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Ausstellung

Die hohe, bunte Kunst der Vereinfachung

Eindrucksvolle Pop Art im Regensburger Kunstkabinett
Von Claudia Böckel, MZ

Regensburg. Marianne Schönsteiner-Mehr zeigt immer wieder Pop Art. Eine ihrer ersten Ausstellungen im Kunstkabinett war 1981 Andy Warhol gewidmet, das Plakat zeigte seine Rising Sun. Nur eine Arbeit verkaufte sie damals, an einen Studenten, der sie fünfzigmarkweise abstotterte. Damals sei sie wegen der Ausstellung massiv angefeindet worden, erzählt die Galeristin. Ihrer Liebe zu dieser Kunstsparte konnte das nichts anhaben. Jetzt zeigt sie ausgewählte Papierarbeiten von Alex Katz, Roy Lichtenstein, Julian Opie, Mel Ramos, Andy Warhol und Tom Wesselmann.

Neu dabei ist diesmal Alex Katz: ein Tripelporträt, drei Mal dieselbe versonnen blickende Frau mit „Grey Ribbon“ um den Hals, und „Sweatshirt II“, fast ein Katz’sches Selbstporträt – beide Werke beeindruckend in ihrer Direktheit. Mel Ramos und seine Schönen auf Zigarren, Burgern, Zebras oder Colaflaschen fehlen nicht, Tom Wesselmanns Nackte im Schlafzimmerumfeld räkeln sich vor Leopardenfell oder auch mal ganz romantisch in der Haltung der Präraffaeliten oder der französischen Impressionisten – aber natürlich immer bunt, immer vereinfacht und poppig eben. Julian Opie, 1958 in London geboren, reduziert seine Frauendarstellungen ebenfalls aufs Wesentliche, vereinfacht die Gesichtszüge, gibt ihnen dünne schwarze Umrisslinien, viele Schattenflächen in den Gesichtern. Seine Technik hier: Siebdruck auf der Rückseite von Plexiglas, das mit ein wenig Abstand unterlegt wird mit farbigem Papier – durchaus ansprechend. Sehr eindrucksvoll sind zwei große Arbeiten von ihm, Ika und Felicia, zwei elegant gekleidete Damen, mit Schmuck, frontal dargestellt. Gewandfalten und zum Beispiel die Rose sind voll ausgearbeitet, allerdings alle Hautpartien, auch das Gesicht, völlig leer, ohne Augen oder Mund; die Hände ohne Finger, aber inkarnatfarben immerhin. Massive schwarze Umrisslinien stanzen diese Körper quasi auf die Aluminiumplatte, auf die sie mit Tinte gedruckt sind.

Roy Lichtensteins „Liberté“, ein Screenprint, das an die Deklaration der Menschenrechte erinnern soll, zeigt, gerahmt von zwei ionischen Säulen, dem Architrav und der Bodenplatte, einen Bildausschnitt mit Horizontlinie. Das Land ist gelb, der Himmel blau-weiß gestreift, mit einem schwarzen Vogel – sehr einfach und sehr eindrucksvoll.

Warhols Ikonen dürfen natürlich nicht fehlen: Campbell’s Oyster Stew Soup und ein paar Marilyns sind da, in verschiedenen Qualitäten, jeweils für verschieden große Geldbeutel.

Bis zum 17. März im Kunstkabinett, Untere Bachgasse, Regensburg, Di.-Fr. 11-18 Uhr, Sa. 10-14 Uhr

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