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Die Kurzfilmwoche wird „international“

Bei der Preisverleihung mahnt die Festivalleiterin mehr finanzielle Unterstützung an. Zum Jubiläum 2014 schenkt sich die Veranstaltung einen neuen Namen.
Von Fred Filkorn, MZ

Gutgelaunter Abschluss einer gelungenen Woche: die Juroren und Preisträger der Kurzfilmwochen-Wettbewerbe Foto: Schönberger

Regensburg.Am Mittwochabend ging die Kurzfilmwoche zu Ende – und alle waren glücklich. So sah es zumindest aus, als Festivalleiterin Insa Wiese zum Abschluss der Preisverleihung alle Mitarbeiter, Jurymitglieder und Preisträger auf die Bühne bat. Selbst der Wasserrohrbruch im Musikclub „Heimat“, wo die große Zündfunkparty hätte stattfinden sollen, dämpfte die Stimmung nicht. Die „Mutter aller Partys“ wurde einfach im Foyer der Filmgalerie.

Über 300 Kurzfilme, ausgelassene Feste, anregende Gespräche und interessante Vorträge führten die 19. Kurzfilmwoche zum Erfolg. Und auch viele internationale Gäste waren heuer wieder unter den Besuchern. In Videointerviews, die auf der Webseite der Kurzfilmwoche nachzuschauen sind, erklären sie den besonderen Charakter der Veranstaltung. Um diese internationale Ausrichtung noch stärker zu betonen, solle die Kurzfilmwoche nächstes Jahr in „Internationale Kurzfilmwoche Regensburg“ umbenannt werden, verriet Wiese.

Die Festivalorganisatorin sprach mit der notorischen Unterfinanzierung aber auch einen kritischen Punkt an. Obwohl dem Event von Seiten der Stadt eine herausragende Bedeutung zugesprochen wird, fehlt es an Mitteln, den vielen ehrenamtlichen Helfern wenigstens eine Aufwandsentschädigung zu bezahlen. „Ich habe noch nie mit einem so tollen, engagierten Team zusammengearbeitet“, sagte Wiese, „mein Herzenswunsch ist es, dass möglichst viele auch nächstes Jahr wieder dabei sein können.“ Das sei aber nur möglich, wenn man ihnen auch etwas bezahle.

Viel Applaus für die Arbeit der Kinder

Bezahlt gemacht hat sich auf jeden Fall schon mal der Trickfilm-Workshop für Kinder. Sein Ergebnis – ein Playmobilfilm mit äußerst amüsanten Dialogen – wurde vom Publikum mit großem Applaus bedacht. Der Workshop fand im zentral gelegenen W1 statt, das auch als neue Spielstätte auf große Zustimmung traf.

Den Lotte-Reiniger-Abend mit Live-Vertonung in der Hochschule für katholische Kirchenmusik verbuchten die Veranstalter ebenfalls als Zugewinn. Für alle, die nicht dabei sein konnten, bearbeitete Musikstudent Stefan Shen erneut die Cello-Saiten und erweckte Reinigers Scherenschnittfilm „Galathea“ zum Leben.

In seinem lebensbejahenden Optimismus rührte „Testfahrer“ zu Tränen, der im Deutschen Wettbewerb den BMW-Kurzfilmpreis gewann. Der Thüringer Senior Volkmar Kirschbaum sitzt im Elektro-Rolli, hat sämtliche Krankheiten, die man sich nur vorstellen kann, und ist trotzdem gut drauf. Der junge Regisseur Florian Arndt steuerte dann noch den Spruch des Abends bei: „Noch kein Bartwuchs, aber schon einen Filmpreis in Regensburg gewonnen.“

Einen stattlichen Bart trägt der 65-jährige Werner, der im Mittelpunkt von „Entspannt & Locker“ steht. Die Doku über die Regensburger Mountainbikeszene erhielt den mit 500 Euro dotierten Regionalfensterpreis von Mittelbayerische.de. Jurorin Stefanie Wiesinger lobte den Protagonisten für seine Authentizität. Der Online-Voting-Preis „Miteinander“ der Volksbank Regensburg und Mittelbayerische.de ging dieses Jahr an „König Ludwig“. Die Geschichte vom Abschiednehmen ist im verschneiten Bayerischen Wald angesiedelt.

Den wettbewerbsübergreifende Förderpreis des FilmFernsehFonds Bayern durfte eine überglückliche Eva Trobisch mit nach Hause nehmen. Ihr präzise inszenierter „Wie du küsst“ erzählt in poetischen Bildern von der erwachenden Sexualität eines Jugendlichen.

Extra-Preis für einen politischen Film

Matthias Stolls „Sterben nicht vorgesehen“ wurde im Deutschen Wettbewerb für seinen genreübergreifenden Ansatz mit dem Max-Bresele-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Das Kartenhaus Kollektiv möchte mit diesem Preis junge, politisch engagierte Filmemacher unterstützen.

Im Internationalen Wettbewerb hat die Jury der Jungen der belgische „Kus me zachtjes“ überzeugt. Der Kurzfilmpreis der Stadt Regensburg geht deshalb an Anthony Schatteman, der vorbildlich drei gesellschaftlich relevante Themen verknüpft. Der gutgelaunte Belgier bedankte sich in einer Videobotschaft. Der mit 5000 Euro dotierte Hauptpreis des Internationalen Wettbewerbs, der BR-Kurzfilmpreis, geht heuer nach Frankreich. Die internationale Jury zeigte sich von Franck Dions poetisch-kafkaesker Animation „Edmond était un âne“ beeindruckt.

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