MyMz

Kunst

Die Jahresschau setzt auf Bewährtes

Die Kunstausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstler zeigt Malerei, Grafik, Fotografie, Objekte und Skulpturen.
Von Gabriele Mayer, MZ

  • Sabine Angerers Installation „Welcome“ greift in der Ausstellung im Kunst- und Gewerbeverein das Thema Migration auf. Foto: altrofoto.de
  • Auch Objekte und Skulpturen sind im Kunst- und Gewerberein Regensburg zu sehen. Foto: altrofoto.de

Regensburg.103 Mitglieder des Berufsverbands Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz stellen diesmal bei der großen Jahresschau aus. Zu sehen sind vor allem Malerei und Grafik, Fotografien kommen hinzu, man setzt nach wie vor aufs Traditionelle, und auf Objekte und Skulpturen in eher herkömmlichen Materialien, neue Medien sind unterrepräsentiert.

Dicht an dicht reihen sich die Werke und von den meisten Künstlern kann nur ein einziges Exponat gezeigt werden. Doch zum 70-jährigen Jubiläum des Bestehens des Verbandes liegt heuer ein großer Katalog vor, der Künstlerbiographien und daneben kleine Fotos von einigen Arbeiten des jeweiligen Künstlers enthält, so dass man über die Ausstellung hinaus einen gewissen Eindruck vom Schaffen der Einzelnen bekommt.

Und erstmals hat der BBK drei Gastkünstler aus Österreich mit interessanten Werken eingeladen, man blickt über den Tellerrand und kooperiert: Die Fotografien von Elisa Andessner sind zugleich surreale Selbstporträts und demonstrieren eindrucksvoll, was Lichtkunst eigentlich ist. Die Tiefdrucke von Josef Brescher zeigen heftige lyrische Verdichtungen. Und die beiden Konzeptkunst-Werke von Arthur Summereder betrachten auf vertrackt ironische Weise Alltagsdinge unter dem Gesichtspunkt der Serialität und Norm-Variation.

Stacheldraht aus Wollfäden

1946 wurde der Berufsverband gegründet. Der Vorsitzende Ludwig Bäuml wies auf die damalige rasche und fruchtbare Beteiligung von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten hin. Im ersten Ausstellungsraum wird dann auch das Thema Migration mit Sabine Angerers Installation aufgegriffen. Und zwar durch eine herabhängende Stacheldrahtreihe, die den Raum an einer Stelle zweiteilt. Die Stacheln und Drähte sind allerdings aus Wolle, ein loser Vorhang nur, leicht kann man sich hindurchbewegen, am Boden liegt ein Nagelbrett, das zugleich ein Welcome-Fußabstreifer ist. Das Ganze wirkt plakativ, macht aber doch tatsächliche Vielschichtigkeiten sichtbar.

Die meisten der ausstellenden Künstlerinnen und Künstler sind seit vielen Jahren mit dabei und zeigen Variationen ihrer Themen und Ausrichtungen. Um nur einige zu nennen: Johanna Obermüller, allerdings bekannt für ihre Richtungsvielfalt, ist mit versierten Pigment-Grafiken vertreten, doch diesmal nicht mit ungegenständlicher Kunst, vielmehr transformiert sie ganz private Situationen ins ästhetisch wirksame, frech-sinnliche Bild.

Ruthild Langhammer malt eine große Seelenlandschaft, die beruhigt und anregt. Stilistisch ungewöhnlich und überreich im Detail ist die Mischtechnik-Arbeit von Hildegard Klepper-Paar. Peter Nowotnys Bild hängt über einem Türrahmen. Er zerlegt die Masken und Moden, durch die sich das Individuum heute aufbaut und stylt, immer weiter in ihre Bestandteile. Momenthaftes und Fetzenartiges bleibt dann übrig.

Die Fotografie glänzt in der Schau

Heuer sind vier Kunstschaffende zum ersten Mal bei einer Jahresschau vertreten: Christoph Schiessl mit langgezogenen Figuren aus Holz, die märchenhaft gruslig wirken. Christina Kirchinger irritiert und dekonstruiert mit ihren Radierungen die räumlichen Illusionen des Flächigen. Karlheinz Volland zeigt abstrakte Fotos. Andreas Gubers Videostills leuchten in abgehoben Farben, wirken aber etwas diffus.

Kommen wir noch mal zur Fotografie, die in dieser Schau glänzt. Eine Auswahl: Altmeister Michael Bry macht ein scheinbar einfaches Farbfoto von einem alten Haus, das Wind und Wetter und der Geschichte getrotzt hat, es steht da, inmitten einer blühenden Wiese, junge Bäume und dieses unsagbar bewegte Gras. Georg Hornung präsentiert in einer ausgefeilten 3D-Modellierung eine faszinierende Wesenheit, ein Art Natur-Technik-Konglomerat.

Erich Spahn hat ein Op-Art-Foto inszeniert, das man gar nicht ruhig anschauen kann, so sehr ist es in sich bewegt, dieses zackig gleichförmig Flirrende erinnert aber auch an etwas. Und Eveline Koojiman setzt sich bei ihren Fotoserien mit unterschiedlichsten Aspekten der Geschichte, in der wir stehen, auseinander. Auf ihren zwei Fotos lässt sie eine junge Frau im Stil der niederländischen Meister erscheinen, mal mit, mal ohne Interieur. Aber nicht eine simple kostümierende Übertragung des Damals auf das Heute sieht man hier, vielmehr eine Verschränkung und Anverwandlung, ein Mehr gegenüber dem, was die üblichen Bilder in heutigen Machart von Personen wiedergeben können, unterschlagene Befindlichkeits-Aspekte der Heutigen treten plötzlich deutlich hervor. Natürlich ist die Qualität der etwa 150 gezeigten Werke unterschiedlich, doch die kluge Anordnung und Kombination lässt auch in diesem Jahr alle Arbeiten in ihrem besten Licht erscheinen.

Hier geht’s zur Kultur.

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de jetzt auch über WhatsApp. Hier können Sie sich anmelden: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht