MyMz

Kunst in Regensburg

Die Helden der Westkunst

Die Ausstellung „Der andere Blick“ zeigt neue Arbeiten des chinesischen Künstlers Zhao Bin in der Galerie Dr. Erdel.
Von Helmut Hein, MZ

Zhao Bin in seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Erdel Foto: altrofoto.de

Regensburg.Gerhard Richter, sagt Zhao Bin, ist in China ein Star. „Jeder kennt ihn. Und die meisten schätzen ihn.“ Als er den skeptischen Blick bemerkt, präzisiert er. „Jeder, der mit Kunst zu tun hat.“ Gerhard Richter spielt auch in den neueren Arbeiten Zhao Bins eine wichtige Rolle. Unübersehbar ist das vor allem bei der Serie „Schöne Welt“. Nicht so klar ist, welche Rolle Richter spielt. Die Oberfläche von Zhao Bins Bildern ist so glatt, dass rasche Deutungen sofort ins Rutschen kommen. Auch sein Auftreten, das so zurückhaltend ist, dass man das performancehafte und doppelbödige an ihm leicht übersieht, bietet wenig Anhaltspunkte.

Zhao Bin hat, nach einem erstem Studium in China ein zweites in München aufgenommen. Er hat sich diese Ausbildung als „Werkstudent“, also durch Schufterei verdient. Er hat, als Fremder, Erfahrungen mit Behörden gemacht, die von seiner Existenz, im Doppelsinn, nichts wissen wollten. Von der „Westkunst“, deren Meister er längst ist – „Master Bin“ heißen drei Bilder aus einem größeren Zyklus, die in dieser Ausstellung zu sehen sind – , sagt er, dass sie seine Identität als chinesischer Maler ausgelöscht hat. Er weiß nichts von Tuschezeichnungen, er kennt nur die westlichen Techniken und Formen.

Zwischen Monet und Richter

Plötzlich meint man Zorn, Furor zu spüren. Sind seine neuen Bilder so etwas wie Rache an der Westkunst? „Schöne Welt“ – man hört unwillkürlich den Zynismus von Huxleys „schöner neuer Welt“ mit – besteht aus einer Serie von Blumenstillleben. Das Motiv verbindet die ostasiatische mit der westlichen Tradition. Aber die Manier, in der er malt, hat nichts Chinesisches. Sie zitiert und paraphrasiert eine Haltung, einen Blick, die man kennt. Vom späten Monet. Oder eben von Gerhard Richter.

Aber Zhao Bins Version ist so perfekt wie ironisch. Er benutzt nicht eine Manier, er variiert sie. Und macht sie dadurch kenntlich. Gerhard Richter, sagt Zhao Bin und man weiß nicht so recht, beschreibt er nur oder spottet er schon, „verwischt“ alles. Er selbst, sagt er, und deutet auf den Hintergrund der Blumenbilder, male das alles ein wenig klarer. In seiner „Schönen Welt“ ist alles deutlich und wirkt dadurch merkwürdig fremd, ortlos.

„Ich interessiere mich nicht für Politik“, sagt Zhao Bin mit einem Ernst, der sofort unheimlich wirkt, wenn man ihn nach Personen oder Ereignissen seiner Heimat befragt. Dabei ist er unübersehbar ein politischer Künstler. Viel mehr als die hierzulande angekommenen Dissidenten, deren Statements sofort und eindeutig entzifferbar sind.

Die zentrale Serie seiner neuen Erdel-Ausstellung heißt „news from china“. Und wer herausfinden möchte, was hier eigentlich gezeigt oder „kritisiert“ wird, kommt so rasch an kein Ende. Fast wirkt das, was Zhao Bin zeigt, wie eine hyperrealistische Pop-Art-Variante von Niklas Luhmanns bekanntem Diktum: „Alles, was wir über die Welt wissen, wissen wir durch die Medien.“ Was bedeutet es zum Beispiel, dass auf allen Bildern Uniformträger zu sehen sind? Dass China ein Polizeistaat ist? Oder dass er in den westlichen Medien so erscheint?

Das Wichtigste ist die Freiheit

Zhao Bin sagt: „Am wichtigsten ist für mich die Freiheit.“ Damit meint er etwas sehr Einfaches. Überall sein zu können, wo er gerade sein will. Und nirgendwo sein zu müssen, wo er nicht sein will. Ein Bild aus der „Master Bin“-Serie zeigt ein Selbstporträt des Künstlers – deutlich älter, „seriöser“, als er tatsächlich ist –, der sich mit unbewegtem Gesicht über die Erteilung des EU-Visums freut. Was ist der Vorteil dieses EU-Visums gegenüber dem Aufenthaltsrecht in Deutschland, für das er so entschieden gekämpft hat? „Ich muss sechs Monate im Jahr in Deutschland sein, sonst verfällt das Recht. Das Eu-Visum verlangt nur, dass ich mich mindestens einen Tag in Europa aufhalte.“

Im letzten Jahr hatte er eine große Ausstellung in einer renommierten Galerie in Boston. „Alle Bilder waren sofort ausverkauft.“ Und im Juni wurde seine Ausstellung „Energy“ im Millenium Art Center for Contemporary Art in seiner Heimatstadt Changsha eröffnet. Der Publikumsandrang war so groß wie hierzulande höchstens bei einem Fußballspiel.

Sein wichtigster Galerist bleibt aber vielleicht Wolf Erdel, der so loyal ist, dass er nicht einmal seine Zweifel ernst nimmt. Weil er genau weiß, dass Zhao Bins Bilder auf die Dauer stärker sind als jede Skepsis.

Die 6. Ausstellung des Künstlers in der Galerie am Fischmarkt, Regensburg, ist bis 25.Januar zu sehen.

Geöffnet: Mittwoch und Freitag von 16 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. (0941) 702194

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht