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Musik

Die Meisterwerke von Bob Dylan

Zum 75. Geburtstag von Bob Dylan haben MZ-Redakteure ihre Lieblingssongs des Sängers gesammelt. Das sind unsere Favoriten:
Von Mathias Wagner, MZ

Bob Dylan tritt am 3. Juni 1984 bei einem Open-Air-Konzert im Olympiastadion in München auf. Der Musiker feiert am 24. Mai seinen 75. Geburtstag.
Bob Dylan tritt am 3. Juni 1984 bei einem Open-Air-Konzert im Olympiastadion in München auf. Der Musiker feiert am 24. Mai seinen 75. Geburtstag. Foto: dpa

Regensburg.„His Bobness“ hat mit seiner Musik auch viele MZ-Redakteure bewegt und begeistert. Zu seinem 75. Geburtstag haben sie in ihren Plattenschränken (oder Festplatten-Ordnern) gekramt, um ihre persönlichen Lieblingslieder von Bob Dylan herauszusuchen.

Happy Birthday, Mr. Zimmerman!

„Subterranean Homesick Blues“

(Martin Anton)

„Lange war der Song „Hurricane“, der die Geschichte des gleichnamigen Boxers erzählt, mein Lieblings-Dylan-Song. Doch inzwischen hat der „Subterranean Homesick Blues“ das Protestlied abgelöst. Dylan treibt mit seinem Sprechgesang und repetitiver Gitarre den Song vor sich her, irgendwo zwischen Blues und frühen Versionen von Stoner-Rock und Rap, und nimmt nebenbei mal eben die US-Gesellschaft auseinander. Außerdem das Musikvideo, eigentlich das Intro für einen Dokumentarfilm … verdammtes Genie.“

„Spirit On The Water“

(Marion Koller)

„Spirit On The Water“ mag ich sehr. Die Musik kommt beinahe beiläufig und sehr leicht daher. Sie plätschert in mein Ohr. Die Lyrics haben es in sich. „You burned your way into my heart / You got the key to my brain (…) Life without you / Doesn’t mean a thing to me / If I can’t have you, / I’ll throw my love into the deep blue sea“. Welcher Mann schreibt poetischer über die Liebe?

Blowin‘ in the Wind

(Andreas Brey)

Blowin‘ in the Wind! Dieses Lied schafft zwar keine Bilder im Kopf, aber eine unverwechselbare Melodie und drei Wörter „The answer, my friend,…“! Meiner Meinung nach Bob Dylans zweitgrößte Hymne – und völlig zu unrecht nur auf Platz 14 der 500 besten Songs aller Zeiten (Rolling Stone Magazin/2004) gewählt.

It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)

(Christine Straßer)

Meine Begeisterung für „It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)“ wurde auf eine harte Probe gestellt, als ich mir in den Kopf gesetzt hatte, den Text zu übersetzen. Jenen Text, der mich mit seinen unreinen Reimen, in seinen gleichzeitig aber konsequenten formalen Bögen so sehr in den Bann zog: You lose yourself, you reappear / You suddenly find you got nothing to fear / Alone you stand with nobody near / When a trembling distant voice, unclear / Startles your sleeping ears to hear / That somebody thinks they really found you. Das wirkt so unbemüht, so natürlich. Es ist schlichtweg genial. Beim Übersetzen ließ mich dieser Text aber verzweifeln. Bis mir klar wurde, dass da schon Musik auf dem Textblatt steht. Die Reime sind dreiviertel der Musik. Unmöglich sie wegzulassen. Unmöglich für mich das zu übersetzen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das eingesehen habe, aber keine Sorge: Heute ist wieder alles gut.

The Hurricane

(Sebastian Heinrich)

Ja, der Song tropft nur so vor Pathos. Nein, er ist wahrlich kein Geheimtipp. Und nein, musikalisch ist er ¨– Bob Dylan halt – alles andere als eine Offenbarung. Aber seit mir meine Mutter vor gut 20 Jahren „The Hurricane“ zum ersten Mal von einer Kassette abspielte, bekomme ich jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich ihn höre. Auch, weil diese kraftvoll hingenäselte Hymne gegen den Rassismus in der Mitte der Gesellschaft nie aufhören will, aktuell zu sein.


Bob Dylan Hurricane von social7

One More Cup Of Coffee

(Martin Hladik)

Meine Lieblings-Phrase von Dylan ist: „Give me one more cup of coffee ’fore I go to the valley below“. Immer dann, wenn es in der Arbeit oder sonstwo länger dauert, kommt mir diese Liedpassage in den Kopf. Ist meine persönliche Motivationshymne. Auch wenn das gar nix mit dem eigentlichen Songinhalt zu tun hat.

Like a Rolling Stone

(Roland Ebner)

Meine Favoriten für alle Zeiten sind „John Wesley Harding“ (1968), „Desolation Row“ (1962) und natürlich „Like a Rolling Stone“ (1965, erstmals mit Verstärker!). Damals (1965) war ich ein Knabe und alle Kumpels und Freunde haben Beatles gehört oder selber in einer Krach-Kombo gespielt. Ich war halt ein bisserl anders drauf: Ich habe den Dylan seinerzeit auf Radio Nordteich unter der Bettdecke gehört und dann mit meinem ersten Geld beim Radio Eberle eine Platte gekauft: „Highway 61 Revisited“! Mich haben sie ausgelacht, die Buben, weil: „Der Bursche kann nicht singen, knödelt nur!“ - Naja, die Buben sind alt geworden, ich auch und der „Meister“ singt noch immer. 104 Jahre soll er werden „All Along the Watchtower“!

The Night We Called It A Day

(Mathias Wagner)

Natürlich, das Dylan-Album „Blonde On Blonde“ versüßt mir zuverlässig und in schöner Regelmäßigkeit das Leben. Doch trotzdem: Bob Dylan spielte bei mir nie eine allzu große Rolle. Selbst als das letztjährige Konzert in der Donau-Arena angekündigt wurde, ließ mich das zunächst kalt. Kurz zuvor bekam ich doch Lust darauf – und wurde zum Fan. Und das, obwohl viele Konzertgänger von dem Auftritt enttäuscht waren. „His Bobness“ verzichtete nahezu völlig darauf, seine alten Hits (wieder einmal) zum Besten zu geben. Stattdessen bezog er sich auf Frank Sinatra, der in der Popgeschichte doch stets der Gegenpart zu Dylan war. Jetzt aber huldigte Dylan seinen längst verstorbenen Kollegen, sang dessen Songs und versuchte dabei auch noch zu singen. Statt mit Sandpapier-Stimme zu knödeln, intonierte Bob Dylan auf der Bühne und auf seinen beiden Alben „Shadows In The Night“ und „Fallen Angels“ die Songs von Ol‘ Blue Eyes mit sanfter Stimme. Zum Niederknien.

Lesen Sie hier eine Huldigung an Bob Dylan von Helmut Hein.

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