mz_logo

Kultur
Mittwoch, 19. September 2018 31° 1

Kunst

„Die ganze Welt ein Bauhaus“ in Buenos Aires

Beim Bauhaus denken viele an Stahlrohrmöbel und puristische Architektur. Mit diesen Klischees will eine in Buenos Aires eröffnete Wanderausstellung aufräumen, die in den kommenden Jahren auf der ganzen Welt zu sehen sein wird.
Von Magdalena Hechtel, dpa

  • Eine Kaffeemaschine in der Ausstellung „Die ganze Welt ein Bauhaus“ in Buenos Aires. Foto: Nicolás Villalobos Slepoy
  • Blick auf die Ausstellung „Die ganze Welt ein Bauhaus“ in Buenos Aires. Foto: Nicolás Villalobos Slepoy
  • Die Wanderausstellung über den Bauhaus-Stil feiert Weltpremiere in Buenos Aires und zieht danach weiter nach Mexiko-Stadt und Karlsruhe. Foto: Nicolás Villalobos Slepoy

Buenos Aires.Auf den ersten Blick hat das argentinische Nationalmuseum für Dekorative Kunst (MNAD) so gar nichts mit dem Bauhausstil gemeinsam. Mit seinen Säulen, den Balkonen und den riesigen Fenstern wirkt das Anfang des 20. Jahrhunderts gebaute Gebäude fast schon pompös.

Ungeachtet der gewaltigen Unterschiede beherbergt es seit Freitag eine Wanderausstellung über den eher minimalistisch geprägten Bauhaus-Stil. „Mit der Ausstellung verlassen wir schon etwas unsere Komfortzone“, sagte Museums-Direktor Martín Marcos. Nach Buenos Aires zieht die Ausstellung weiter nach Mexiko-Stadt und Karlsruhe.

Die Bauhaus-Schule wurde 1919 als „Das staatliche Bauhaus von Weimar“ von dem Architekten Walter Gropius gegründet. Dessen Grundidee war es, Kunst und Handwerk miteinander zu verbinden. Das Bauhaus sollte Prototypen für die industrielle Serienproduktion liefern, neues Design für die breite Masse, war die Devise.

Sinnbildlich dafür stehen in der Ausstellung in der argentinischen Hauptstadt der silberglänzende Aschenbecher, dessen Loch die Form eines mit der Spitze nach unten zeigenden Dreiecks hat. Oder die Kaffeemaschine, die wie eine riesige Sanduhr aussieht. Doch Kurator Boris Friedewald will weg von den Designobjekten und das Bauhaus möglichst ganzheitlich betrachten.

„Mir war wichtig, die Vielfalt, die Vielschichtigkeit des Phänomens Bauhaus zu zeigen“, sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „In Deutschland gibt es klare Vorstellungen vom Bauhaus, von puristischem Design und minimalistischer Architektur. Doch das Bauhaus war so viel mehr.“

Deshalb rückt die Ausstellung den Gemeinschaftsaspekt in den Mittelpunkt. Friedewald spricht von einer „Lebensgemeinschaft“. Davon zeugen Fotos von Vorträgen und Diskussionen nach Schulschluss ebenso wie die von Partys oder vom Nacktbaden. Solche für die damalige Zeit ungeheuerlichen Vorgänge sorgten für Kritik. Weil ihr von der Politik die finanzielle Unterstützung gestrichen worden war, musste die Schule 1925 nach Dessau umziehen. 1932 verließ sie Dessau, erneut aus politischen Gründen, in Richtung Berlin. Nur ein Jahr später wurde das Bauhaus auf Druck der Nationalsozialisten endgültig geschlossen.

Dass es dennoch bis heute weltweit bekannt ist, verdankt das Bauhaus seiner Internationalität, die von Beginn an eine zentrale Säule des Konzeptes war. In New York und Amsterdam gab es Verkaufsstände für die Produkte der „Bauhäusler“ und die erste Ausstellung der Schule fand keineswegs in Deutschland, sondern im indischen Kalkutta statt. Nach ihrer Schließung 1933 verließen viele der Schüler Deutschland und ließen sich im Ausland nieder. Ihre Spuren finden sich deshalb auf der ganzen Welt.

In Tel Aviv befindet sich eine der größten Bauhaus-Siedlungen der Welt, aber auch in der argentinischen Stadt Mar del Plata gibt es ein von dem jüdisch-ungarischen Bauhaus-Architekten Marcel Breuer entworfenes Gebäude. Und mit Horacio Coppola studierte ab 1932 ein Argentinier am Bauhaus. Dort lernte er seine spätere Frau Grete Stern kennen. Gemeinsam widmeten sich Coppola und Stern in Argentinien einer eher unbekannten Bauhaus-Kunstform: der Fotografie.

Auch Kurator Friedewald ist Internationalität ein Anliegen. Mit der Ausstellung will er Künstlern und Kuratoren ein Angebot machen, anderen von ihrer landesspezifischen Art von Modernität zu erzählen. Die Ergebnisse der im Rahmen der Ausstellung stattfindenden Workshops und Diskussionen sollen an den zukünftigen Stationen gezeigt werden. Deshalb sieht Friedewald auch keinen Widerspruch darin, dass ausgerechnet das Museum für Dekorative Kunst die Ausstellung beherbergt. „Dieses Haus wurde zur Zeit der Bauhaus-Gründung in dem Stil gebaut, der zu dieser Zeit auf diesem Teil der Welt als schön und modern galt.“ Dieser Widerspruch, sagt Friedewald, „ist eigentlich schon der beste Beitrag.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht