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Gesang

Die Gruberova kann es noch

Die weltberühmte Opernsängerin macht das Audimax zu ihrem Salon – und wurde zum Schluss noch mal richtig laut.
Von Claudia Böckel

Edita Gruberova weiß auch nach mehr als 50 Jahren auf der Bühne noch zu beeindrucken. Peter Valentovic überzeugte am Klavier. Foto: Odeon Concerte
Edita Gruberova weiß auch nach mehr als 50 Jahren auf der Bühne noch zu beeindrucken. Peter Valentovic überzeugte am Klavier. Foto: Odeon Concerte

Regensburg.Um es gleich zu Beginn zu sagen: Wer sein 50-jähriges Bühnenjubiläum hinter sich hat und so singt, wie Edita Gruberova heute noch, verfügt nicht nur über erstklassige Anlagen, sondern auch über eine fantastische Stimmtechnik und vor allem auch über den Mut, sich selbst und die eigene Stimmtechnik immer wieder neu zu erfinden. Als sie vor einem Jahrzehnt bemerkte, dass ihr die Koloraturen nicht mehr so leicht von den Lippen und Stimmlippen gingen, erarbeitete sie mit einer Münchner Stimmtrainerin eine völlig neue Atemtechnik und baute sie über Jahre hin aus.

Nun hat Edita Gruberova im März ihren Abschied von der Opernbühne genommen, wird in Zukunft nur noch Liederabende und Konzerte wie die „Schätze des Belcanto“ bei Odeon Concerte in Regensburg geben. Als Kritiker muss man sich ja ein wenig in Acht nehmen vor dieser Primadonna assoluta. Bei den Salzburger Festspielen hat sie es erreicht, dass an die Kritiker keine Freikarten mehr ausgegeben wurden. Sie trete nur dann auf, wenn die Kritiker für ihre Tickets zahlen müssen. Wenn den Kritikern ihr Gesang nicht gefalle, dann wolle sie ihnen auch nicht weiterhin die Abende verderben. Auch der Kritikerin von Montagabend gefiel auf den ersten Blick nicht alles, obwohl sie doch zu Beginn der 80er Jahre so begeistert war von Gruberovas Zerbinetta aus der Oper „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss bei den Salzburger Festspielen. Die Inszenierung war von Dieter Dorn, es dirigierte noch Karl Böhm. Ohne einen selbst gemachten Radiomitschnitt der „Großmächtigen Prinzessin“ auf Kassette anzuhören, immer und immer wieder, konnte sie damals nicht im Auto fahren.

Ein fulminanter Begleiter

Edita Gruberova komponiert auch ihre Konzertabende ganz raffiniert, gesteht dem Publikum im ersten Teil drei Gesangsnummern zu, im zweiten auch. Aus Bedrich Smetanas Oper „Der Kuss“ sang sie „Hlásej, ptácku“: Die Magd Barce vernimmt den Gesang einer Lerche und erhebt ihre Stimme selbst wie ein Vogel: Über dem strahlenden E-Dur der Begleitung führte die Sängerin ihre Stimme federleicht, zeigte Höhe und ein wenig verschattete Tiefe, Echowirkungen über dem sehr farbig gestalteten Klavierklang von Peter Valentovic.

Mit Gustave Charpentiers „Depuis le jour“ aus der Oper „Louise“ gelang es ihr, aus dem Audimax einen Gruberova-Salon zu erschaffen. Sehr getragen gestaltete sie die flirrende Atmosphäre dieser zu Herzen gehenden Arie. Der Frühlingsstimmen-Walzer von Johann Strauss II war ebenfalls verhalten und von meist sehr verinnerlichtem Jubel gekennzeichnet. Der Mittelteil geriet differenziert, aber auch ein wenig manieriert mit all seinen Stimmmätzchen. Hier und bei Rossinis Arie der Rosina aus „Der Barbier von Sevilla“, aus dem sie ebenfalls ein Kunstwerk von stilisierter Größe machte, hätte ein wenig mehr Frische gutgetan. Durch die Zurückhaltung an vielen Stellen gerieten die Spitzentöne ganz extrem in den Fokus. Man kann das mögen oder nicht.

Der fulminante Mann am Klavier, Peter Valentovic, durfte zweimal solistisch agieren. Bei der Meditation aus der Oper „Thais“ von Jules Massenet zauberte er mit Klängen und gestaltete sehr farbenreich. Durch romantischste Gefilde führte er dann im zweiten Teil mit Rachmaninovs Improvisationen über Themen aus dem Klavierkonzert Nr.2 und der Rhapsodie über ein Thema von Paganini. Wie bei einem Klavierkonzert im Kleinen blitzten immer wieder die Themen heraus, wurden die Melodielinien bis ins lauteste Fortissimo hinein entwickelt, mit überbordender Spielfreude dargestellt.

Größte Lautstärke und Intensität

Bei Bellinis Aria finale der Beatrice und bei der abschließenden Wahnsinnsarie der Ophélie aus Ambroise Thomas’ Oper „Hamlet“ wusste man schließlich, worauf Edita Gruberova hinauswollte: auf die absolute Steigerung. Schreie gingen bis in höchste Höhen: „Je meurs“! Hatte sie im ersten Teil Kräfte gespart, zeigte die Sängerin hier, was in ihr steckt: unglaublich klare Klänge auch bei größter Lautstärke und Intensität, ein riesiger Stimmumfang, Höhe und Brillanz bis zum dreigestrichenen E, verdunkelte Tiefe, die sängerische Darstellung der ganzen Bandbreite von Verzweiflung.

Standing Ovations gab es sofort nach dem letzten Ton. Auch die drei Zugaben, die Arie der Liu aus „Turandot“, die Szene „Ach wir armen Primadonnen“ aus der Operette „Der arme Jonathan“ von Millöcker und schließlich „Mein Herr Marquis“ aus der Fledermaus waren kraftvoll und mit Verve gesungen.

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Ihre Karriere

  • Einfache Verhältnisse: Geboren wurde Edita Gruberova am 23. Dezember 1946 in Bratislava, heute Slowakei. Sie wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Auf Drängen eines Pfarrers bewarb sie sich am Konservatorium in Bratislava und studierte dort von 1961 bis 1968. Danach ging es steil nach oben. Sie sang in München, Wien, Mailand, New York, Madrid und Paris.

  • Abschied:

    Ende März verkündete die 72-jährige Sopranistin ihren Abschied von der Bayerischen Staatsbühne. Sie lebt in Zürich.

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