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Nachruf

Die Kunstprojekte sollen weiterleben

Nur drei Tage nach dem Tod von Prof. Manfred G. Dinnes folgte ihm seine Ehefrau Karin. Regensburger Künstler und Kunstwelt sind erschüttert.
Von Thomas Dietz, MZ

Prof. Manfred G. Dinnes (*2. 10. 1950 †23. 8. 2012). Seine Frau Karin folgte ihm in den Tod. Foto: Nübler/MZ-Archiv

Pettendorf/Regensburg. Dem unerwarteten Tod des Regensburger Künstlers Prof. Manfred G. Dinnes (61) ist jetzt eine weitere Tragödie gefolgt. Gestern Mittag wurde eine E-Mail mit erschütterndem Inhalt versandt: „An alle Freunde und Bekannten von Karin und Manfred. Ich als Tochter von Karin und Manfred muss Euch leider mitteilen, dass Karin ihrem alles geliebten Manfred gefolgt ist. Denkt an die schönen Momente mit beiden.“

Nur drei Tage lagen zwischen diesen beiden traurigen Entschlüssen in tiefster Einsamkeit. Regensburger Künstler, Kollegen und Kunstinteressierte sind fassungslos. Der langjährige MZ-Fotograf Dieter Nübler meinte: „Wir waren mehr als 30 Jahre lang befreundet. Das war keine kumpelhafte Freundschaft, sie war hervorragend – innig und gefühlsmäßig. Die beiden, Karin und Manfred, standen sich sehr nahe, hatten ein sehr enges Verhältnis. Man kann sich gar keine Differenzen zwischen ihnen vorstellen, unmöglich. Ich bin von dieser Nachricht noch ganz aus dem Häusl.“

Karin Dinnes wurde 54 Jahre alt; sie waren 36 Jahre lang miteinander verheiratet.

„Er steckte voller Pläne und Ideen“

Der Autor und Fotograf Benno Hurt, der Lesungen bei Prof. Dinnes gehalten hat, sagte: „Ich bin wie erschlagen. Er war doch immer lustig, gut aufgelegt, voller Lebenslust mit neuen Plänen und Ideen. Und nun auch sie. Über die Umstände weiß ich nichts. Es ist schwer, in die Menschen hineinzusehen. Aber damit müssen wir uns jetzt alle auseinandersetzen. Ich beneide keinen, der nur Künstler ist und nicht auch Lebenskünstler.“

Auch die Galeristin von Manfred G. Dinnes, Sybille Gruber aus München, hat die doppelte Todesnachricht kalt erwischt: „Schrecklich. Das müssen wir erst einmal verkraften. Aber alle Dinnes-Projekte – es sind immerhin drei Ausstellungen und ein neues Buch – sollen wie geplant in seinem Sinne durchgezogen werden.“

Noch in den letzten Wochen hat Prof. Dinnes intensiv mit der Autorin und Kulturmanagerin Susanne Göße am Konzept für das Begleitprogramm der Ausstellung „Daidalos. Werke von Prof. Manfred G. Dinnes“ im Nürnberger Tucherschloss (Eröffnung am 24. April 2013) gearbeitet. Susanne Göße schreibt in ihrem Nachruf auf Manfred Dinnes: „Der Regensburger Professor Manfred Dinnes gilt als einer der letzten großen, universal gebildeten und ausgebildeten Künstler, der mit seinen Bildern, Skulpturen und Glasarbeiten Maßstäbe setzte, ein unermüdlicher Forscher und Gelehrter mit profunder klassischer Bildung, Autor, Herausgeber, Kulturressortleiter eines Europa-Magazins, Regisseur, Humanist und Menschenrechtsaktivist – Manfred Dinnes ist letzte Woche gestorben und hinterlässt ein künstlerisches Werk von einzigartiger Größe.

Ganz in der Schule alter Meister lernte er sein Handwerk noch von der Pike auf – als Kirchenmaler und Restaurator, als Glasmaler und Glasbläser. Aber auch für die groben Arbeiten war er sich nicht zu schade – als Hafenarbeiter, Lastwagenfahrer und Bordmechaniker finanzierte er als junger Mensch seine Bildungsreisen. So wusste er, wie das Leben eines Arbeiters, eines Handwerkers aussieht – es sind diese Erfahrungen, die seinen Arbeiten das Lebensnahe, das Bodenständige, das Kraftvolle gaben, den hart erarbeiteten Boden, dem sein wissenshungriger, vielseitiger Geist seine Schöpfungen abrang.

„Bei ihm vibrierte der ganze Raum“

Dinnes hatte so viel zu sagen, dass sich seine ungeheure schöpferische Kraft in einer unglaublichen Vielzahl von Bildern niederschlägt, ohne je in der Wiederholung zu enden: immer wieder entstanden neue, ungeahnte Formen. Jedes Bild von Dinnes zeigt einen eigenen Farbklang, organische Formen von großer Schönheit schweben in einem Raum von unergründlicher Tiefe, in sich geborgen und doch im Außen verloren.

Zeigte er einem in seinem Atelier in St. Johann seine Bilder, lebte und vibrierte der ganze Raum. In intensiver, kräftezehrender Arbeit entwickelte Dinnes ein ganz und gar eigenständiges malerisches Werk, das in der deutschen Kunst einzigartig ist.

Manfred Dinnes, für den Leben und Arbeiten, Wollen und Wirken immer ein Akt der Freiheit war, hat sich nach einem Leben in fast übermenschlicher Schaffenskraft dafür entschieden, auch über sein Ende frei und selbst zu bestimmen: Er wählte letzte Woche den Freitod.“

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