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Konzert

„Die Mame“ mit den Heiratswilligen

Im jüdischen Gemeindesaal begeisterten zwei Berliner mit Jiddischkeiten.
Von Michael Scheiner

Sharon Brauner und Karsten Troyke sangen auf Jiddisch. Foto: Scheiner
Sharon Brauner und Karsten Troyke sangen auf Jiddisch. Foto: Scheiner

Regensburg.„Wir singen diesen Song für alle, die damals ihre Liebe nicht leben konnten.“ Das letzte Lied ihres Auftritts im Jüdischen Gemeindezentrum widmeten Sharon Brauner und Karsten Troyke als Zugabe den Menschen, deren Liebe – und Leben – gewaltsam und gnadenlos während der Naziherrschaft beendet wurde.

Nach einem kurzen beklemmenden, für manche Zuhörer vermutlich auch schmerzlichen Moment der Erinnerung begannen die beiden Leonard Cohens zärtlich-trauriges „Dance Me to the End of Love“ auf Englisch zu singen. Bei der zweiten Strophe wechselten die Berliner Sänger ins Jiddische, ihrer bevorzugten Sprache ihres Auftritts. Cohen hat das Lied 1984 unter dem Eindruck eines Streichquartetts geschrieben, von dem er wusste, dass es in Konzentrationslagern spielen musste, während gleichzeitig die Mitgefangenen der Musizierenden ermordet und verbrannt wurden. Kein anderes Lied des mal heiter-vergnüglichen, nachdenklichen und dann wieder melancholisch-schwermütigen Programms enthielt einen so deutlichen Bezug zum Holocaust.

Wobei schon die Verwendung des in Westeuropa fast verschwundenen Jiddisch ein kultureller Akt des Trotzes und Triumphs ist. Erst seit den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts wird diese an einen deutschen Dialekt erinnernde Sprache wieder verstärkt gesprochen, vielmehr gesungen.

Brauner und Troyke sind zwei Schauspieler und Sänger, die sich bereits seit vielen Jahren auch der jiddischen Musik zugewandt haben. Beide sind in der damals geteilten Stadt Berlin aufgewachsen, Troyke im sozialistischen Osten, Brauner – eine Nichte des vergangenen Jahres verstorbenen Filmproduzenten Artur Brauner – im Westen. Kennengelernt haben sie sich allerdings erst bei einem Festival in New York vor fünf Jahren und beschlossen zusammenzuarbeiten.

Einfühlsam begleitet von Harry Ermer am Flügel und dem Geiger Daniel Weltinger sang das Duo mit seinem Programm „Bei mir bist du shejn!…“ traditionelle jiddische Lieder, Popsongs, jazzige Nummern, jüdische Tangos und einige Folksongs, die Troyke bearbeitet und umgetextet hat.

Mitreißend, wie die vor Energie sprühende Brauner das gefühlsstarke Chanson „Padam“ von Norbert Glanzmann, das Edith Piaf gesungen hat, mit ihrer kraftvollen Stimme leuchten lässt. Ein wenig listig dagegen ihre vergnügliche Interpretation des überlieferten „Di Mame iz gegangn“, um vom Markt mit jeweils heiratswilligen Kandidaten zurückzukommen zur Tochter. Riesigen Beifall erntete auch Troyke mit seinem eigenwillig rauen Timbre für seine melancholischen Liebeslieder wie „Budapesht“ und „Toda“.

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