreischt die böse Gingema ganz zu Beginn des Stückes und bestraft die Menschen für ihre Umweltsünden mit einem Wirbelsturm. Später stellt sich Elli selbst vor als: „Ich bin Elli und vom Regieren versteh ich gar nix!“, woraufhin man ihr entgegnet, dass das noch niemanden vom Regieren abgehalten hätte.

Besinnen und gewinnen

Man kann sich erinnert fühlen an die grausige Erwachsenenwelt, man darf aber auch in der fantastischen Kinderwelt bleiben, die uns mit einem Appell in die kalte Novembernacht entlässt: „Versucht’s mal mit Besinnen, ihr könnt doch nur gewinnen!“

Wie die Regensburger Zauberin Andrea Hardy die Premiere erlebt hat, lesen Sie hier!

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