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Die Kunst der Variation

Das Regensburger Old-Folks-Trio begeistert auf „In the Mood for a Melody“ mit Cover-Versionen legendärer Songs.
Von Helmut Hein

Wolfgang Berger, Sepp Frank und Hand „Yankee“ Meier (v. l.) spielen wunderbare Cover von Klassikern. Foto: W. Robolt
Wolfgang Berger, Sepp Frank und Hand „Yankee“ Meier (v. l.) spielen wunderbare Cover von Klassikern. Foto: W. Robolt

Regensburg.Auf dem neuen Old-Folks-Album gibt es als Bonus-Track einen Live-Mitschnitt von „American Pie“. Dieser Song von Don McLean ist ein Schlüsselwerk der Pop-Geschichte. Er beschreibt den „Tag, als die Musik starb“. Gemeint ist der 3. Februar 1959. Damals kam der blutjunge Buddy Holly zusammen mit zwei Kollegen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Holly – und nicht Elvis Presley oder Bob Dylan – ist für Don McLean der Ahnherr von allem, was danach geschah – oder eben nicht mehr geschah. „American Pie“ wurde immer wieder gecovert, am eindrucksvollsten vielleicht von Madonna, die in ihrem Video den Song zu einer Chronik des amerikanischen Lebens macht, all seiner Träume und Beschädigungen. Ist ihre Version besser als das Original? Nicht besser, aber anders. Und damit wären wir schon beim Thema.

„Erst die Fülle der Versionen schöpft ja das Potenzial eines Songs halbwegs aus.“

Während es in der klassischen Musik selbstverständlich ist, dass es immer neue Interpretationen desselben Stücks gibt und nichts die Klassik-Freaks so sehr elektrisiert wie der Vergleich dieser Variationen, hat in der Rock-Musik, die im Bann der „Authentizität“ steht, die Coverversion nach wie vor eher ein schlechtes Image. Ganz zu Unrecht. Denn erst die Fülle der Versionen schöpft ja das Potenzial eines Songs halbwegs aus. Es gibt viel zu entdecken, wenn man sich neugierig und kreativ über den Ur-Text beugt.

In the Mood for a Melody

  • Auftritt:

    Die CD-Präsentation findet am 21. März um 20.30 Uhr in der Alten Mälzerei in Regensburg statt .

  • Verkauf:

    Die CD kann auf www.yankee-meier.de bestellt werden. Zu kaufen gibt es sie außerdem in Regensburg bei Bücher Pustet, in der Buchhandlung Dombrowski sowie bei Sound aktuell guitars im Pianohaus Metz.

Das Regensburger Trio – Hans „Yankee“ Meier (Gitarre und Gesang), Wolfgang Berger (Kontrabass) und Sepp Frank (Akkordeon), diesmal mit „special guest“ Robert Hasleder an der Mandoline – zeigt das exemplarisch und vorbildhaft. Zehn legendäre Lieder haben die Old Folks ausgewählt, neu arrangiert und instrumentiert und damit „unerhört“ gemacht. Was allein Sepp Frank mit seinem Akkordeon so alles anstellt: ein erstaunliches Intro zu „Honky Tonk Women“, Pariser Flair bei Peter Sarstedts „Where Do You Go To My Lovely“, manchmal auch nur ruppige Kürzel. Wolfgang Bergers Kontrabass ersetzt eine ganze Rhythmus-Sektion und „Yankee“ Meiers Gitarre – wie es so schön in einem Song heißt – ein ganzes Orchester.

„Lieblingsstücke? Vielleicht auch. Aber vor allem viel Verblüffendes.“

Lieblingsstücke? Vielleicht auch. Aber vor allem viel Verblüffendes: Wenn etwa am Beginn von Stings „Englishman in New York“ ein voluminöser und doch federnder Kontrabass auf sehr souverän hingetupfte Akkordeon-Quengeleien stößt. Oder wenn im Intro zu Springsteens „I’m On Fire“ fette Akkorde – als wäre da die E-Street-Band am Werk – von feinstem Gitarren-Geperle durchbrochen wird.

Es gibt auf diesem wunderbaren Coverversionen-Album auch zwei halbe Originale, beide verantwortet von einem gewissen „J.“ Meier: „Der Musikant“ übersetzt Billy Joels „Piano Man“ ins Bayerisch-Universelle. Da sprechen die Old-Folks-Musikanten offenbar von ureigenen Erfahrungen. So wie – hoffentlich doch nicht! – auf „Koaner Mehr Kennt Di“, dann nämlich, wenn man kein Geld mehr hat und es mit der früheren Freigiebigkeit aus ist.

Das neue Album der Old Folks heißt „In the Mood for a Melody“ Coverfoto: Th. Ferber
Das neue Album der Old Folks heißt „In the Mood for a Melody“ Coverfoto: Th. Ferber

Zum Abschluss dann mein Lieblingsstück: Kris Kristoffersons „Sunday Morning Coming Down“, von den Old Folks sehr atmosphärisch weitergedacht. Und wer, zum Vergleich, das Video zum Kristofferson-Original vor Augen hat, der bekommt vielleicht auch Lust, Michael Ciminos „Heaven’s Gate“ wiederzusehen – dieses Meisterwerk, das dummerweise einst die „United Artists“ in den Ruin trieb.

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